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Portrait - Rixen und Kaul

Der Trick mit dem Klick

»Die mit dem Korb?« Stimmt. Rixen und Kaul – besser bekannt ist ihre Marke Klickfix – sind aber genau das Gegenteil eines Me-too-Zubehörlieferanten.

Effizienz! Das Wort kommt häufig vor, wenn Edgar Rixen über das Unternehmen erzählt, das er mit Gerd Kaul 1983 gegründet hat. Und zwar in mindestens zwei Zusammenhängen: zum einen die Effizienz für den Verbraucher. Was Rixen und Kaul auf den Markt bringt, das soll auch lange Bestand haben, hochwertig sein und vor allem darf die Kompatibilität nicht verloren gehen: »Unser erster Lenker-Adapter ist heute noch mit sämtlichen Produkten für diese Stelle kompatibel«, so Edgar Rixen – »und das soll auch in Zukunft so bleiben.« Die zweite Form von Effizienz betrifft das eigene Unternehmen: »Es wäre leicht möglich, die Firma wachstumsorientiert auszurichten, aber darum geht es uns nicht. Es geht nicht um Umsatz um jeden Preis, sondern um hochwertige, ertragsstarke Produkte.« Also ist hier auch Effizienz gefragt. Ein hohes Qualitätsniveau, aber ohne überkandidelten technischen Aufwand, ein klares Programm mit Produkten in Feldern, wo wir deutliche Defizite im bisherigen Marktangebot wahrgenommen haben.«


Tag und Nacht laufen bei Rixen und Kaul die Spritzgussmaschinen.

Ein klares Konzept. Vielleicht die wesentliche Vorgabe, um aus dem kleinen Anbieter einer pfiffigen Lösung für den Profischrauber das wohl wichtigste Unternehmen für Zubehör-Adapterlösungen in der Branche zu machen. Den Korb nicht zu vergessen…

Weit herumgekommen: das Original

Die Geschichte des Unternehmens hört sich an wie aus dem Bilderbuch: Beide Firmengründer arbeiten in den Achtzigerjahren beim Elektrogerätehersteller Krups; Rixen in der Design-Abteilung, Kaul ist für die Prototypen-Entwicklung zuständig. Das Hobby Radfahren verbindet sie – und wohl auch der Wunsch, in diesem Bereich selbst etwas zu entwickeln. 1983 gründen sie neben ihrem Job bei Krups die Firma Rixen und Kaul. Und landen ein Jahr später mit dem Spokey gleich den ersten Coup. Eigentlich nur ein einfacher Nippeldreher, entstanden durch den Kontakt zu einem Zweiradmechaniker.


Die eigene Werkzeugmacherei ist ein Herzstück des Unternehmens.
Doch wer mit dem Tool gearbeitet hat – und das hat fast jeder Profi- und Hobbyschrauber – der nimmt ihn meist lieber zur Hand als den einfachen Speichenschlüssel mit Rad und vier entsprechenden Aussparungen. Die patentierte Idee: eine Kombi eines Metalleinsatzes mit einem Kunststoffgriffstück. »Das Griffstück war für uns in einzigartigem Design günstig herzustellen, der gehärtete Stahleinsatz konnte mit hoher Präzision gefertigt werden – anfangs noch geschichtet aus mehreren Stahlblechen, später als ein komplettes Feinstanzteil«, erinnert sich Rixen. Für den Anwender zählten die Robustheit und die exakte Passgenauigkeit des Einsatzes, die angenehme Haptik des Kunststoffs und die praktische Form.


Als Designer bei Krups brachte Edgar Rixen 1983 viel Erfahrung bei der Kombination von Metall und Kunststoff ins Unternehmen.

Und das machte den für Rennrad und MTB erhältlichen Spanner zum echten Verkaufserfolg. »Wir hatten ins Schwarze getroffen“, so der 60-Jährige. »Der Spokey war unser Startkapital.« Und zwar in doppelter Hinsicht, denn neben dem nötigen Umsatz führte das Tool auch zur Kooperation mit der Firma Asista – damals noch Stölzle – die bis heute anhält. Asista ist der Exklusiv-Vertriebspartner für Deutschland und der Logistikpartner für den Export für die Produkte von Rixen und Kaul. Neben Asista findet sich der Speichenspanner gleich zu Beginn seiner Karriere auch im Programm von weiteren bekannten Marken, z. B. Madison (heute Shimano-Partner für GB), AGU, Cinelli und Rhode Gear.

Langsam, aber oho!

