11 Minuten Lesedauer
i

Markt - Frankreich

E-Bikes bestimmen französischen Markt

Der französische Fahrradmarkt verzeichnete 2022 ein beachtliches Wachstum. Wie in den letzten Jahren wird der Umsatz getrieben durch den Verkauf von E-Bikes. Diese Entwicklung soll sich fortsetzen: Laut den Branchenerwartungen könnte der E-Bike-Markt bis 2025 auf eine Million Bikes anwachsen und bis 2030 2,5 Millionen Einheiten jährlich erreichen.

Im April hat der französische Verband Union Sport & Cycle seine Studie »Observatoire du Cycle« veröffentlicht. Diese jährliche Studie wird immer mit Spannung erwartet, da sie einen vollständigen Überblick über den Verkauf von Fahrrädern und Komponenten auf dem französischen Markt bietet. Der Studie zufolge verzeichnet der französische Fahrradmarkt (Fahrräder, Teile und Zubehör) im Jahr 2022 ein Wachstum auf einen Gesamtumsatz von 3,634 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Seit 2019 hat der französische Markt damit insgesamt ein sehr beachtliches Wachstum von 52 Prozent verzeichnet. Genauer gesagt haben die Fahrradverkäufe (Elektro- und normale Fahrräder) nun insgesamt 2,378 Milliarden Euro (+7 Prozent) eingespielt bei einem Volumen von 2.596.199 Einheiten (-7 Prozent). Der Durchschnittspreis folgt dem Umsatz mit einem Anstieg von 11 Prozent auf 916 Euro. In den letzten zehn Jahren stieg der Durchschnittspreis von 613 Euro, also um knapp 50 Prozent, hauptsächlich aufgrund des E-Bike-Segments.
Die Studie konzentrierte sich auch stark auf die französische Fahrradproduktion. Im Jahr 2022 produzierten die französischen Hersteller 854.000 Fahrräder, darunter 445.000 E-Bikes (52 Prozent der Produktion). Dies ist das erste Mal, dass die französische E-Bike-Produktion die von normalen Fahrrädern übersteigt. Für 2023 schätzt Union Sport & Cycle, dass die französische Produktion die 900.000 Einheiten überschreiten wird, darunter mehr als 480.000 E-Bikes. Laut Jérôme Valentin, Vizepräsident der Union Sport & Cycle, habe Frankreich mit seinen Marken und Herstellern alle Voraussetzungen, um einer der führenden Anbieter der Fahrradindustrie zu werden.

Die Fahrradproduzenten in Frankreich formulieren inzwischen den Anspruch, auch europaweit eine größere Rolle einzunehmen.

Wie bereits seit einigen Jahren zu beobachten, wird der französische Markt vom E-Bike-Segment getrieben. Inzwischen gehen die Verkäufe von normalen Fahrrädern Jahr für Jahr ab 2016 zurück. Sehr interessant ist auch, dass Fahrräder im Jahr 2022 das wichtigste verkaufte Fortbewegungsmittel in Frankreich darstellten. Tatsächlich machten Fahrräder mit fast 2,6 Millionen verkauften Einheiten 43 Prozent der verkauften Stückzahlen aus. Die Verkäufe von Fahrrädern liegen vor denen von Elektro-Scootern und -Rollern (1,6 Millionen), Autos (1,577 Millionen) und motorisierten Zweirädern (308.000).
Im Vergleich zu 2021 sind die Verkäufe von Teilen und Zubehör (P&A) mit einem Umsatz von 1,256 Milliarden Euro (+ 1,2 Prozent) leicht gestiegen. Diese Einnahmen werden dominiert von Internet-Pure-Playern, die einen Umsatz von 427 Millionen Euro (34 Prozent) verzeichnen. Auf unabhängige Einzelhändler entfielen 29 Prozent oder 364 Millionen Euro und auf »Multisport« (also Sporthändler wie Intersport oder Decathlon) 35 Prozent (439 Millionen Euro).

