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Gonso hat nicht nur im Radsport Tradition, konzentriert sich aber inzwischen ausschließlich auf Bikewear.
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Portrait - Gonso

Blick zurück nach vorn

Gonso feiert in diesem Jahr bereits sein 90-jähriges Jubiläum. Zwar ist der Bikewear-Anbieter aus Albstadt schon seit einigen Jahren nicht mehr eigenständig, als Teil einer bekannten Unternehmensgruppe sieht er sich aber auch für die Zukunft gut aufgestellt.

Als das Unternehmen, das heute als Gonso bekannt ist, vor 90 Jahren gegründet wurde, war noch nicht abzusehen, dass aus diesen Anfängen dereinst ein Pionier auf dem Gebiet der Sport- und Bikebekleidung hervorgehen sollte. Gegründet wurde Gonso 1926 als Näherei. Erst in den 60er Jahren wagte Hans Gonser, der Enkel des Gründers, den Schritt hin zu Sporttextilien. Während anfangs noch ein breites Sortiment für verschiedene Sportarten angeboten wurde, konzentrierten sich die Albstädter ab den 80er Jahren zunehmend auf Fahrradbekleidung. Eine Rolle mag dabei auch die Vorreiterschaft von Gonso beim Einsatz innovativer Materialien im Radsport-Segment gespielt haben. Gonso setzte damals als einer der ersten Anbieter im Markt auf synthetische Funktionsmaterialien wie das damals neuartige Garn »Dunova« von Bayer. Aber auch funktionelle Innovationen, wie Radhosen mit eingenähtem Sitzpolster, tragen maßgeblich die Handschrift von Hans Gonser. Der Legende nach habe er übrigens die Notwendigkeit eines Gesäßschutzes erkannt, als er sich krankheitsbedingt auf einem Trimmrad quälte.

Seit 2015 Teil von ­Schwan-Stabilo

Zwar wird Gonso nach wie vor als eigenständige Bikewear-Marke wahrgenommen, die wirtschaftliche Selbständigkeit verlor das Unternehmen jedoch schon 2004, als die Markenrechte an das Sportbekleidungsunternehmen Maier Sports übergingen. Dieses musste 2009 den Weg in die Insolvenz antreten. Nachdem außer Gonso und Maier Sports alle Marken veräußert worden waren, glückte 2010 der Neustart. 2011 übernahm der Finanzinvestor Findos mehrheitlich die Maier Sports Group. Ein Jahr später kam die Running- und Triathlon-Marke Rono zum Unternehmen hinzu. Im vergangenen Jahr folgte ein weiterer Besitzerwechsel: Die Maier Sports Group wurde Teil der Schwan-Stabilo-Gruppe, zu der bereits die bekannten Outdoor-Marken Deuter und Ortovox gehören.
Maier Sports, Gonso und Rono werden in Personalunion von den Geschäftsführern Simone Mayer und Lothar Baisch geleitet. Die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Marke Gonso sei dennoch gewährleistet, betont Vertriebsleiter Theo Sandu gegenüber velobiz.de: »Das war von vornherein klar und auch so von Schwan-Stabilo gewollt. Durch unsere junge und teamorientierte Struktur, mit einer engen Verzahnung der Bereiche Produkt, Marketing, Vertrieb und in Persona, mit Frank Jap Lim, Mathias Jooss und mir, sind wir bestens für die Herausforderungen der Zukunft aufgestellt.« In dieser Struktur sieht Sandu auch einen wichtigen Vorteil: »Gerade bei Gonso sind die Entscheidungswege und Abstimmungsprozesse extrem kurz, was uns sehr handlungsfähig und flexibel macht.«
Allerdings erscheint die Marke Gonso als relativ kleines Rädchen in einem großen Konglomerat. Trotz der Zukäufe im Outdoor-Segment steuern die beiden anderen Konzernsparten Schreibgeräte und insbesondere Kosmetik weiterhin jeweils einen größeren Anteil zum Gesamtumsatz der Schwanhäußer Industrie Holding GmbH & Co. KG (so die komplette Firmierung der Schwan-Stabilo-Gruppe) bei. Deswegen müsse man sich jedoch keine Sorgen machen, dass die vergleichsweise kleine Marke Gonso innerhalb des Konzerns vernachlässigt werde. »Die vier starken Marken decken alle wichtigen Outdoor-Segmente – Hike, Bike, Snow und Rock – ab und bilden damit einen sehr starken Unternehmensverbund«, erklärt Sandu. »Dabei bleibt jede Marke eigenständig und ist im jeweiligen Bereich ein unverzichtbarer Experte.« So stehe die Marke Gonso für die Sparte hochfunktionaler Radsportbekleidung. »Mit unserem Anspruch als Nummer 1 in Sachen Radhosen besitzen wir im Fachhandel und bei den Endverbrauchern eine besonders große Glaubwürdigkeit, was Qualität und Komfort angeht«, so Sandu. »Hinzu kommt, dass Gonso einen über Jahrzehnte gewachsenen, erweiterten Vertriebskreis im Radsportfachhandel besitzt.«

Synergien im Marketing

Neben dem Risiko, dass die Marke verwässert wird, bietet die Zugehörigkeit zu einem Konzern auch Chancen, um Synergieeffekte zu nutzen. »Natürlich sind wir mit den anderen Marken der Gruppe in ständigem Austausch und versuchen unsere Kräfte und Ressourcen sinnvoll zu bündeln«, berichtet Marketingleiter Matthias Jooss. »Dabei ergeben sich vielfältige Synergien gerade im Marketing. So unterstützen wir uns gegenseitig bei Fotoshootings für Kataloge etc. oder arbeiten bei verschiedenen Events und Presseveranstaltungen eng zusammen.« Da Gonso erst seit einem Jahr zu Schwan-Stabilo gehöre, dürften sich künftig noch weitere Synergieeffekte ergeben.

