17 Minuten Lesedauer
Traumhafte Aussichten bei der Shimano E-Mountainbike-Experience in Südtirol
i

Report - E-Bike-Tourismus

Elektrische Welle in den Alpen

E-Bikes sind in der Fahrradbranche inzwischen zum wichtigsten Thema geworden. In jüngster Vergangenheit erobern dabei vor allem auch sportliche E-Mountainbikes die Herzen der Käufer, Hersteller und Händler im Sturm. Rollt die elektrische Welle jetzt in die Berge? Unser Autor und bekennender E-Bike-Fan Reiner Kolberg hat sich bei Experten informiert und auf dem E-MTB auch selbst seine Grenzen getestet.

E-Bikes und die Berge – das klingt nach einer wunderbar verführerischen Kombination. Und tatsächlich: Wenn man einmal das Erlebnis genießen konnte, sich mit großer Leichtigkeit steile Anstiege emporzuschrauben, ganz ohne Herzrasen, keuchenden Sauerstoffmangel und einen nur auf die nächsten sakrisch steilen Meter fokussierten Blick, dann kann man die Begeisterung für die neuen Sport- und Freizeitgeräte nur zu gut nachvollziehen.
In der Praxis ist es aber wohl wie in jeder Beziehung. Nach anfänglicher Begeisterung kommen dann doch schnell die ersten Fragen: Passen die beiden wirklich so harmonisch zusammen? Gibt es nicht das ein oder andere Problem? Und was sagen wohl die anderen Beteiligten? Überall Wohlwollen und Begeisterung? Oder doch vielleicht der ein oder andere missgünstige Blick oder kritische Kommentar?
Um die neuen Chancen und Herausforderungen zu verstehen, macht es durchaus Sinn, vom Schreibtisch aufzustehen, sich mit anderen zu vernetzen und eigene Erfahrungen zu sammeln: Auf Messen wie der Eurobike mit dem Travel Talk, Kongressen wie dem Mountainbike Tourismusforum und natürlich direkt vor Ort. Draußen in richtigen Bergen und mit dem E-Mountainbike, zum Beispiel bei der »Shimano E-Mountainbike-Experience« in Südtirol, dem »E-Bike Festival« in den Kitzbüheler Alpen oder in den neuen »Bosch eBike Uphill Flow Trails« am Geißkopf in Bischofsmais oder im bekannten Skigebiet Portes du Soleil.

Lokale Akteure sondieren kritisch die Lage

Nicht jede neue Sportart oder jedes neue Angebot stößt immer gleich auf Gegenliebe. Diese Erfahrung haben in der Vergangenheit bereits ebenso Skifahrer gemacht, wie später Snowboarder oder im Sommer die Mountainbiker. Mit Sicherheit nicht unberechtigt. Denn die Veränderungen in den Bergregionen, weg von der Landwirtschaft und hin zum Wintertourismus sind nicht ohne riesige Umbrüche vonstattengegangen. Andererseits, wo stünden die Bergregionen heute ohne den Tourismus? Und wo stehen sie angesichts des Klimawandels, der die Alpenwelt wohl dramatisch verändern wird, morgen?
»Generell ist das Mountainbiken, bzw. neuerdings das E-Mountainbiken kein ganz einfaches Thema,« erläutert Dr. Hubert Unterweger, Geschäftsführer des LTS – Landesverband der Tourismusorganisationen Südtirols, die Lage. »Man muss sich klarmachen, dass hier immer viele Interessengruppen berücksichtigt werden müssen. Mit ganz unterschiedlichen Sichtweisen und Schwerpunkten.«
Für einen Austausch zwischen den unterschiedlichen Gruppen wirbt auch Norman Bielig, der gemeinsam mit anderen das Mountainbike Tourismusforum Deutschland als Branchenverband gründete und mit seiner Agentur desire lines an der Schnittstelle von Radtourismus, Radindustrie und Radszene arbeitet. »Nicht vergessen werden dürfen auch die wichtigen lokalen Akteure, wie Bergbahnbetreiber, Forstwirte, die Bevölkerung und weitere Interessengruppen. Hier herrscht durchaus noch Skepsis, gerade im wichtigen Bereich der Bergbahnen.«
Neben wirtschaftlichen Interessen geht es dabei unvermeidlich wohl immer auch um Vorurteile, Skepsis, erste schlechte Erfahrungen, Angst vor Veränderungen und Verdrängung. Zudem blockiert ein in der Bikebranche wohlbekanntes und vieldiskutiertes Thema wichtige Investitionen.