1986 wagt dann Gerd Kaul als erster der beiden Gründer den Schritt in die Selbstständigkeit; fast zeitgleich zieht man in ein neues Domizil. Aus 50 Quadratmetern Geschäftsfläche werden 200. Bald stehen dort drei ausgewachsene Spritzgussmaschinen, die neben dem Spokey auch noch andere kleine Helfer formen – Tools, die später leider dem Aufkommen und der Beliebtheit der Minitools zum Opfer fallen.
1989 dann der nächste und vielleicht wichtigste Schritt: der erste Adapter. Der Urahn der ersten Klickfix-Generation, entstanden aus reinem Tourenradlerfrust. Kein Wunder: Die Pack- und Lenkertaschenbefestigung steckt noch nicht einmal in den Kinderschuhen. Mit Nylon- oder Lederriemchen und gebogenem Metalldraht als Haken wird beim Gepäcktransport eine wabbelige Semi-Sicherheit erreicht – alles andere als zufriedenstellend, und von Komfort will man beim An- und Abschnüren gar nicht reden. Da kommt ein System gerade recht, das mit einem oder zwei Klicks den festen Kontakt zum Träger, respektive Lenkerbügel herstellt – und ungewollt nicht wieder löst. Wie eben auch der Slogan behauptete:

»Schnell – sicher – bequem!«

»Asista hat uns damals für die Vermarktung zu einem eigenen Markennamen geraten«, erinnert sich Rixen und lächelt: »Fixclip lautete der Vorschlag. Nach internem Hin und Her entstand daraus Klickfix« – ein Name, der lautmalerisch die Funktionsweise der Produkte treffender untermalt. Zunächst produziert man als OEM. Firmen wie Agu, Asista, Vaude und Haberland werden beliefert. Bald entscheidet man sich aber zusätzlich für eine eigene Aftermarket-Linie unter dem Namen Rixen und Kaul. Der Name Klickfix steht damals wie heute nur für das Adapter-System. 1990 zieht das Unternehmen – mittlerweile als GmbH – mit Sack und Pack in die neu gebauten Büro- und Produktionsräume in der Limminghofer Straße in Solingen. Auch hier wird ein ganz spezielles Konzept entwickelt und verfolgt. Die neue Geschäftsheimat beherbergt nicht nur die gesamte Entwicklung und Produktion von Rixen und Kaul, die beiden Firmengründer wohnen auch in zwei angedockten Einheiten. Wohnen und Arbeiten unter einem Dach; wer in die kleine Straße fährt, nimmt den Bestand als geschlossene Wohnsiedlung wahr. Ein Aspekt, der den Firmeninhabern wichtig war.
Mittlerweile ist auch Norbert Flammann, bis dahin Konstruktionsleiter bei Krups, zu Rixen und Kaul gestoßen. Gemeinsam entwickelt man nicht nur weitere Klickfix-Adapter, sondern arbeitet auch am Aufbau eines eigenen Zubehörprogramms – immer die Erwartungen der Verbraucher im Blick, was Komfort und Verarbeitung und vor allem Anbringung anbelangt.


Gerd Kaul ist einer der Gründer des Unternehmens und war dessen erster Vollzeit-Mitarbeiter.

Neben den Aktivitäten in der Fahrradbranche erfüllt Rixen und Kaul auch Kundenaufträge aus ganz anderen Bereichen – die Spritzgussmaschinen – zunächst gebrauchte Modelle, die von Krups übernommen wurden – dürften sich schnell amortisiert haben.

»... nicht so simpel herzustellen, wie man vielleicht denkt«

Gerd Kaul

1993 schließlich findet Rixen und Kaul mit Abus einen großen Partner im Sicherheitsbereich und entwickelt fortan exklusiv für Abus Adapter zur Schlosshalterung. »Es ging mit kleinen Schritten, aber stetig aufwärts«, so Edgar Rixen.

