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Foto: Cannondale - Joe Montgomery starb kürzlich im Alter von 86 Jahren
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Nachruf auf einen rastlosen Pionier

Cannondale-Gründer Joe Montgomery gestorben

Unmittelbar nach dem Jahreswechsel hat die US-Fahrradbranche einen ihrer Pioniere verloren: Joe Montgomery, bekannt als Gründer von und Kopf hinter Cannondale, verstarb am 2. Januar im Alter von 86 Jahren.

Die Geschichte von Cannondale begann im Jahr 1971 - aber noch nicht mit Fahrrädern, sondern mit dem Anhänger „The Bugger“. In der Folge ergänzte Cannondale das Sortiment um Packtaschen, Outdoor-Bekleidung und Zelte. Erst 1983 kam Montgomery mit einem Luftfahrt-Ingenieur ins Gespräch.

Dieser schwärmte vom Potenzial von Aluminium als Baumaterial für Velorahmen: Wenn man die Rohrdurchmesser erhöhe und die Wandstärken reduziere, sei dies dem bewährten Stahl mindestens ebenbürtig. Das Resultat war das „ST500“ - ein Trekking- und Touren-Velo mit einem Rahmen aus Oversized-Alurohren.

Der große Wachstumsschub von Cannondale folgte mit dem Mountainbike-Boom: Mit dem „E.S.T.“ präsentierten die Amerikaner 1991 einen Rahmen mit Hinterrad-Federung und hohem Drehpunkt. Ein Jahr später erfolgte die Lancierung der eigenen Federgabel-Marke Headshok und die Eröffnung einer Europa-Zentrale in den Niederlanden.

Um den Weg für weiteres Wachstum zu ebenen, brachte Joe Montgomery Cannondale schon 1995 an die Börse. Das verschaffte Zugang zu Kapital, zwang das Unternehmen aber auch zu stetem Wachstum und machte es von den Launen der Konjunktur und der Investoren abhängig. Mit Selbstläufern wie dem «Super V» und dem «Raven» als einem der ersten Carbon-Fullies auf dem Markt war das zunächst kein Problem.

Als Cannondale jedoch eigene Cross-Motorräder und ATVs mit selbst entwickelten Motoren zu bauen begann, war der Bogen überspannt - zumal sich auch die Wirtschaft wegen dem Platzen der Dot Com-Blase im Abschwung befand: Die US-Amerikaner steckten USD 80 Millionen statt der vorgesehenen USD 20 Millionen in das Projekt, brachten dennoch kein fertiges Produkt auf den Markt - und mussten 2003 Gläubigerschutz beantragen.

Dieser Schritt war das Ende des Familienunternehmens Cannondale: Joe Montgomery schied aus dem Unternehmen aus, und mit Pegasus stieg ein Spezialist für Restrukturierungen ein. Dieser zog dem Motorrad-Projekt den Stecker und brachte das Unternehmen wieder in die Gewinnzone, ehe es an Dorel Sports verkauft wurde. Die Kanadier verlegten 2014 die Rahmenfertigung und Montage von den Vereinigten Staaten nach Taiwan und in die Niederlande, womit der alte Slogan „Handmade in the USA“ hinfällig war.

Im Oktober 2021 wechselte die gesamte Velosparte von Dorel dann unter das Dach des rasch wachsenden PON.Bike-Konzerns - Cannondale inklusive. Joe Montgomery selbst hatte nach dem Ausscheiden aus dem von ihm gegründeten Unternehmen umgesattelt und war in das Geschäft mit Software gewechselt - rastlos eben.

7. Januar 2026 von Laurens van Rooijen

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