Ladeinfrastruktur: der ungehörte Ruf nach Standards

Eine wichtige Rolle spielt die schier unendliche Vielfalt von Ladesystemen und Standards. Sie verhindert den Aufbau einer Ladeinfrastruktur, die gerade für E-MTBs im Gebirge enorm wichtig wäre. Das Thema bereitet den Akteuren vor Ort ernsthaftes Kopfzerbrechen. »Einerseits würden die Regionen gerne in Ladestationen investieren, andererseits gibt es bislang keinerlei Standardisierung oder eine Investitionssicherheit für die Zukunft, die wir aber dringend benötigen, um Investitionen zu tätigen«, so Dr. Hubert Unterweger. Das bestätigen auch die Erfahrungen von Norman Bielig auf den Kongressen: »Wenn hier ein Ausblick da wäre, was in den nächsten zwei bis drei Jahren passiert, wäre das für Investitionen der Tourismusbranche in die Infrastruktur extrem hilfreich.«

Wegerecht: Wo darf das (E-)MTB eigentlich fahren?

»Hier gibt es aktuell unterschiedliche Auffassungen, die sich ja in entsprechenden Verordnungen wiederfinden« betont Dr. Unterweger. »Ich erinnere da an Baden-Württembergs Zweimeter-Regel. Bei uns in Südtirol gibt es solch eine Regelung nicht. Wir gehen aber davon aus, dass sich mit zunehmendem E-Mountainbike-Anteil in den Bergen, und den sehen wir ja in den Bike-Verkäufen kommen, das Problem der Wegenutzung verschärfen wird.« Aber dafür gäbe es praktische Lösungen: »Breite Forstwege sind genug da, es geht hier also vor allem um eine möglichst gute Kanalisierung. Unsere Aufgabe als Touristiker ist es unter anderem die neuen Ströme auf entsprechend geeignete Routen zu lotsen.«

Schwierige Akzeptanz: Wem gehört der Berg?

Konflikte zwischen Wanderern und Bikern gehören vielerorts zum Tagesgeschäft. Die Akzeptanz wird sich nach der Einschätzung von Dr. Unterweger durch E-MTBs künftig leider wohl eher weiter negativ entwickeln. »Zollte der Wanderer dem athletischen Biker, der sich seine Höhenmeter mühsam im Schweiße seines Angesichts erkämpft hatte, noch Respekt und sah ihn meist als gleichwertigen Alpinisten an, mit dem er am ehesten bereit war ›seine‹ Steige zu teilen, kann der E-Biker mit dieser Anerkennung kaum mehr rechnen. Diese Entwicklung kann durch die höheren Frequenzen und die schnelle Zunahme der E-Biker noch verstärkt werden.«

E-Bike-Verleih: nicht ganz so einfach, wie gedacht

Mit dem Ski hat der Verleiher heute keine Probleme mehr. Den Service erledigt eine Maschine. Anders beim E-Bike, wo der Wartungsaufwand anfangs unterschätzt wurde. »Für die Saison muss man praktisch immer einen geschulten Mechaniker vor Ort haben, der sich zudem auch mit der Steuerung und Elektrik auskennt«, erläutert Dr. Unterweger. Zudem wüssten sich viele Nutzer schon bei kleineren Problemen und Pannen, wie einem Platten oder einer verklemmten Kette, nicht zu helfen. Fahrer und E-Bikes müssten dann aufwändig abgeholt werden. Zudem bräuchten Anfänger und Familien viel Unterstützung beim Einstieg in die Welt des E-Bikes, denn »einfach aufsitzen und drauflosfahren funktioniert nicht!«

