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Vor drei Jahren hat Yasmin von Schweinitz die Unternehmensführung von Mutter Silvia übernommen, die seitdem als Creative Director im Familienbetrieb fungiert.
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Portrait - Lunari

Es waren einmal nasse Kindersitze…

»Immer ein bisschen mehr als man auf den ersten Blick sieht« – so lautet das Motto von Fahrradausrüster Lunari und der dazugehörigen Marke für E-Bike-Schutzbezüge Bikers Own. Wer das Unternehmen näher kennenlernt, merkt, dass dieser Anspruch nicht nur für die Produkte Gültigkeit besitzt.

Wenn Yasmin von Schweinitz über ihr Unternehmen Lunari redet, dann fallen häufig Begriffe wie Bauchgefühl und Karma. Aber auch der Satz: »Mir ist es ungeheuer wichtig, dass die Händler mit unseren Produkten keine Sorge haben müssen, dass mal etwas wegen Qualitätsmängeln zurückkommt.« Doch der Reihe nach.
Als Yasmins Mutter Silvia von Schweinitz vor ungefähr zehn Jahren an einem verregneten Tag aus dem Fenster ihres Hauses in Lemwerder schaute, ahnte sie wahrscheinlich noch nicht, dass dies der Auslöser für eine erfolgreiche Gründergeschichte werden sollte. Was sie sah, waren Fahrräder von Müttern mit Kindern vor einer Zahnarztpraxis, die im Regen standen. Sie sah Kindersitze, über die als Regenschutz eine hässliche Mülltüte gestülpt war, oder Kinder, die sich nach überstandenem Arztbesuch in nasse Kindersitze setzen mussten. Das geht besser, dachte die patente Frau, und setzte sich an ihre Nähmaschine. Wenig später war der Prototyp des »Lucky Cape 4 in 1« fertig. Zunächst noch aus einem alten Bettlaken, später aus atmungsaktiven Membranstoffen geschneidert: ein Regencape für Kinder, das gleichzeitig eine Schutzhülle für Kindersitz (oder Einkaufskorb) und Sattel ist und bei Nichtgebrauch in einem kleinen Täschchen unter dem Sattel verschwinden kann.
Silvia von Schweinitz zeigte dabei jedoch nicht nur ihr kreatives Potenzial, sondern auch ihren Geschäftssinn. Denn ihr neuerfundenes Regencape ließ sie sich patentrechtlich schützen, bevor sie mit dem Prototyp auf Herstellersuche ging und diesen zunächst in Polen fand. Der ursprüngliche Wunsch, die Produkte in Deutschland fertigen zu lassen, scheiterte übrigens daran, dass es hierzulande keine entsprechenden Fertigungsbetriebe gab.
Ihre Tochter Yasmin peilte unterdessen nach dem Studium von Psychologie und Wirtschaftswissenschaften eine Karriere im diplomatischen Dienst an. Die junge Frau wollte viel reisen und mit andern Menschen ar‑
beiten. Neben ihrem Job bei einer amerikanischen Außenhandelsorganisation in München übernahm sie im jungen Unternehmen ihrer Mutter den Vertrieb. Quasi nach Feierabend und an Wochenenden tingelte sie zu Fahrradläden, wo sie mit dem cleveren Kindersitz-Cape oft offene Türen einrannte. »Mit den Fahrradhändlern zu reden und zu arbeiten, machte mir richtig Spaß«, erzählt Yasmin von Schweinitz. Das habe sich übrigens auch zehn Jahre nach der Firmengründung nicht geändert.
Es dauerte nicht lange, bis die ersten Vertreiber auf das junge Unternehmen aus dem Bremer Umland aufmerksam wurden. Den ersten Vertriebspartner fanden die Lunari-Macher mit Großhändler Hartje aus Hoya quasi in der Nachbarschaft.
Mit dem Vertriebspartner wurde aus dem Start-up nicht nur rasch ein florierendes Unternehmen, die neue Aufgabenteilung gab Mutter und Tochter zudem mehr Zeit, um neue Produkte zu entwickeln. Auf das Lucky Cape folgten beispielsweise der blumige Sattelschutz »Blümilis« (Motto: »Love, Peace & Regenschutz«), Sattelschoner aus Fell mit integrierter Regenhülle, Regenschützer für Schulranzen und Regencapes für Rollstuhlfahrer. Außerdem lassen die Lunari-Macherinnen ihren kreativen Ideen regelmäßig auch bei der Umsetzung von textilen Werbeartikeln freien Lauf. So findet sich beispielsweise auch ein multifunktioneller Sportschal im Lunari-Katalog, den das Lemwerder Unternehmen unter anderem für eine große Krankenkasse aufgelegt hat. Zudem zählen auch einige Fahrradhändler mit individuell bedruckten Sattelschutzhüllen zum wachsenden Kundenkreis für Werbeartikel.
Inzwischen beliefert Lunari fast alle Großhändler in Deutschland. Die Leitung des Unternehmens hat mit der Umwandlung in eine GmbH vor drei Jahren Yasmin von Schweinitz übernommen. Mama Silvia ist seitdem Creative Director im Familienunternehmen. Tochter Yasmin kümmert sich unterdessen verstärkt auch um den Einkauf. »Nach einiger Zeit wurden die in Polen gefertigten Lunari-Produkte immer kleiner«, erinnert sich von Schweinitz. Als die Lunari-Macherin die Ursache erforschte, zeigte sich, dass der Lieferant in Polen dazu übergegangen war, die Produkte nicht mehr selbst zu fertigen, sondern in China einzukaufen. Die Zusammenarbeit mit dem polnischen Lieferanten wurde daraufhin beendet. Seitdem reist Yasmin von Schweinitz mehrmals im Jahr selbst nach China, um dort den Kontakt zu den asiatischen Lieferanten zu pflegen. »Da sind inzwischen nicht nur gute Geschäftsbeziehungen«, freut sie sich, »sondern auch einige echte Freundschaften entstanden.«