Schlüsseltäschchen bis

Kofferset

1994 ist es soweit: Unter dem Firmennamen Rixen und Kaul kommen die ersten Taschen auf dem Markt. Der Fokus liegt auf Befestigungskomfort und Sicherheit. Im Lenkertaschen-bereich macht man sich bald einen guten Namen, aber auch mit den sogenannten Travelsets, die vor allem den gut situierten Genusstourer ansprechen – zum Beispiel mit Koffer-Systemen, in denen auch mal Anzug und Hemd liegend und knitterfrei transportiert werden können. Die Formen- und Farbsprache: seriös und gediegen.
Der sportliche Sektor wird nach und nach mit kleinen Taschen und Mini-Taschen abgedeckt. Täschchen, die mit einem eigenen Klickfix-Adapter-System an der Sattelstütze oder dem Sattelrahmen befestigt sind. Überhaupt: Der kleine oder mittelschwere Gepäcktransport für Räder ohne Träger ist ein ganz großes Thema. Die Contour-Reihe soll gleich eine ganze Serie unterschiedlicher Gepäckprobleme lösen. Auf ein- und zweistrebig abgestützten Taschenrahmen und den entsprechenden stabilen Adaptern sitzen Taschen jeglicher Couleur und verschiedensten Aufbaus. Absolut wasserdichte Taschen, solche, die mit Schulterriemen getragen werden können, dazu Taschen, die dank kleiner Seitenfächer für einfache Unterbringung und Ordnung beim Tagesausflug sorgen. Aber auch der Arbeitspendler erhält bald mit der Office-Tasche eine Transportlösung, die nicht nach Fahrradtasche aussieht – und dank versenkbarer beziehungsweise abnehmbarer Adapterschiene auch so funktioniert.
Die Lohnarbeit für Kunden außerhalb der Branche gibt es immer noch: Gerade wird ein neues Projekt angeschoben: Ein Kunststoff-Griff für ein hochwertiges Küchenmesser – war in Solingen vielleicht auch nur eine Frage der Zeit. »Das auf den ersten Blick so einfache Produkt ist nicht so simpel herzustellen, wie man vielleicht denkt«, erklärt Kaul.
Aus eigener Produktion
Die Produktion, das Reich von Gerd Kaul, sitzt heute in den neuen Gebäuden, die 2008 auf der anderen Straßenseite errichtet wurden. Dort stehen auch zwölf Spritzgussmaschinen, die unter anderem alle Klickfix-Kunststoff-Komponenten herstellen. »Aus bis zu sechs unterschiedlichen Materialien sind unsere Adaptersysteme zusammengestellt«, erklärt der Produktionsleiter. »Je nach Funktion und Anforderung wird die Mischung verändert.« Bei den Farben ist es einfacher: Auslöseknöpfe und Halter kommen in klassischem Rot und Schwarz aus der Maschine.
Die älteste Spritzmaschine ist etwa zehn Jahre alt, die meisten deutlich jünger – »und effizienter«, er lächelt. Wieder dieser Begriff. Auch beim Schichtbetrieb: Zwei Tagesschichten und oft auch eine Geisterschicht wird hier gefahren. Mit letzterer ist gemeint, dass einige Maschinen über Nacht relativ einfache Teile ohne Aufsicht produzieren. Die Werkzeuge beziehungsweise die Formen dazu stammen zu 95 % aus eigener Entwicklung. Außerdem werden die Zusammensetzungen des Kunststoffs genau geprüft – zum Beispiel auf ihren Glasfaseranteil, der je nach Einsatzbereich unterschiedlich ist. Auch für die Spritzgussformen gilt: Alles im eigenen Hause entwickelt – der Weg dahin führt nur über die Straße, ins Erdgeschoss des »Entwicklungsgebäudes«.

Nachhaltiger

Nähe – das ist natürlich auch ein wesentlicher Gesichtspunkt bei der Definition von Nachhaltigkeit im Unternehmen Rixen und Kaul. »Der Begriff bedeutet für uns vor allem: a) unbedenkliches, hochwertiges Material einzusetzen, das b) bei guter Konstruktion eine lange Haltbarkeit eines Produkts garantiert«, erklärt Rixen. Unbedenklich heißt hier auch: mit möglichst geringer Umweltbelastung durch Transport von Rohmaterialien. Produktion direkt vor Ort also. Die Taschen allerdings können kaum in Deutschland hergestellt werden. Nicht nur hohe Lohnpreise, auch das mittlerweile fehlende Know-how, so der Unternehmer, verhindern dies. Weiterer Nachhaltigkeits-Faktor: Die Spritzerei arbeitet fast abfallfrei: 16 riesige Behälter mit Kunststoffabfall warten auf die Verschickung zur Wiederaufbereitung. Das so entstehende Material kann für weniger hochwertige Produkte verwendet werden.
Im Sinne der unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung auch fast schon ein Nachhaltigkeitsaspekt: gutes Arbeitsklima. Die Büroräume unterm Dach haben eine sehr freundliche Atmosphäre, es wirkt, als würde hier ohne viel Hektik, aber sehr konzentriert gearbeitet. Effizient ist das sowieso. Das gilt auch für die Montage, die sich im anderen Gebäude über der Produktion befindet. Für gute Stimmung sorgt sicher nicht nur, dass es bislang praktisch nur aufwärts ging. Die Chefs haben Spaß an den Produkten, sie sind ihnen persönlich wichtig, und das merken auch die knapp 30 Mitarbeiter. Und die jährlichen gemeinsamen Kurzurlaube des gesamten Unternehmens tun ihr übriges.
Auch Gerd Kaul fährt übrigens privat gern Rad – und wie: »Zwei Rennrad-Ausfahrten pro Woche müssen schon sein«, grinst er.

Bekannt wie ein bunter Korb

Dass Rixen und Kaul immer up to date bleibt, davon zeugen nicht nur die zahlreichen Eurobike- und Design-Preise der letzten Jahre. Erfolgreich ist auch die Zusammenarbeit mit Tubus, dessen Racktime-Träger mit der Klickfix-Bodenkupplung zum flexiblen Allesträger wird.
Ganz aktuell ist das PhoneBag, eine Taschen/Halterkombi für das Smartphone, zu montieren an Lenker oder Vorbau. Dank des neuen Quad-Adapters kann das Handy darauf beliebig gedreht werden.
Aber was ist das interessanteste Produkt für Rixen und Kaul? »Der Korb mit Klickfix Adapter«, da braucht Edgar Rixen nicht lange nachzudenken. »Einfach, selbsterklärend, für einen riesigen Teil der radelnden Bevölkerung wichtig. Das ist das Schöne an der Sache«, so der Klickfix-Chef lächelnd: »Egal, wo man gerade ist, auf der Straße kann man überall unsere Produkte vorbeiradeln sehen …«

1. August 2012 von Georg Bleicher

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