Die enorme Entwicklung des E-Cargo-Segments

Im Jahr 2022 hat das E-Cargo-Segment mit einem Plus von 96 Prozent bei 33.000 verkauften Rädern und einem Durchschnittspreis von 3890 Euro ein inzwischen beeindruckendes Niveau erreicht. »Dieses Segment wird insbesondere durch den Verkauf an Familien mit Longtails und E-Cargos getrieben, ohne dass man dabei den professionellen Bereich vergessen darf. Die französische Produktion von Lastenrädern repräsentiert rund 8400 Einheiten von etwa 40 Unternehmen, und zwei Drittel der Produkte werden fast vollständig mit französischen Komponenten zusammengebaut«, kommentierte Charles Levillain, Direktor des Verbands Les Boîtes à Vélo und CEO von FlexiModal, einem auf Fahrradlogistik spezialisierten Unternehmen. Eine weitere Studie, die von Les Boîtes à Vélo durchgeführt wurde, hat mehr Details über die Lastenfahrräder aus Frankreich geliefert. Laut dieser Umfrage unter französischen Herstellern hat der Markt für in Frankreich hergestellte Lastenräder einen Umsatz von 30,4 Millionen Euro erlöst, was einer Steigerung von 146 Prozent gegenüber 2021 (20,7 Millionen Euro) entspricht. Rund 14 Prozent des Umsatzes wurden im Export erwirtschaftet. Der Gesamtabsatz verteilt sich auf mehr als 3000 dreirädrige Fahrzeuge, 2500 Zweiräder und 1600 Longtails und Shorttails. Hinsichtlich der Käuferkategorien gibt es drei Arten von Zielgruppen, darunter Städte (13 Prozent), Familien (26 Prozent) und Unternehmen (61 Prozent).

E-Bikes liegen in Frankreich voll im Trend

Wie in vielen Ländern konzentriert sich der französische Markt immer mehr auf E-Bikes. »Mit einem ununterbrochenen Wachstum in den letzten zwölf Jahren hat das E-Bike seinen Status als meistverkauftes Fortbewegungsmittel in Frankreich bestätigt. Mit einem Marktanteil von 28 Prozent und unter Berücksichtigung der in den Niederlanden und Deutschland beobachteten Dynamik, wo es 57 Prozent bzw. 48 Prozent des Neufahrradabsatzes ausmacht, ist sein Entwicklungspotenzial beträchtlich«, bemerkte Jérôme Valentin, Vizepräsident der Union Sport & Cycle, in seiner Präsentation der französischen Marktdaten. Der Absatz von E-Bikes ist der Studie zufolge um 12 Prozent gestiegen und erreicht ein Volumen von 738.454 Einheiten. Laut dem französischen Cycle Observatory könnte der Absatz von E-Bikes bis 2025 eine Million Einheiten und bis 2030 dann 2,5 Millionen erreichen.
Auch wertmäßig kann sich das Wachstum sehen lassen. Im Jahr 2022 hat dieses Segment einen Umsatz von 1,451 Milliarden Euro repräsentiert, das sind rund 10,5 Prozent mehr im Vergleich zu 2021. Obwohl damit der Umsatzanstieg weniger stark ist als im Jahr 2021, steigen die Marktanteile von E-Bikes (wertmäßig) immer noch. Im vergangenen Jahr machte das E-Bike-Segment 61 Prozent des Gesamtwerts der Fahrradverkäufe in Frankreich aus. In den letzten zehn Jahren ist der Umsatz jährlich um 44 Prozent gestiegen. »Ich denke, wir können den Umsatz in den nächsten Jahren auf 3 Milliarden Euro verdoppeln«, kündigte Jérôme Valentin an.

