
Debatte um illegale E-Fatbikes:
Ernst Brust fordert Fokus auf Marktüberwachung statt Bauartverbote
In der öffentlichen Diskussion um hochgeschwindigkeitsfähige, sogenannte „illegale Fatbikes“ wird aus Sicht des öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen Ernst Brust (velotech.de) an den falschen Stellschrauben gedreht. Während in Politik und Medien häufig über Bauartverbote nachgedacht wird, sieht Brust das Kernproblem beim Inverkehrbringen und der fehlerhaften Fahrzeugklassifizierung.
„Ein Fatbike ist zunächst keine rechtliche Fahrzeugklasse, sondern beschreibt ein Fahrradkonzept mit breiten Reifen“, stellt Brust klar. Breite Reifen seien nicht ursächlich dafür, dass Fahrzeuge Geschwindigkeiten von 50 bis 90 km/h erreichen. Ein regelkonformes Fatbike könne ein völlig legitimes Pedelec sein – umgekehrt mache die bloße Anwesenheit von zwei Pedalen aus einem überstarken E-Fahrzeug noch lange kein Fahrrad.
Kritik an der „Tuning“-Rhetorik
Ein zentraler Punkt der Stellungnahme: Die Unterscheidung zwischen nachträglicher Manipulation (Tuning) und Fahrzeugen, die bereits im Auslieferungszustand nicht die Kriterien eines EPAC/Pedelecs erfüllen. Letzteres bezeichnet Brust als besonders kritisch. Wenn Fahrzeuge über falsch deklarierte Warenströme nach Europa gelangen und unkompliziert über Online-Plattformen oder Händler vertrieben werden, müsse die Marktüberwachung ansetzen – und zwar deutlich früher als erst bei den Kontrollen durch die Polizei auf der Straße.
Falsche Parameter in der Zulassung?
Zugleich kritisiert der Gutachter, dass sich die Debatte zu stark auf die reine Abschaltgeschwindigkeit und die Nenndauerleistung verenge. Für die Verkehrssicherheit sei die Beschleunigungsdynamik mindestens ebenso entscheidend: Hohe Motordrehmomente ab dem Stand können gerade für junge Fahrer gefährlich sein. Brust schlägt vor, künftig auch objektiv messbare Beschleunigungsgrenzen in die technische Bewertung einzubeziehen und die Manipulationssicherheit (z. B. Entdrosselung via App oder Display-Code) strenger zu prüfen.
Forderung an Handel und Importeure
Brusts Fazit richtet sich direkt an die Lieferketten und die Marktüberwachung: Ein Pauschalverbot breiter Reifen sei der falsche Weg, da man damit auch gesetzeskonforme Produkte abstempeln würde. Stattdessen müssten Importe, Deklarationen und Plattformangebote konsequent kontrolliert werden, um nicht-konforme Kraftfahrzeuge gar nicht erst in den Markt gelangen zu lassen.
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