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Report - Fahrradpflege

Die Reize der Drecksarbeit

Dafür, dass die Fahrradpflege im Alltag so beliebt ist wie Staubsaugen, spielt sie eine bemerkenswert große Rolle. Es gibt eben keinen Weg um die Dinge herum, die gemacht werden müssen, insbesondere wenn man sein Fahrrad im Prinzip trotz des Aufwands schätzt und liebt. Der Handel hat heute einige interessante Ideen und Produkte zur Seite, mit denen auch Putzverweigerern das Thema schmackhaft gemacht werden kann.

Gerade wenn es um richtig schmutzige Dinge geht, wie die Wochenendtour auf schlammigen Singletrails oder die Rennradtour im Regen, muss das schwere Geschütz aufgefahren werden. Kärcher und Bosch sind aktuell die Hauptanbieter von portablen Niedrigdruckreinigern, die selbst die größte Sauerei im Handumdrehen beseitigen und dabei auch noch fahrradschonend vorgehen. Wer sonst zum Schönwetterfahren neigt, findet damit eine Lösung für das Putzproblem. Zumal selbst bei trockenem Wetter allerlei Staub und Schmutz seinen Weg an die unmöglichsten Fahrradritzen findet. Als mehr oder weniger spezialisierte Fahrradlösung bieten sich die Niedrigdruckreiniger natürlich auch für den Verkauf im Radladen an.
Ist der gröbste Schmutz entfernt, gilt es, die mitunter empfindliche Technik zu pflegen. Hier hört die Entwicklung offenkundig niemals auf. Zunächst einmal werden die Pflegeprodukte an sich immer besser. »Besser« bedeutet hier oft: einfachere Anwendbarkeit, schnellere Ergebnisse und hohe Reinigungsleistung oder eine Kombination dieser Eigenschaften. Es gibt vermutlich kaum ein anderes Produkt, das eine solche Vielzahl an verschiedenen Reinigungs-, Schmier- und Zubehörputzmitteln von Handwaschpaste bis Mikrofasertuch bereithält. Das bedeutet allerdings auch Aufwand in der Präsentation und Beratung. Selbst wenn man ihn leistet, sträuben sich Kundinnen und Kunden trotzdem oft genug, selbst zu putzen.
Hartgesottenen Nichtputzern und -putzerinnen kann der Handel aber noch ein anderes Angebot machen: Vollautomatische Reinigungsstationen sind je nach Standort auch außerhalb der Arbeitszeiten und rund um die Uhr für die Drecksarbeit aufstellbar. Bike-Energy hat eine solche Station im Angebot und bewirbt sie für den Einsatz in der Werkstatt, im Fahrradverleih oder eben als Selbstbedienungsstation für Endverbraucher, vielleicht direkt neben dem Schlauchautomaten. In fünf Minuten wird ein Rad ohne großes Handanlegen wieder sauber. Damit sich die Anlage möglichst schnell amortisiert, sollte angesichts des Preisschilds von 14.390 Euro netto wohl auch gleich ein gewisses Marketingbudget eingeplant werden, um eine entsprechende Auslastung zu erzielen. Ein alternatives Produkt hat jüngst ReNewBike vorgestellt.

Pflegeabos für Putzmuffel

Eine spannende Idee kann sich der Fahrradhandel bei den mobilen Werkstätten abschauen. Dass man selbst nicht putzen mag, bedeutet ja nicht, dass man nicht trotzdem ein gepflegtes Fahrrad zu schätzen wüsste. Warum also nicht diese Arbeit den Putzmuffeln abnehmen? Genau das bieten verschiedene mobile Werkstattdienstleister ihren Kundinnen und Kunden an. Ein Pflegeabo ersetzt oder ergänzt das klassische »Du bringst dein Rad in die Werkstatt, wenn etwas schmutzig ist oder Probleme auftreten«. Stattdessen kommt ein Abo-Dienstleister regelmäßig – oder auf Abruf, je nach Modell – zur Pflege vorbei. Im Handel dürfte naheliegender sein, das Rad bringen zu lassen. Typischerweise beinhalten die Leistungen eines Pflegeabos neben der Reinigung und anschließenden Schmierung oft auch die Kontrolle der Antriebskomponenten. Als Händler könnte man zudem auf die Idee kommen, auch eine Wartungs- und Pfleghistorie zu dokumentieren. Richtig schmackhaft wird das, wenn man sein Fahrrad dann einmal als scheckheftgepflegt weiterverkaufen kann.
Angebote gibt es für solche Pflegeabos entweder auf Monatsbasis oder im Jahrespaket. Für die mobilen Werkstätten haben diese Abos den Vorteil, dass sie ihre Auslastung schön planen können. Der Handel profitiert von einer Kundschaft, die offenkundig höchsten Wert auf ihr Fahrrad legt. Diese Menschen geben recht sicher auch etwas mehr Geld für sonstige Fahrradthemen aus. Wenn man sie über einen Abo-Dienst regelmäßig in den eigenen Laden bringen kann oder ihnen wenigstens die eigenen Angebote zeigen kann, dürfte sich das positiv auf den Umsatz auswirken. Um ein solches Abo auf die Beine zu stellen, muss man natürlich erst einmal investieren, vor allem Gehirnschmalz: Wie das passende Abo aussieht, dürfte von Laden zu Laden sehr unterschiedlich ausfallen.

Läuft wie gewachst

Eine andere Klientel bekommt man in den Laden, wenn man gewachste Ketten in den Blick nimmt. Insbesondere in den sportlichen Segmenten gilt diese Art der Kettenschmierung als besonders leistungsfähig und langlebig. Da sie allerdings auch gewissen Aufwand nach sich zieht und spezieller Ausrüstung bedarf, liegt es nahe, das als Werkstatt- beziehungsweise Pflegeleistung anzubieten. Nachdem der erste Hype verflogen ist, hat sich diese Kettenpflege heute fest eta­bliert. Übrigens lässt sich diese Dienstleistung auch vorzüglich in ein Pflegeabo einbinden. //

5. November 2025 von Daniel Hrkac
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