Leasing und Bikesharing: ein neuer Wachstumstreiber

Zum ersten Mal integrierte die Studie auch einige neue Daten mit dem Leasing und das E-Bike-Sharing-System. Im Vergleich zu Deutschland oder den Niederlanden ist Frankreich spät dran, aber immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern E-Bikes über Leasing-Angebote verschiedener Anbieter an. Ebenso haben immer mehr Städte oder Ballungsräume die Zahl der E-Bikes in ihren Bike-Sharing-Flotten erhöht oder bieten der Bevölkerung ein Jahres-Leasing an wie Véligo im Raum Ile-de-France.
In Paris und Umgebung verfügt das Bike-Sharing-System Velib über 19.000 Fahrräder, darunter 7500 E-Bikes. So schätzt die Studie »Observatoire du Cycle«, dass 12.054 E-Bikes von Unternehmen für ihre Mitarbeiter gekauft wurden und 13.355 weitere den Flotten von Städten oder städtischen Gebieten im Jahr 2022 hinzugefügt wurden. Diese Schätzung wurde erstellt durch die Abfrage von 35 Anbietern und 266 gemeinsam genutzten Fahrraddiensten. Rechnet man dieses Volumen zu den Verkäufen der Geschäfte hinzu, hat das Volumen des französischen E-Bike-Marktes im vergangenen Jahr insgesamt 763.809 Einheiten erreicht.
Bei den E-Bikes ist es auch interessant, den Umsatz nach Produktsegment zu quantifizieren. Im Jahr 2022 ist der Absatz von Urban E-Bikes mit einem Volumen von rund 270.000 Stück im Vergleich zu 2021 stabil geblieben. Ganz anders sieht es bei den E-Trekking- und E-MTB-Familien aus. Diese beiden Segmente haben im vergangenen Jahr jeweils solide Wachstumsraten verzeichnet. Die E-Trekking-Verkäufe haben 225.000 Bikes erreicht, verglichen mit 176.000 Einheiten im Jahr 2021. Auch die E-MTBs wachsen mit einem Volumen von 160.000 bis 170.000 verkauften Fahrrädern sehr dynamisch. Auf der anderen Seite liegen die Verkäufe von E-Falträdern mit insgesamt etwas über 30.000 Einheiten sehr nahe am Volumen von 2021. Aufgrund der geringen Nachfrage französischer Nutzer gingen die Verkäufe von E-Rennrädern im vergangenen Jahr weiter zurück. Sie werden jetzt auf rund 10.000 Fahrräder geschätzt. Keine Angaben macht das »Observatoire du Cycle« zum Speed-Pedelec-Segment, da diese Produkte für die französische Regulierung nicht als Fahrräder gelten, sondern als motorisierte Zweiräder.

Sinkende Durchschnittspreise für E-Bikes

Was den Durchschnittspreis der E-Segmente betrifft, so fiel dieser im zweiten Jahr in Folge auf nun 1965 Euro (-1 Prozent). Im Detail erreichen klappbare E-Bikes 1336 Euro, Urban E-Bikes 1397 Euro, Trekking-Elektroräder 2010 Euro, E-MTBs 2463 Euro und Renn-E-Bikes 3155 Euro. Dieser Rückgang lässt sich leicht dadurch erklären, dass die »Multisport«-Netzwerke wie Decathlon oder Intersport im Jahr 2021 mehr E-Bikes zu einem niedrigeren Preis verkauft haben. Darüber hinaus hatten die meisten dieser großen Ketten im Jahr 2021 nicht genügend Produkte, um sie an die Verbraucher zu verkaufen.

»Zwei Drittel der Produkte werden fast vollständig mit französischen Komponenten zusammengebaut.«

Charles Levillain zum französchen Lastenradmarkt

Die Verbraucher mussten zu unabhängigen Geschäften oder Fachgeschäften wie Culture Vélo, Cyclable, Mondovélo oder Véloland gehen, um E-Bikes zu kaufen. Es stellt sich heraus, dass diese Fachgeschäfte höherwertige Modelle zu einem höheren Durchschnittspreis verkaufen als Décathlon, Intersport oder Go Sport.