E-Bike-Bergtourismus in der Betaphase

Mit Scheuklappen nur in bestehende Produkte zu investieren und nicht ganzheitlich auch Services, Infrastruktur und Zukunft mitzudenken, ist heute kein guter Weg. Auch der Fahrradbranche wurde oft vorgeworfen, nur produktzentriert zu arbeiten. Aber mit Anbietern wie Movelo oder Travelbike ist man inzwischen auf einem guten Weg. »Die Verleihangebote lesen sich sehr gut«, so Norman Bielig. »Wichtig ist aber, dass sie sich auch in der Praxis bewähren. Über schlecht funktionierende Angebote wird Vertrauen bei touristischen Partnern und auch beim Endkunden verloren.« Wichtig in diesem Zusammenhang ist natürlich die Feststellung, dass E-Bikes noch ein junges Produkt sind und sich die Technik sehr schnell weiterentwickelt. So haben E-Bike-Verleihangebote der ersten Generation kaum noch etwas mit den heutigen gemein.
Von einem E-Bike-Boom in den Alpen zu sprechen, wäre trotz der vorhandenen modernen leistungsfähigen E-Bikes und breiten Angebote wohl falsch. Oder anders ausgedrückt: Wenn es eine Welle ist, die auf die Alpen zurollt, dann baut sie sich erst einmal ganz langsam auf. Tatsächlich kann man den Eindruck gewinnen, die Bikebranche, aber auch die Touristiker sowie etablierte Eventveranstalter und am Ende auch die Nutzer selbst befänden sich in einer Test- und Lernphase. Darüber wird unisono auch ganz offen gesprochen. »Aktuell tauschen wir uns intensiv mit allen Interessengruppen aus und sammeln Erfahrungen. Hier leisten auch Events wie die Shimano E-Mountainbike-Experience oder die Eurobike Media Days am Kronplatz einen wichtigen Beitrag. Ein wirkliches Konzept hat bislang aber noch niemand«, so Dr. Unterweger, der nicht nur mit den Touristikern der Region im engen Austausch steht. Genauso wichtig ist aber auch eine andere Erkenntnis. »Natürlich versuchen wir als Touristiker auf die neuen Entwicklungen einzugehen. Aber letztlich gilt auch, dass man als Touristiker dem Trend immer hinterherläuft.«
Zur Wahrheit gehört auch: In absoluten Nutzerzahlen lässt sich ein Zuwachs nicht feststellen. Mit der Zunahme der Verkäufe bei E-MTBs geht eine Abnahme bei analogen MTBs einher. Und auch in der Praxis scheint es so, als ob bei Alpentouren mit Trails vor allem erfahrene Mountainbiker im höheren Alter gerne auf ein E-MTB wechseln. Dazu Kerstin Bierl, von Alps Biketours, einem Spezialreiseveranstalter für Mountainbike- und Trekking-Transalp-Touren: »Bislang entwickelt sich der E-Bike-Tourismus aus unserer Sicht noch lange nicht analog zu den Verkaufszahlen bei E-Bikes im Trekkingbereich und E-MTBs. Aktuell haben wir bei uns 90 Prozent Normalradler und 10 Prozent E-Biker. Und während wir bei unseren normalen Transalp-Touren immer relativ frühzeitig ausgebucht sind, gibt es bei den E-Bike-Angeboten meist noch offene Plätze.«

Gemeinsame Visionen und Strategien gefordert

Nach Norman Bielig sei es »wichtig, eine Zukunftsstrategie zu entwickeln, eine Vision. Und zwar gemeinsam.« Fahrradindustrie und Radtourismus müssten sich näherkommen. Wichtige Felder seien dabei zum Beispiel das Leihen, Laden und der Service. »Es braucht einen Schulterschluss von Industrie und Tourismus.« Die Chancen scheinen dabei auf der Hand zu liegen. »Touristiker sehen das E-Bike als großen Zukunftsmarkt. Sie wissen, dass es sinnvoll ist, hier Energie hineinzustecken. Aktuell gibt es aber Unsicherheiten in Bezug auf konkrete Umsetzungen und technische Entwicklungen.« Wichtig sei es hier vor allem, Vorlaufzeiten mit zu berücksichtigen, denn im Tourismus werde in Planungszyklen von fünf Jahren gedacht. Vor Investitionen würde zurückgeschreckt, da man verhindern möchte, an der Zielgruppe und dem Bedarf vorbei zu investieren. Kurz: Der Return on Investment muss geklärt werden.

