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Symen und Stefan Schendel bringen High-End-Räder im passenden Ambiente an den Mann und die Frau.
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Handel - Jedi Sports

Edle Räder im alten Schlösschen

Als Online-Händler gestartet, jetzt im stationären Handel angekommen – mit einem ­Konzept, das seinesgleichen sucht. Jedi Sports in Krefeld ist Ansprechpartner für Kunden auf der Suche nach hochwer­tigem Sportmaterial. Man will kein Geschäft sein, sondern Galerie.

Außergewöhnlich. Dieses Adjektiv trifft, was Symen und Stefan Schendel mit ihrem neuen Rennradgeschäft in Krefeld aufgezogen haben. Das Ladenlokal liegt in einem Ausflugsgebiet für Wanderer, die Natur mit niederrheinischer Wald- und Parklandschaft zieht nicht nur Besucher an, sondern auch Betuchte. Wer Jedi Sports am Hülser Berg in Krefeld besucht, kommt vorbei an modernen und klassischen Anwesen, die kaum Zweifel am Status ihrer Eigentümer erlauben. Ein passender Ort für High-End-Räder. Und die stehen dann eben nicht im Showroom. »Geh doch schon einmal in die Galerie«, sagt der Mitarbeiter zur Begrüßung. Vom ersten Moment an ist klar: Hier soll das Rennrad und das Verkaufserlebnis auf eine andere Ebene gebracht werden.
Seit März dieses Jahres betreiben Symen und Stefan Schendel ihr bereits seit 13 Jahren laufendes Geschäft mit Rennrädern, Rahmen und Teilen nun im so genannten »Parkschlösschen«. Zum Jahreswechsel übernahmen die beiden die Immobilie zunächst für drei Jahre als Pächter. Es ist das älteste Haus in dem Ortsteil und bei Ausflüglern bekannt für den Garten der Traditions-Gastronomie. Diese Wirtschaft ist Vergangenheit, die Zukunft soll ein Radgeschäft sein, das vor allem für Kunden aus Höchstpreis-Zielgruppen die passenden Produkte und Dienstleistungen bereithält.
Exklusivität möchte Jedi Sports im Parkschlösschen an vielen Stellen ausstrahlen. Vorne hat man die Theke des alten Gasthofs erhalten, aber in glänzendem Schwarz verkleidet. Oben an der Decke hängen Kronleuchter, an der Wand nicht nur das alte Rennrad von Stefan Schendel, ein Yeti, sondern man blickt auch auf eine Champagnerflasche der Marke Pol Roger, Zulieferer der britischen Royals. Eine Espressomaschine der italienischen Firma Rocket, ebenfalls schwarz, steht zentral auf der Theke. Mit dem Einzug in dieses Haus haben die Schendels ihrem Handelsunternehmen auch noch einen Gastronomiebetrieb hinzugefügt, er ist aber nur an Wochenenden geöffnet.
Die Attraktion von Jedi Sports, die Galerie, betreten die Besucher gleich hinter der Ecke der Café-Theke. Der Boden mit Fischgrätenparkett belegt, die Decke mit Stuck geschmückt, gibt dieser Raum den Besuchern Platz, um die wenigen Exponate auf sich wirken zu lassen. Auf glänzend weißen, niedrigen Schranksystemen stehen die Fahrräder von 3T, Look, Focus, Cervelo, BMC und Pinarello. Ein besonderer Hingucker wird vor einem großen Auge auf schwarzer Wand präsentiert, der »Eyecatcher«, etwa ein Gravelbike von Open Cycle.

Traumräder für Kunden, die etwas für sich tun wollen.

