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Trekking-E-Bike, E-MTB oder ganz was anderes? Vielfalt wird bei den E-Bike-Festivals groß geschrieben
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Report - E-Bike-Festivals

Action für eine neue Zielgruppe?

Das Segment der motorunterstützten Fahrräder wächst stetig. Eine Zielgruppe, die nun auch immer mehr Event-Veranstalter für sich entdecken. Aber will jemand, der E-Bike fährt, überhaupt »bespaßt« werden? Und, wenn ja: Was muss ein Festival oder eine Messe für E-Biker bieten, um interessant zu sein? Wir haben uns umgehört.

Hanns-Martin Fraas ist in puncto Fahrrad-Veranstaltung nur noch schwer zu beeindrucken. Der 56-Jährige organisiert seit 16 Jahren das Radsportfestival Rad am Ring mit 24-Stunden-Rennen, Jedermannrennen auf der Straße und im Gelände sowie einem Zeitfahren. Einige Jahre gastierten sogar die Profis bei einem internationalen Rennen der Kategorie 1.1 auf dem Nürburgring. Dennoch schleicht sich eine spürbare Aufregung in seine Stimme, wenn er von seinem jüngsten Projekt spricht: eBike am Ring, eine Veranstaltung speziell für E-Biker im Rahmen von Rad am Ring, die diesen Juli Premiere feiern soll. »Die Möglichkeit, mit Motorunterstützung in der Freizeit Fahrrad zu fahren, erweitert die Zielgruppe unfassbar«, ist er überzeugt. Schließlich erlaube der zuschaltbare Antrieb auch weniger sportlichen Menschen, lange Touren zu machen oder Berge hochzufahren. »Das Erlebnis Natur wird nicht mehr begrenzt durch die Leistungsfähigkeit des Fahrers«, sagt Fraas, der das E-Bike als Schlüssel zu einer neuen Dimension des Radfahrens sieht und somit auch zu einer neuen, größeren Zielgruppe für sein Fahrrad-Event.

E-Bike auf Erfolgskurs

Dass er mit dieser Ansicht ziemlich richtig liegt, zeigen die Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbandes ZIV: Im Jahr 2017 fanden 720.000 E-Bikes einen neuen Besitzer, das ist ein Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. »Das E-Bike ist auf Erfolgskurs«, sagt auch Cornel Blum. Der Zweiradmechaniker-Meister schult als Trainer die mehr als 40 Franchise-Nehmer der E-Bike-Handelskette E-Motion Technologies im Verkauf und in der E-Bike-Technik, berät in der Sortimentsauswahl und ist zuständig für die Qualitätssicherung. Entsprechend gut kennt er die E-Bike Branche, aber auch die Zielgruppe, die sich für solche Räder interessiert. Neben dem pragmatischen (S-)Pedelec-Fahrer, der sein motorisiertes Bike ausschließlich benutzt, um von A nach B zu kommen und der oft als Prototyp des E-Bikers betrachtet wird, entwickle sich eine Zielgruppe, die »E-Bike fahren zum Hobby, zur Leidenschaft, zum Sport« macht, beobachtet Blum. Und weil man sich über Dinge, die man leidenschaftlich gerne betreibt, früher oder später mit Gleichgesinnten austauschen möchte, sind E-Bike-Festivals als Treffpunkt und Informationsplattform der logische nächste Schritt, um diesen Kundenkreis zu beraten, zu erweitern und als Zielgruppe zu festigen.