Leuchtturmprojekte und niedrigschwellige Angebote

»Offen sein, Visionen spinnen, Leuchttürme entwickeln und Innovationen vorantreiben«, das ist nach Norman Bielig das richtige Rezept, um die Zukunft des gemeinsamen Marktes zu entwickeln. Leuchtturmprojekte wie von Bosch mit dem eBike Uphill Flow Trail im Bikepark Geißkopf in Bischofsmais oder von Shimano mit der E-Mountainbike-Experience in Südtirol richten sich gezielt an Endkunden und bringen hier – auch medial befeuert – eine hohe Aufmerksamkeit.
»Gerade der Bosch eBike Uphill Flow Trail sorgt für ein breites Interesse auch außerhalb der MTB-Community«, so Norman Bielig, der mit an der Konzeption und der Vermarktung arbeitete. »Im MTB Zone Bikepark Geißkopf zeigt sich zum Beispiel, dass viele unterschiedliche Kundengruppen sehr leicht an das Thema E-MTB herangeführt werden können.« Generell ginge es in den Alpen um eine Verbreiterung des Angebots in Richtung »Erlebnis«. Dabei könnten E-Bikes eine wichtige Rolle spielen. »E-Bikes, bzw. E-MTBs sind ein Schlüssel für Mittelgebirge und alpines Gelände, um eine breitere Zielgruppe mit aktivem Naturerlebnis abzuholen.« Allerdings müsse man sich vom Gedanken trennen, dass es hier in erster Linie um sportliche Leistungen geht. Folgerichtig seien einfach nutzbare, niedrigschwellige Angebote gefordert: »Weniger Höhenmeter, mehr ortsnahe Angebote.«
Wie breite und niedrigschwellige Angebote gemacht werden, kann man sich in Österreich in St. Corona ansehen, wo quasi ein Erlebnisberg für die ganze Familie geschaffen wurde. Mit dem Einzugsgebiet von Graz und Wien habe man nach Norman Bielig beste Voraussetzungen für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. »Wir sind gespannt auf die Zahlen. Unsere Erfahrung ist, dass der Kunde marktgängige Produkte möchte. Perfekt aufbereitet und ohne viel Planungsaufwand von seiner Seite.«

Wie geht es weiter?

Stillstand werden sich wohl weder die E-Bike-Industrie, noch die Tourismusregionen in den Alpen leisten können. Dafür sind die absehbaren Umbrüche durch den Klimawandel mit einer immer kürzeren, schneeärmeren und unberechenbaren Wintersaison einfach zu dramatisch. Und die Bikebranche? Sie braucht neue Kunden und neue Anwendungsmöglichkeiten und eine gut ausgebaute Infrastruktur, um weiter wachsen zu können. Wie soll es also weitergehen? Wichtig sei für die Zukunft ein Raum für offenen Austausch zwischen Industrie und Tourismus, so Norman Bielig. Es müssten dafür aber vonseiten der Industrie auch Kapazitäten geschaffen werden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Shimano E-Mountainbike-Experience 2017:

Auch wenn es bei der E-Mountainbike-Experience in Südtirol mit Shimano als Hauptsponsor und vielen verschiedenen Marken und Motorvarianten zum Ausprobieren nicht über, sondern durch die Alpen ging: Mit einer Transalp war das Programm absolut vergleichbar, wie mir die Guides aus der Region glaubhaft versicherten. Während der viertägigen Tour von Naturns nach Sexten waren immerhin rund 200 Kilometer, 6.000 Höhenmeter und viele S1- und S2-Singletrails zu bewältigen.
Schon nach dem ersten Einfahrtag mussten die Veranstalter völlig neu planen, wie Bettina Ravanelli, Mitinhaberin von Bike & More aus Bozen, die das von Plan B organisierte Event mit begleitete, im Gespräch erläuterte. Wie die Teilnehmer zeigten sich auch die Organisatoren überrascht von der Inhomogenität des rund 90 Personen starken Teilnehmerfelds. Das reichte beim Alter von 11 bis Mitte 70 Jahren und bei der Fahrtechnik vom absoluten MTB- und E-Bike-Newbie, über den Freizeitradler, bis hin zum erfahrenen Mountainbiker. Echte MTB-Experts rekrutierten sich dagegen eher aus den begleitenden Vertretern der zahlreich vertretenen Markenhersteller. »So breit gespreizt erleben wir die Teilnehmer bei anderen Veranstaltungen nie«, zeigte sich Bettina Ravanelli erstaunt, die regelmäßig Radrennen und Bikeurlaube organisiert. Besonders verwundert war sie von der großen Zahl der Einsteiger. Für diese große Gruppe wurde folgerichtig ab dem zweiten Tag ein separates, fahrtechnisch deutlich entspannteres Programm aufgelegt.
Obwohl die Eckdaten, Voraussetzungen und Schwierigkeitsgrade vorher klar kommuniziert wurden, schienen viele Teilnehmer vorab in der Beschreibung eher das zu lesen, was sie lesen wollten. Zum Teil also wohl prägnante Begriffe wie »Genusstour« oder »familientauglich«. Auch wenn damit beispielsweise wohl eher das sehr gute regionaltypische Essen oder die angebotene Kinderbetreuung gemeint waren. Der Rest wird offenbar auch gerne mal überlesen oder kann von Flachländern schlicht nicht richtig eingeordnet werden.
Dazu kam: Einige Teilnehmer neigten dazu, ihre Fahrtechnik zu überschätzen, was das ein oder andere Mal klare Ansagen der Guides nötig machte – auch zum Wechsel in eine leichtere Gruppe. Unterschätzt wurde auch die hohe körperliche Belastung. Kaum jemand hätte wohl erwartet, dass E-Bike-Fahren auf langen Trails so anstrengend ist. Nicht zu vergessen: Eine Herausforderung sind mit dem schweren E-Bike auch Schiebestrecken bergab und bergauf und der Wechsel auf E-Bikes mit unterschiedlichen Antrieben und teilweise gegenläufigen Schaltungen, die jeweils einige Eingewöhnungszeit erforderten. Auch der Autor suchte und fand im steilen Gelände seine Grenzen – verbunden mit ein paar Blessuren. Doch trotz der ein oder anderen Schramme, Dauerverspannungen und ausgelaugten Muskeln bei den Teilnehmern waren sich alle einig: Ein supertolles und sicher unvergessliches Event! Für viele verbunden mit der (Neu-)Entdeckung der phantastischen Bergwelt Südtirols im Frühsommer. Die ruft genauso nach wiederkommen, wie das Erlebnis E-MTB!

