
BikeFinder Theft Report 2025
Fahrraddiebstahl 2025: Der eigene Keller als Risikogebiet
Trotz technologischer Fortschritte bleibt Fahrraddiebstahl eines der häufigsten Eigentumsdelikte in Europa. Laut der European Cyclists‘ Federation (ECF) werden in der EU jährlich rund 1,3 Millionen Fahrräder als gestohlen gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte aufgrund fehlender Anzeigen deutlich höher liegen.
Regionale Schwerpunkte und Trends
Der Bericht hebt hervor, dass Vergleiche zwischen Ländern aufgrund unterschiedlicher Erfassungsmethoden schwierig sind. Dennoch zeigen die Daten klare Schwerpunkte:
- Niederlande: Hier werden jährlich ca. 500.000 Fahrräder gestohlen.
- Deutschland: Es werden rund 260.000 Fälle pro Jahr registriert.
- Großbritannien: Im letzten Quartal 2025 verzeichnete BikeFinder hier relativ zur Kundenbasis die höchste Diebstahlrate.
Ein statistisch besonders relevanter Aspekt des Berichts ist der massive Unterschied bei den Wiederbeschaffungsquoten:
Die polizeiliche Aufklärungsquote liegt europaweit bei lediglich 5 bis 10 %, wenn kein GPS-Tracker verbaut ist.
Bei Fahrrädern, die mit einem aktiven BikeFinder-Tracker ausgestattet waren, wurden 80 % der gestohlenen Räder wiedergefunden, heißt es im Bericht. In Großbritannien lag diese Quote im vierten Quartal 2025 sogar bei 91 %. Dieser Punkt alleine dürfte wohl die beste Werbung für die Nutzung von GPS-Trackern sein.
70 % der getrackten Rückführungen erfolgen innerhalb von fünf Tagen, im Durchschnitt sogar bereits am Folgetag.
Interessant ist zudem die Entwicklung innerhalb der BikeFinder-Community selbst: Die Diebstahlrate unter den eigenen Kunden stieg von 2024 auf 2025 um 8 % an, was auf die zunehmende Attraktivität hochwertiger Räder für Diebe hindeutet.
Erkenntnisse und Empfehlungen des Berichts
Der Report geht über reine Zahlen hinaus und analysiert das Vorgehen der Täter sowie die Schwachstellen der Besitzer.
Der Diebstahl von Fahrrädern hat sich von einfachen „Joyride“-Diebstählen (Gelegenheitsdiebstahl zur kurzfristigen Nutzung) hin zu organisierter Kriminalität gewandelt. Professionelle Banden nutzen oft „Einkaufslisten“ für spezifische Modelle. Die Logistik ist dabei straff organisiert:
Viele Räder werden innerhalb der ersten Stunde per Transporter weggebracht. Diebesgut wird oft 1 bis 5 Tage professionell verpackt und gelagert („Cooling-off“-Phase). Der Abtransport erfolgt häufig über den Straßen- oder Schienenverkehr in osteuropäische Länder, wo die Räder als Ganzes oder in Einzelteilen verkauft werden.
Obwohl Diebstähle das ganze Jahr über stattfinden, zeigt sich ein klares saisonales Muster. Die Hochsaison liegt beständig zwischen Mai und September. 40 % aller Diebstähle finden im Sommer statt, 15 % aller Diebstähle im Winter (der Februar ist der Monat mit den wenigsten Delikten).
Der gefährlichste Ort: Das eigene Zuhause
Eine der überraschendsten Erkenntnisse des Reports ist der Tatort. Entgegen der Annahme, dass Bahnhöfe oder öffentliche Plätze am unsichersten sind, finden 70 % der gemeldeten Diebstähle am Wohnort des Besitzers statt. Diebe nutzen die Vorhersehbarkeit: Sie wissen, wo hochwertige Räder nachts stehen, und nutzen Sicherheitslücken in Gemeinschaftskellern, Garagen oder Schuppen aus, die oft nur durch einfache Vorhängeschlösser oder Holztüren gesichert sind.
Der Bericht schließt mit konkreten Handlungsempfehlungen:
- Keine falsche Sicherheit: Auch in privaten Kellern oder Garagen muss das Rad an einem festen Objekt (Wand- oder Bodenanker) angeschlossen werden.
- Sichtprüfung: „Cooling-off“-Taktik erkennen. Diebe stellen Räder manchmal für 24 Stunden an öffentlichen Plätzen ab, um zu prüfen, ob ein Tracker reagiert.
- Technologische Aufrüstung: Die Kombination aus hochwertigen Schlössern (am besten zwei verschiedene) und einem GPS-Tracker wird als effektivster Schutz empfohlen.
Was die Daten implizieren
1. Das Versagen der architektonischen Sicherheit
Dass 70 % der Diebstähle zu Hause passieren, ist ein Indikator für ein strukturelles Problem im Wohnungsbau und der Hausverwaltung. Der klassische Fahrradkeller oder die private Garage bieten eine trügerische Sicherheit. Das impliziert, dass umgedacht werden muss: Ein abschließbarer Raum reicht nicht mehr aus, Bodenanker oder Videoüberwachung in Fahrradräumen könnten zukünftig zum Standard für Versicherungsschutz werden.
2. Hochwertige Bikes als Treiber der Kriminalitätsstatistik
Die im Bericht genannte Steigerung der Diebstahlrate um 8 % korreliert mit der Marktdurchdringung von hochwertigen Fahrzeugen. Da BikeFinder-Kunden tendenziell teurere Räder besitzen (genannte Marken im Report sind Riese & Müller, Specialized, Cannondale), spiegelt der Report vor allem den Markt für Premium-Räder wider. Der Fahrraddiebstahl wird zunehmend ein Delikt mit hoher Gewinnmarge, ähnlich dem KFZ-Diebstahl, und koppelt sich von der Kleinkriminalität ab.
3. Das Wettrüsten: Diebe passen sich an
Ein durchaus beunruhigendes Detail im Report ist die Erwähnung, dass Diebe gestohlene Räder oft 24 Stunden an öffentlichen Orten stehen lassen, um zu sehen, ob ein Tracker aktiv wird. Dies zeigt, dass Kriminelle die Technologie der Tracker-Anbieter bereits in ihre Prozesse eingepreist haben. Es findet ein technologisches Wettrüsten statt. Für Nutzer bedeutet dies: Ein Tracker allein ist kein Allheilmittel, sondern muss so verbaut sein, dass er nicht sofort entdeckt oder entfernt werden kann. Die schnelle Reaktionszeit (Wiederbeschaffung oft am nächsten Tag ) ist daher nicht nur Komfort, sondern Notwendigkeit, bevor das Rad ins Ausland verschwindet oder der Tracker gefunden wird.
4. Die wirtschaftliche Dimension der Wiederbeschaffung
Wenn 49 % der Bestohlenen über einen Monat Zeit brauchen, bis sie für Ersatz sorgen und 11 % gar kein neues Rad kaufen, entsteht ein erheblicher Schaden, der über den reinen Warenwert des gestohlenen Rades hinausgeht. Der Verlust von Kunden, die aus Frust das Radfahren aufgeben („Modal Shift“ zurück zum Auto oder ÖPNV), ist ein Aspekt, der für die Verkehrswende in Städten relevant ist.
Die Daten beruhen auf dem BikeFinder Theft Report 2025 von Bikefinder.com . Alle Prozentangaben beziehen sich auf die im Report genannte Datenbasis (Kunden von BikeFinder sowie aggregierte externe Quellen).
Verknüpfte Firmen abonnieren
für unsere Abonnenten sichtbar.