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Die durchschnittlichen Gehälter für Vollzeit-Zweiradmechatroniker und -mechatronikerinnen weisen durchaus spürbare Unterschiede zwischen den Bundesländern auf. Beim Minimallohn sind aber die meisten aber recht nah beieinander.
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Werkstattumfrage - Gehälter

Die Lohnstrukturen in der Werkstatt

Wie viel verdient man eigentlich in einer Fahrradwerkstatt? Unsere große Werkstattumfrage hat natürlich auch diesen Aspekt genau unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind aufschlussreich und spannend. Diese Einblicke helfen allen, die Gehaltsstrukturen besser einzuschätzen und auch selbst als Arbeitgeber attraktive Bedingungen zu schaffen.

Insgesamt haben 683 Betriebe an der Werkstattumfrage teilgenommen und Einblick gegeben, wie ihr Unternehmen in diesem Bereich aufgestellt ist. Längst nicht alle wollten auch beantworten, wie viel Gehalt die Werkstattmitarbeitenden erhalten, dieser Teil der Umfrage war optional. 210 aktuelle Antworten aus Fahrradwerkstätten sind trotzdem mehr, als irgendeiner anderen Umfrage zur Verfügung steht.
Die große Zahl, die natürlich alle interessiert: Wie viel verdient man denn nun als Vollzeit-Zweiradmechatroniker/in im Fahrradgeschäft? Das durchschnittliche Gehalt liegt in dieser Umfrage bei 3028 Euro brutto ohne sonstige Boni und Zusatzanreize. Doch wie aussagekräftig ist eine solche Zahl? Deswegen fragten wir auch viele weitere Gehaltsaspekte ab. Es wird umso interessanter, je tiefer man in die Zahlen hineinschaut.
Der Einstiegs- beziehungsweise Minimallohn, den Läden für ihre Mechaniker und Mechanikerinnen zahlen liegt aktuell im Median bei 2600 Euro. Median bedeutet, dass genau die Hälfte der Vollzeit-Mecha­troniker mehr verdient, die andere Hälfte verdient weniger. Der Median ist also der »Mann in der Mitte«. Gerade bei Gehältern bevorzugt man gerne diese Angabe, denn der Durchschnittswert (also die Summe aller Gehälter geteilt durch die Zahl der Gehaltsempfänger) wird gerade in diesem Bereich oft durch wenige Spitzenverdiener verzerrt. In der Werkstatt ist das allerdings weniger der Fall, denn das Durchschnittsgehalt liegt im Einstiegsbereich mit 2705 Euro nur wenig darüber.
Bei den Spitzen- und Maximallöhnen in der Fahrradwerkstatt, also bei den erfahrenen Kräften oder den Mitarbeitenden mit Leitungsfunktionen, liegen die Gehälter deutlich höher. Hier liegt der Median bei 3300 Euro, der Mittelwert bei 3375 Euro.


Überraschend dürfte für die meisten sein, dass die Großstädte ihren Beschäftigten keineswegs viel mehr bezahlen als die kleineren Ortschaften.

Ein nochmals besseres Gefühl für die Strukturen bekommt man, wenn man den Blick weitet und die Mitte der Beschäftigten in der Werkstatt zu erfassen versucht. Die einzelnen Werkstattlöhne bewegen sich im Kern zwischen 2500 und 3650 Euro brutto, in diesem Bereich finden sich rund 72 Prozent der genannten Lohn-Eckwerte.
Wenn man mit den Durchschnittswerten der Betriebe (also nicht der einzelnen Gehälter, sondern dem Mittelwert in einem Unternehmen) rechnet, dann sieht man, dass 23,3 Prozent der Betriebe ihren am schlechtesten bezahlten Werkstattmitarbeitenden unter 2500 Euro zahlen, 18,9 Prozent zahlen ihren Spitzenkräften 4000 Euro oder mehr. 21,4 Prozent liegen schon beim Einstiegslohn bei 3000 Euro und darüber.

Unterschiede nach Bundesländern und Regionen

Wenn man sich die Daten auf Basis der Bundesländer betrachtet, sieht man die üblichen Verdächtigen vorne: Bayern, Baden-Württemberg und Hessen zahlen die höchsten Mediangehälter, aber der Abstand ist relativ gering zu den nächsten Plätzen. Getrieben ist der Vorsprung bemerkenswerterweise vor allem durch die Spitzengehälter, die erfahrene Werkstattmitarbeitende erzielen können. Während das Einstiegsgehalt fast bundesweit nahezu identisch in einem Bereich zwischen 2600 und 2700 Euro ausfällt, schafft erst die Berufserfahrung sichtbare Gehaltssteigerungen je nach Bundesland. Wenn man will, könnte man sagen, dass die Erfahrung je nach Bundesland unterschiedlich honoriert wird oder honoriert werden kann.


Je größer der Werkstattbetrieb, desto sind höher die Verdienstmöglichkeiten – aber nur für erfahrene Kräfte.

Man würde vermuten, dass die Werkstattmitarbeitenden in großen Städten schon aufgrund ihrer Lebenshaltungskosten besser verdienen als im ländlichen Bereich. Zumindest in dieser Umfrage ist das gar nicht der Fall. Vorne liegen die Mittelstädte mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern bei den Spitzengehältern mit einem Schnitt von 3500 Euro. Will man beim Einstieg ein bisschen mehr rausholen, geht man lieber in Orte mit bis zu 50.000 Einwohnern. Dort liegt das mittlere Einstiegsgehalt bei 2700 Euro.
Eine andere naheliegende Vermutung wäre, dass Werkstätten mit höheren Stundenverrechnungssätzen ihre Mitarbeiter auch mit höheren Gehältern entlohnen. Wie sich zeigt, gibt es hier keinen Zusammenhang. Überhaupt keinen. Zwar schlägt die Ortsgröße tatsächlich auf der Preisseite durch: Je größer die Ortschaft, desto höhere Stundensätze werden in der Werkstatt aufgerufen. Aber bei den Mitarbeitenden kommt statistisch davon nichts an, es ist keine Korrelation feststellbar. Die höheren Stundensätze gehen offenkundig in höhere Mieten, und andere Ausgaben, die abseits der Metropolen nicht so hoch sind.