Symen Schendel spricht vortragsartig über ihren Ansatz. Wenn sie berichtet, klingt ein enges Netzwerk durch zu jenen Unternehmen, die in der Branche immer noch einen besonderen Ruf genießen. Symen Schendel weiß, wie man die richtigen Botschaften platziert. Im BWL-Studium hat sie sich auf strategisches Marketing spezialisiert. Seit 2006 managte sie das Geschäft zusammen mit ihrem Mann aus dem eigenen Wohnhaus gleich um die Ecke. Man machte sich einen Namen nicht nur mit hochwertigen Teilen, die übers Netz verschickt wurden. Immer stärker sei Jedi Sports auch zum Anbieter von auf Kundenwunsch aufgebauten Kompletträder avanciert. Das Zauberwort lautet »Custom«.
»Wir haben das 2006 als reines Online-Geschäft gestartet«, erinnert sich Schendel – inzwischen steuert man immer stärker auf stationäres Geschäft um. »Bei uns geht es um Emotionen. Das bekommen die Kunden nicht, wenn sie einen Versandkarton öffnen.« Sie möchte eine Zielgruppe anpeilen, die eben nicht beim Versender ordert oder in einem beliebigen Radladen ein neues Bike kauft. Sie möchte eine Zielgruppe anzapfen, für die Exklusivität einen Wert hat. »Es sind oft Leute, die beruflich schon etwas erreicht haben und die nun etwas für sich tun wollen.« Die Idee: Nicht im Netz den Preiskampf führen, sondern im Premium-Segment die selektiven Kunden aus aller Welt für sich gewinnen. »Für unsere Kunden sind die Räder auch Statussymbole.« Dann liefert man eben auch mal ein fertiggestelltes Produkt direkt an den Frankfurter Flughafen, wo der Kunde gleich in den Flieger steigt.
»Wir versuchen hier auch zu vermitteln, was Custom alles ist«, sagt Symen Schendel. Das geht weit über die richtige Rahmenhöhe und verschiedene Schaltgruppen hinaus. Ein wichtiger Aspekt ist die Lackierung. Sie deutet auf einen schwarzen Rahmen von 3T mit weißen Fleckmustern – eine individuelle Lackierung, die man dem eigenen Rad hinzufügen kann. Ein Partner in den Niederlanden übernimmt diesen Job.
Das Geschäft mit dem Aufbau von Top-Rennern lief schon seit einigen Jahren gut – zu gut, fand Symen Schendel. Denn bislang hatte man den Betrieb in einem stillgelegten Pool im eigenen Wohnhaus, die Kunden und Vertriebler der Partnerfirmen gingen also im privaten Umfeld der Schendels ein und aus. Je mehr Jedi Sports nicht nur online konsultiert wurde, desto nerviger wurde das fürs Privatleben. Eine neue Lösung musste her.

Einzigartiges Ambiente weckt Begehrlichkeiten

Mit dem Parkschlösschen ist das gelungen. Sie höre ständig, dass es solch ein Ambiente nicht noch einmal gebe in Deutschland. Die attraktive Präsentation und das hochwertige Portfolio machten auch schon Kriminelle aufmerksam. Im Juli brachen bislang unbekannte Täter in das Anwesen ein und entwendeten vier Rennräder im Gesamtwert von ca. 40.000 Euro. Schendel hat nochmal Kameraüberwachungen nachgelegt und vor einem Fenster sogar Nato-Stacheldraht verlegt.
Die Kundschaft von Jedi Sports ist international. Und dennoch kämen viele dieser Kunden nach Krefeld, um sich das Rad persönlich abzuholen und zeigen zu lassen. Man habe Kunden aus Russland, aus Abu Dhabi und auch Thailand mit Rädern versorgt. »Die Menschen kommen und holen ihre Traumräder ab. Das sind ganz besondere Momente, die wir auch entsprechend zelebrieren.« Aber auch Kleidung und Schuhe verkauft man inzwischen nicht mehr nur übers Netz, sondern eben im stationären Handel.
In diesem Jahr möchte Schendel gern »eine dreistellige Anzahl Räder« verkaufen. Hier setzt sie auch auf den Wachstumsmarkt Gravel. »Dafür haben wir hier am Niederrhein das perfekte Gelände«, sagt Schendel. Um auf das neue Geschäft aufmerksam zu machen und Leben in die Community zu bringen, bietet Jedi Sports mit Partnern Veranstaltungen an. So bietet der Kölner Bikefitting-Spezialist Komsport in den Räumen von Jedi Sports Termine an. Schendels Firma organisiert mit dem Beverly Hüls-Ride nun auch eine Gravel-Ausfahrt, um diese neue Art des Radsports gemeinsam erfahrbar und natürlich das eigene Sortiment schmackhaft zu machen. Und auch mit der eigenen Werkstatt möchte man mehr machen als Aufbau und Inspektionen. So veranstaltete Jedi Sports etwa im September einen Workshop, bei dem die Teilnehmer die Grundlagen zur Radmechanik, Schlauchwechsel und zur Reinigung der Räder erlernten.
Das Online-Geschäft setzen die Schendels weiter fort, aber die Anteile sollen sich verschieben. Der stationäre Handel mit edlen Marken und wenigen, aber zahlungskräftigen Kunden, das soll der Weg in die Zukunft sein.

7. Oktober 2019 von Tim Farin
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