Erfahrungen: Transalp mit dem E-Bike

Am grünen Tisch kann man viel planen. Aber letztlich scheint man gerade beim Thema E-Bike-Tourismus das meiste aus den ersten Angeboten und Projekten sowie dem tatsächlichen Verhalten und den Bedürfnissen der bislang noch eher schlecht als recht fassbaren Kunden zu lernen. Dazu haben wir uns mit Kerstin Bierl von Alps Biketours unterhalten. Seit 27 Jahren bietet der Münchner Spezialreiseveranstalter Mountainbike- und Trekking-Transalp-Touren an. Neu im Programm sind auch spezielle E-Bike-Angebote und Fahrtechniktrainings für E-Bike-Fahrer.
»Wir spüren eine Nachfrage nach E-Bike-Angeboten und diskutieren das auch regelmäßig mit unseren langjährigen Guides«, erläutert die Fachfrau. »Auch die werden übrigens nicht jünger und freuen sich schon auch über etwas Unterstützung.« Ein wichtiger Grund für die Einführung von E-Bike-Angeboten sei, dass viele ihrer Kunden älter würden. »Inzwischen steigen schon einige aufs E-Bike um. So bekommen sie mit weniger Anstrengung die gleichen Erlebnisse.«
Für die Zukunft setzt Alps Biketours nicht auf einen Boom, sondern auf langsames, beständiges Wachstum: »Die Nachfrage kommt aktuell ganz langsam und auf einem niedrigen Level in Schwung. Wir haben zwei E-Bike-Alpenüberquerungen im Programm. 2018 bauen wir unser Angebot aber deutlich aus. Mit speziellen Angeboten für E-Bike-Fahrer, einem eigenen Katalog und einer speziellen Website.«
Bei den Routen gilt: »Unsere Guides fahren bei speziellen leichten E-Bike-Touren die gleichen Routen wie mit dem normalen Bike – nur schneller. Damit bekommen wir zum Beispiel mehr Zeit für das Kulturprogramm. Bei unseren E-MTB-Transalp-Touren mixen wir E-Biker mit normalen MTBlern nicht und werden das auch in Zukunft nicht tun. Dafür ist das Tempo am Berg einfach zu unterschiedlich. Bei den Trekkingtouren mit einfachen technischen Anforderungen und weniger Höhenmetern sind gemischte Gruppen, mit etwas Fingerspitzengefühl beim Guiding, dagegen unproblematisch.«
Überraschungen gibt es auch bei der Zusammensetzung der Gäste. Während Kerstin Bierl beispielsweise bei der fahrtechnisch schwierigeren Drei-Zinnen-E-Bike-Tour mit Level 2–3 fast ausschließlich Anmeldungen von Stammkunden verzeichnet, sieht es bei der Riva-Transalp mit Level 2 ganz anders aus: »Wir sind gespannt. Alles neue Gesichter. Das Alter variiert von 45 bis 70 Jahren, davon sind ca. 70 Prozent Männer.«

21. August 2017 von Reiner Kolberg
Velobiz Plus
Die Kommentare sind nur
für unsere Abonnenten sichtbar.
Jahres-Abo
69,55 € pro Jahr
  • 12 Monate Zugriff auf alle Inhalte von velobiz.de
  • täglicher Newsletter mit Brancheninfos
  • 10 Ausgaben des exklusiven velobiz.de Magazins
Jetzt freischalten
14-Tage-Pass
Einmalig 5,50 €
  • 14 Tage Zugriff auf alle Inhalte von velobiz.de
  • täglicher Newsletter mit Brancheninfos
Jetzt freischalten
Sie sind bereits Abonnent?
Zum Login