»Hippe Marke« für Genussradfahrer

An der Ausrichtung der Marke Gonso soll sich durch die Integration in den Schwan-Stabilo-Konzern also nichts ändern. Seit Jan Ullrich das Logo mit dem G in seiner aktiven Zeit trug, ist die Präsenz der Marke im professionellen Radsport jedoch spürbar zurückgegangen. Der ambitionierte Radrennfahrer ist aber auch nicht ausschließlich die Kernzielgruppe von Gonso. »Wir sind für viele Radsportler, deren Ziel es ist, vor allem Spaß am Radfahren zu haben und den Genuss zu erleben, eine hippe Marke«, erklärt Vertriebsleiter Sandu. »Egal ob das nun der Pendler, der Tourenfahrer, die Familie, die einen entspannten Ausflug zum See unternehmen möchte, der Mountainbiker, der mit seinen Freunden auf der Suche nach einem Abenteuer am Berg ist oder aber der Straßenfahrer, der Lust am Fahren hat und dafür robuste und perfekt sitzende Bekleidung braucht.« Die wachsende Zielgruppe der E-Biker sei für Gonso ebenso äußerst interessant. »All diesen Menschen geht es nicht um Bestleistungen und einen Kampf gegen die Stoppuhr, sondern um das ganz persönliche Erlebnis«, fasst Sandu das Kundenspektrum von Gonso zusammen. Marketingleiter Jooss fügt hinzu, dass es Gonso-Kunden vor allem um eine perfekte Passform sowie hohe Produktqualität und Funktionalität gehe. »Außerdem ermöglichen wir durch unsere Größenvielfalt, im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern, einem breiteren Personenkreis, ihre Leidenschaft zum Radfahren auszuleben«, so Jooss.
Das lasse sich auch am Produktangebot ablesen. »Gonso ist der Pionier in Sachen funktioneller Radhosen, sie bilden den Kern unserer Kollektionen. Hier haben wir die größte Expertise«, betont Produktmanager Frank Jap Lim. »Deshalb setzen wir unseren Fokus in der Entwicklung auch weiterhin auf die Erhöhung des Tragekomforts unserer Hosen und die Funktionalität unserer Sitzpolster.« Als einen nächsten Meilenstein der Produktneuheiten von Gonso sieht Jap Lim das neue Carbon-Sitzpolster, »das unter härtesten Bedingungen beispielweise durch das Kreidler-Werksteam im MTB-Worldcup oder beim Race Across America getestet wurde«. Wichtige Ergebnisse aus diesen Tests seien auch in die Serienfertigung übernommen worden.

Nachhaltig in allen Facetten

Nicht nur in Entwicklung und Produktion, sondern in allen Bereichen wird das Thema Nachhaltigkeit bei Gonso groß geschrieben. Seit 2011 ist die Maier Sports Group Mitglied der Fair Wear Foundation, die sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Kleidungs- und Textilindustrie einsetzt. »Den Begriff Nachhaltigkeit fassen wir dabei sehr weit. Es geht nicht nur um den Schutz unserer Umwelt, sondern auch den Sozialaspekt«, berichtet Gonso-Produktmanager Jap Lim. »Dabei stehen vor allem die Arbeitsbedingungen in unseren Produktionsstätten im Fokus, aber auch wie wir in Albstadt arbeiten. Uns ist ein bewusstseinsorientiertes Handeln besonders wichtig.« Natürlich umfasse die Nachhaltigkeit auch den Umweltaspekt. »Unser Bestreben ist es außerdem, bei der Entwicklung unserer Produkte die größtmögliche Rücksicht auf die Natur und die Gesundheit ihrer Träger zu nehmen«, so Lim. »Kurzum – unsere Produkte sollen sauber sein. Das erreichen wir beispielsweise über den Einsatz von leistungsfähiger PFC-freier Imprägnierung in unseren Jacken und Hosen. Diesen Anteil wollen wir immer weiter ausbauen. Dazu kommen Punkte wie eine gute Waschbeständigkeit der biologisch abbaubaren DWR-Ausrüstung.«
Beim Thema Nachhaltigkeit sieht sich Gonso auch in der Schwan-Stabilo-Gruppe gut aufgehoben. »Ein hoher Standard in Sachen Nachhaltigkeit und der Anspruch an die eigenen Produkte werden ja bereits von allen Marken der Gruppe intensiv gelebt«, weiß Gonso-Marketingleiter Jooss. »Und diesen Anspruch zu halten bzw. zu erhöhen ist gleichzeitig ein wichtiger Ansporn für jede einzelne Marke.«
Während sich Gonso beim Thema Nachhaltigkeit klar positioniert hat, ist die Integration des Bikewear-Anbieters in den Schwan-Stabilo-Konzern nach einem Jahr Zugehörigkeit noch im vollen Gange. Bei der eigentlich für Kugelschreiber und Kosmetik bekannten Unternehmensgruppe scheint Gonso auf jeden Fall gut aufgehoben. Das noch vergleichsweise junge Outdoor-Segment des Konzerns ist durch die Übernahme der Maier Sports Group sinnvoll ergänzt worden und hat im Vergleich zu den beiden etablierten Unternehmensbereichen nun eine relevante Größe erreicht. Wie Deuter und Ortovox zeigen, können die einzelnen Marken dennoch ihre Eigenständigkeit bewahren. Für Gonso gilt es nun, nicht nur einen Platz im Konzern zu finden, sondern auch das Profil im Markt weiter zu schärfen.

27. Juni 2016 von Oliver Bönig

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