Angebot folgt Nachfrage

2018 markiert dabei ein besonderes Jahr. Gab es bisher nur hier und da eine Messe, ein Festival oder versuchsweise ein Rennformat, »sprießen die Events dieses Jahr wie Pilze aus dem Boden«, so E-Bike-Experte Blum. Eines, das bereits seit drei Jahren existiert, ist das eBike Festival in Dortmund, bei dem E-Bike-Ausrüster Shimano als sogenannter Presenting-Partner, also als Hauptsponsor der Veranstaltung, fungiert. »Wir haben vor drei Jahren festgestellt, dass die Veranstaltungs-Szene diesen massiven Trend zum E-Bike noch überhaupt nicht adäquat widerspiegelt und es eine enorme Nachfrage nach einem spezifischen E-Bike-Event gab«, berichtet Michael Wild, der bei Shimano-Importeur Paul Lange für Marketing und PR zuständig ist. »Aus diesen Überlegungen entstand gemeinsam mit verschiedenen Akteuren von Agenturen und Vertretern aus der Industrie die Idee, in Dortmund das erste E-Bike-Festival zu veranstalten.« Der Erfolg gibt dem Konzept seither recht: Die Besucherzahlen steigen von Jahr zu Jahr, wobei sich laut Michael Wild die Besucherstruktur von zufällig vorbeischlendernden Passanten hin zu konkret Interessierten gewandelt hat, die extra anreisen, um sich zum Thema E-Bike zu informieren.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den E Bike Days in München: Die Ausstellerfläche erweiterte sich im Vergleich zu 2016, dem ersten Jahr dieser Veranstaltung auf dem Gelände des Olympiaparks, in 2017 um 55 Prozent. Dieses Jahr soll dank insgesamt mehr als 120 gemeldeten Ausstellern die Fläche um nochmals rund 35 Prozent wachsen. Ein Angebot, das vergangenes Jahr rund 65.000 Besucher an den drei Event-Tagen angenommen haben. Und ein Angebot, das so weit gefächert ist wie die Modellauswahl der motorisierten Bikes. Diese Angebotsbreite ist entscheidend für den Erfolg solcher Events, sind sich die Veranstalter einig. Denn »die einen sitzen vielleicht zum ersten Mal auf einem E-Tourenrad und wollen einfach nur schauen, ob es etwas für sie ist, die anderen sind bereits konkret am Kauf interessiert oder besitzen schon ein E-Bike und möchten sich über die Weiterentwicklungen informieren«, erläutert Gunnar Voss, Projektleiter bei den E Bike Days. Egal ob in München, Düsseldorf oder bei neuen Events wie auf dem Nürburgring oder am Millstätter See: Das Programm ist so ausgelegt, dass weder eine E-Biker-Gruppe fokussiert noch jemand ausgeschlossen wird. Auch niemand, der noch gar kein E-Biker ist.
»Das Informationsbedürfnis ist beim E-Bike und E-MTB enorm groß, weil so viel Innovation passiert, die Technik wichtig und der Wissensstand noch nicht so groß ist. Zudem ist der Markt unübersichtlich. Wir sehen unsere Aufgabe also darin, potenzielle und aktive E-Biker zusammenzubringen, sie zum entspannten Touren einzuladen und über Themen von der Sitzposition bis hin zu neuesten Technologien zu informieren«, erläutert Monika Weber, Leitung Messen und Events beim Verlag Delius Klasing, der auch die beiden BIKE-Festivals in Riva und Willingen ausrichtet und jetzt mit der E-Bike-Veranstaltung E-Motions im österreichischen Kärnten nachzieht. Warum diese Information nicht in einer Großstadt vermittelt wird? »Weil es der Zielgruppe zum einen um Spaß und Wohlfühlen geht, sie zum anderen das E-Bike oder E-MTB einmal richtig testen möchte. Deshalb holen wir unsere Zielgruppen immer in eine grandiose Landschaft«, erklärt Monika Weber. Auch deshalb sind unter den 35 Ausstellern acht Foodtrucks – wer radelt, hat Hunger.