Betriebsgröße entscheidender Gehaltsfaktor

Wer als Zweiradmechatroniker und -mechatronikerin darauf aus ist, seine Gehaltsaussichten zu verbessern, sollte am ehesten auf die Betriebsgröße eines Fahrradgeschäfts schauen. Je größer ein Laden und insbesondere sein Werkstattbereich ist, umso höhere Gehälter werden dort tendenziell gezahlt. Eine wichtige Einschränkung gibt es dabei aber: Die Einstiegs- und Minimalgehälter sind auch dort nicht höher als überall sonst. Der Zusammenhang zu den höheren Einkommen läuft ausschließlich über den Spitzenlohn. Der große Werkstattbereich in einem Fahrradgeschäft ist also auch eine Karriereperspektive. Entsprechend gibt es in diesen Betrieben auch die größten Lohnspreizungen.


_Über 80 Prozent der Betriebe haben die Gehälter in den letzten beiden Jahren erhöht. _

Knapp 85 Prozent haben ihre Gehaltsstrukturen in 2025 oder 2026 angepasst. »Angepasst« heißt natürlich erhöht. Die steigenden Personalkosten sind also auch an der Fahrradbranche nicht vorbeigegangen. Wenn man sich diese Gruppe anschaut, dann zeigt sich, dass dies vor allem geschah, um zum Spitzenfeld aufzuschließen. Wer erhöhte, tat dies meist nur, um wieder zur Spitze aufzuschließen. Wirkliche Ausreißer nach oben finden sich nicht häufig in den Datensätzen. Bei den wenigen, die nicht in jüngster Zeit Gehälter erhöht haben, ist ein durchaus akzeptables Lohnniveau sichtbar. Allerdings ist die Zahl zu gering, um echte Aussagekraft zu haben.

Brancheneigene Zusatzanreize

Wenn das Gehalt vielleicht nicht alleine für Jubelstürme sorgt, dann tun das vielleicht die zusätzlichen Lohnbestandteile? In der Branche wird eine große Zahl an zusätzlichen Anreizen geboten, die es in vielen anderen Branchen so nicht gibt oder nicht so reizvoll wären. Der häufigste zusätzliche Gehaltsanreiz in einem Radladen ist die Option, Material zum Einstandspreis zu beziehen. Fast drei Viertel aller Betriebe bieten das an. Es ist wohl ein deutlicher Hinweis, dass in der Werkstatt ziemlich viele Menschen arbeiten, die auch selbst gerne Rad fahren. Arbeitskleidung, Fortbildung und Dienstrad sind ebenfalls weitverbreitete und typische Anreize in der Werkstattarbeit. Bemerkenswert ist, dass die sonst typischen tariflichen Instrumente wie 13. Monatsgehalt und Weihnachtsgeld recht selten sind.
Für diese Umfrage gilt es noch auf einen Umstand hinzuweisen, der erst bei näherer Betrachtung auffällt: Die größeren Betriebe mit entsprechend größeren Werkstätten haben ihre Gehaltsstrukturen häufiger offengelegt als kleinere Betriebe. Betriebe mit über 20 Mitarbeitenden haben zu über 80 Prozent die Gehaltsfragen beantwortet, Geschäfte mit 1-2 Angestellten zu einem knappen Drittel, bei 3-5 Angestellten etwas mehr als die Hälfte. Das bedeutet, dass die Umfrage nicht als repräsentativ angesehen werden sollte. Da größere Betriebe im Mittel auch höhere Gehälter zahlen, verschieben sie den Gesamtschnitt. Die bundesweiten Durchschnitte sind absehbar nach oben verzerrt. Das Durchschnittsgehalt dürfte niedriger liegen als die genannten knapp 3000 Euro. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit gibt einen Wert von 2863 Euro als mittleres Vollzeit-Bruttoentgelt aus.

Der Länder- und Berufsvergleich

Die Händler aus Österreich, die bei dieser Umfrage mitgemacht haben, kommen mit einem Durchschnittsgehalt von 2911 Euro auf sehr ähnliche Werte. Da aber nur 10 Betriebe aus Österreich die Gehaltsfragen beantwortet haben, darf dies nur als erste Orientierung dienen.


Zusätzliche Anreize zum Lohn sind in der Branche weit verbreitet und machen die Werkstattarbeit attraktiver.

In jedem Fall wird man eher nicht Zweiradmechatroniker/in, um reich zu werden. Das mittlere Bruttomonatsentgelt aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten lag im Jahr 2025 deutschlandweit bei 4217 Euro laut der Beschäftigungsstatistik der Agentur für Arbeit. Nach Qualifikation aufgeschlüsselt erreichten Beschäftigte ohne Berufsabschluss 3133 Euro, mit anerkanntem Berufsabschluss 4069 Euro und Akademiker in der Mitte 6146 Euro. Gegen den Gesamtmedian aller Vollzeitbeschäftigten fehlen der Fahrradwerkstatt-Spitzenkraft also etwa 900 Euro. Gegen andere Beschäftigte mit anerkanntem Berufsabschluss sind es immer noch 770 Euro. //

29. September 2026 von Daniel Hrkac
Velobiz Plus
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