»Multisport«-Läden festigen ihre Position

Was die Distribution betrifft, ist das Highlight des Jahres 2022 die Marktbedeutung, die die großen Player wie Intersport und Decathlon beanspruchen. Diese Händler haben ihren Marktanteil im E-Bike-Segment deutlich ausgebaut. Während die unabhängigen Einzelhändler und spezialisierten Ketten in Bezug auf Volumen (47 Prozent der verkauften Fahrräder mit 347.800 Einheiten) und Wert (66 Prozent des Umsatzes bei 957 Millionen Euro) führend bleiben, hat »Multisport« seine Position gestärkt mit einem Umsatz von 362,7 Millionen Euro (25 Prozent Marktanteil) und einem Volumen von 280.400 E-Bikes (38 Prozent).

Rückläufiger Verkauf von Fahrrädern

Seit mehreren Jahren gehen die Verkäufe von unmotorisierten Fahrrädern in Frankreich stetig zurück. Im vergangenen Jahr gingen die Verkaufszahlen für Fahrräder im Vergleich zu 2021 um 13 Prozent auf 1,857 Millionen Stück zurück. Dieser langsame Rückgang der Verkäufe begann im Jahr 2016 und es wird nicht erwartet, dass sich die Situation angesichts des ständig wachsenden Interesses der Franzosen an Elektrofahrrädern ändern wird.

Französisches Fahrad-Flair findet immer häufiger auf modernen E-Bikes statt.

Im Jahr 2022 wurden die Fahrradverkäufe definitiv durch geringere Verkäufe von Kinderfahrrädern und Einsteigerfahrrädern beeinträchtigt, zwei Produktkategorien, die besonders von der Inflation betroffen waren. Dies bedeutet jedoch nicht, dass dieses Segment verschwinden wird. Tatsächlich konzentrieren sich die französischen Verbraucher immer mehr auf Produkte von besserer Qualität als in der Vergangenheit. Dieses Verbraucherverhalten hat zu einem durchschnittlichen Preisanstieg um 18 Prozent auf 499 Euro geführt. Der MTB-Durchschnittspreis liegt beispielsweise bei 574 Euro und beim Rennrad bei 1777 Euro.

Was ist mit 2023 und den nächsten Jahren?

Für die kommenden Jahre sollte der französische Markt seine Erfolgsgeschichte fortsetzen können. Wie Jérôme Valentin betont, soll der Verkauf von E-Bikes in den nächsten Jahren weiter wachsen. Aber es gibt auch viele Fragen zu 2023 und der Marktsituation. Derzeit kämpfen viele Marken und Geschäfte mit höheren Lagerbeständen als üblich. Dies ist auf ein hohes Auftragsvolumen von Einzelhändlern, wieder kürzere Lieferzeiten und eine geringere Verbrauchernachfrage in den letzten Monaten zurückzuführen. Die Saison 2023 dürfte aber weiterhin von einer starken Verkaufsdynamik bei E-Bikes und Lastenrädern geprägt sein. Was den Vertrieb betrifft, expandieren auch die spezialisierten Ketten weiter, wobei viele Eröffnungen geplant sind, um die Netzwerke im ganzen Land zu erweitern. Dieses Jahr sollte auch von der Ankündigung mehrerer Maßnahmen zur Förderung der Produktion von Fahrrädern und Komponenten Made in France geprägt sein. //

29. Juni 2023 von Laurent Garrigues

Verknüpfte Firmen abonnieren

Moustache Bikes
Nur für Abonnenten
News
Nur für Abonnenten
Kommentare
Nur für Abonnenten
Stellenmarkt
O2feel
Nur für Abonnenten
News
Nur für Abonnenten
Kommentare
Nur für Abonnenten
Stellenmarkt
Velobiz Plus
Die Kommentare sind nur
für unsere Abonnenten sichtbar.
Jahres-Abo
115 € pro Jahr
  • 12 Monate Zugriff auf alle Inhalte von velobiz.de
  • täglicher Newsletter mit Brancheninfos
  • 10 Ausgaben des exklusiven velobiz.de Magazins
Jetzt freischalten
30-Tage-Zugang
Einmalig 19 €
  • 30 Tage Zugriff auf alle Inhalte von velobiz.de
  • täglicher Newsletter mit Brancheninfos
Jetzt freischalten
Sie sind bereits Abonnent?
Zum Login