Neues Standbein im E-Bike-Markt

»Ich glaube, ich habe ein gutes Gespür dafür, ob Sachen laufen«, sagt Yasmin von Schweinitz. Dieses Gespür hatte auch angeschlagen, als sie zum ersten Mal auf die Problematik von E-Bikes, die auf Autoheckträgern transportiert werden, aufmerksam wurde. Durch den hohen Druck der Wasserwirbel hinter dem Fahrzeug werden oft die Komponenten der transportierten E-Bikes beschädigt. Die Antwort von Lunari auf diese Problematik ist die Marke Bikers Own, die im vergangenen Jahr den Handelspartnern vorgestellt wurde. Im Programm der neuen Marke finden sich Schutzhüllen für die verschiedenen Komponenten am E-Bike, wie Motor, Akku und Display.
Allen Hüllen gemeinsam ist nicht nur die besonders robuste, hochwertige Machart, sondern auch die gute Passform an den meisten gängigen E-Bike-Modellen. Diese Eigenschaft der Bikers-Own-Produkte kommt natürlich nicht von ungefähr: »Vor der Markteinführung habe ich viele Stunden in Fahrradläden verbracht, und habe lange rumgetüftelt, bis die Schutzhüllen an alle E-Bikes gepasst haben, die ich in den Läden vorgefunden habe«, erzählt die Lunari-Geschäftsführerin. Ein Indiz, dass dies offenbar gut gelungen ist, sind die Kopien der Bikers-Own-Modelle, die bereits im Markt kursieren. Gleichwohl ohne natürlich den Anspruch an Qualität und Funktion des Originals zu erreichen: »Wenn wir Produkte entwickeln, liegt unser Augenmerk immer auch auf zusätzlichen Funktionen und somit einem gewissen Mehrwert für die Kunden. Solche Eigenschaften lassen die Kopierer unberücksichtigt. Meiner Erfahrung nach, kauft der Händler lieber Qualität direkt beim Erfinder, als dass er sich durch schlecht gemachte Kopien mehr Probleme durch Retouren oder schlimmeres in den Laden holt«, erklärt Yasmin von Schweinitz.
Mit der Expansion in den E-Bike-Markt hat sich das Unternehmen aus Lemwerder auch neue Wachstumsziele gesetzt. »Wir wollen uns als führender Anbieter etablieren, wenn es um den Schutz von E-Bike-Komponenten geht«, erklärt die Bikers-Own-Macherin. Gleichzeitig gibt Lunari aber auch mit seinem ursprünglichen Kerngeschäft, der Schutzausrüstung im Regen Gas. Für die neue Saison soll erstmals ein eigener Außendienst eingestellt werden, der die Vertriebsaktivitäten der Partner im Großhandel unterstützt. Gleichzeitig ist für dieses Jahr erstmals ein Messestand auf der Eurobike geplant. Und dann steht auch noch die Expansion in neue Märkte im europäischen Ausland auf der Agenda. Klingt ganz so, als ob der Berufswunsch von Yasmin von Schweinitz, viel zu reisen und viele neue Menschen kennenzulernen, auch ohne Karriere im diplomatischen Dienst in Erfüllung geht.

16. Februar 2015 von Markus Fritsch

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