Vielfalt von Theorie bis Praxis

eBike-am-Ring-Chef Fraas, auf dessen Event-Areal es nicht nur die Angebote von rund 80 Ausstellern und Marken gibt, sondern einen rund 750 Quadratmeter großen Catering-Bereich in der Boxenanlage, glaubt ebenfalls, dass man der E-Bike-Gemeinde mehr bieten muss als das Argument »hier kann man schön Rad fahren«. Deshalb gibt es auf dem Nürburgring für E-Biker kostenloses Rundendrehen auf der legendären Nordschleife, Testbike-Angebote, Seminare zu unterschiedlichen E-Bike-Typen, Vorträge zu Reparaturen, Sitzposition et cetera und die Möglichkeit, Experten Fragen zu stellen und sich mit anderen Radfahrern – auch nicht-motorisierten – auszutauschen. Denn irgendwann, so glaubt Fraas, wird die Unterscheidung normales oder E-Bike nicht mehr gemacht werden. Bereits jetzt schon keinen Unterschied mehr sieht Gunnar Voss von den E Bike Days: »Für uns gibt es in Bezug auf die Veranstaltung keine Zielgruppe E-Biker. Jemand, der ein Rad sucht, um damit täglich ins Büro zu fahren, ist Radfahrer und konkret an urbanen Bikes interessiert. Der Konsument beleuchtet seine Situation, für die er ein Rad benötigt und trifft dann, im Idealfall optimal beraten, seine Entscheidung für ein Fahrrad, das seine Bedürfnisse befriedigt. Und bei vielen Kategorien fällt die Entscheidung mittlerweile aus rein objektiven Gesichtspunkten auf ein E-Bike.«
Ein E-Bike-Festival ist im Idealfall also so vielfältig wie die (potenziellen) Nutzer dieser Fahrrad-Kategorie. Diejenigen, die sich einfach nur informieren möchten, die Experten sprechen und etwas zur technischen Entwicklung oder dem Umgang mit diesem Fahrrad-Typ erfahren möchten, müssen ebenso angesprochen werden wie diejenigen, die lieber praktisch bei einem Workshop lernen oder mit Gleichgesinnten oder alleine ausgeschilderte Runden in schöner Umgebung drehen möchten: »Ein gutes E-Bike-Festival sollte eine Mischung aus Information, Workshop und Aktivität beinhalten«, fasst Cornel Blum zusammen. Analog zur noch jungen Zielgruppe experimentieren die – ebenfalls meist noch jungen oder ganz neuen – Festival-Konzepte mit unterschiedlichen und/oder unterschiedlich gewichteten Inhalten. Die einen setzten auf das Erlebnis Natur wie Emotions und eBike am Ring: »Unsere Zielgruppen sind nicht die jungen, sportiven Menschen, sondern die ›aktiven Naturgenießer‹ «, erklärt zum Beispiel Klaus Schäfer, Geschäftsführer von Eifel Tourismus, die als Partner am Nürburgring agieren. Die anderen empfinden eine Lage mitten in der Stadt als optimal, um nicht »mit dem Auto zu einem Fahrrad-Festival fahren zu müssen«, so Voss.

Mit »trial and error« zum Erfolg

Ob urban oder Natur – wichtig ist Profilschärfe. Denn obwohl das E-Bike-Segment noch vergleichsweise neu ist, haben sich Anspruch und Wissensstand beim Endverbraucher bereits beträchtlich erhöht: »Der E-Bike-Käufer von heute bringt sehr viel mehr Vorwissen mit als noch vor sieben Jahren. Heute kommen Personen zu uns in die Läden, die ihr zweites oder teilweise sogar ihr drittes E-Bike kaufen – zusätzlich zum Trekking-E-Bike legen sie sich ein E-Mountainbike, ein Speed-Pedelec oder ein Kompakt-E-Bike zu«, erzählt Cornel Blum. Selbst beim Erstkauf brächten die Kunden heute mehr Vorwissen mit. Denn mit steigendem Interesse wachse natürlich auch das Informationsangebot in Web, Print und eben auch über Festivals und Messen. Wenn man das möchte.
»Natürlich wird es Leute geben, die sagen ›Ich habe keine Lust auf so ein dämliches Festival‹, und das ist auch völlig in Ordnung«, räumt Hanns-Martin Fraas ein. »Uns geht es darum, die gut zu bedienen, die Lust auf so etwas haben, und davon gibt es meiner Meinung nach genügend.« Das glaubt auch Michael Wild von Paul Lange, der in E-Bike-spezifischen Veranstaltungen großes Potenzial sieht. Das wird sich allerdings nur voll entfalten können, wenn die Organisatoren sich trauen, Fehler zu machen und aus ihnen lernen. Zumindest Radfestival-Profi Hanns-Martin Fraas ist zuversichtlich: »Das Prinzip lernen und anpassen hat bei Rad am Ring funktioniert, warum sollte es nicht auch beim E-Bike klappen?« Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

4. Juni 2018 von Carola Felchner
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