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Alle für einen: Bei der Konzeption der Bikes arbeiten Szygiel (vorn), Böse (Mitte) und ihr Team zusammen.
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Portrait - coolmobility

Im Team für Kinder

Coolmobility baut unter der Marke S’COOL Fahrräder, die nicht nur auf dem Papier für Kinder und Jugendliche gemacht sind. Statt auf nackte Marktzahlen wird hier darauf geschaut, was die jungen Kunden möchten. Das Konzept geht auf.

Von außen sieht das Firmengebäude von coolmobility in Bielefeld aus wie jedes andere: Graue Mauern, ein langgestreckter Lagerkomplex mit Lkw-Laderampen schließt sich an das Bürogebäude an. Darin fährt normalerweise ein Gabelstapler zwischen den meterhoch gestapelten Bikekartons hindurch, heute saust Luca, der 9-Jährige Sohn von Vertriebsleiter Andreas Szygiel, durch die Gänge. Er hat Ferien und begleitet seinen Vater gerne in die Arbeit. So gerne, dass er von coolmobility ganz selbstverständlich in der Wir-Form spricht: »Papa, wie viele Quadratmeter Lager haben wir?«, fragt er als er kurz einmal verschnauft.
»Ungefähr 6.000«, antwortet Szygiel und schaut seinem Jungen nach, der schon wieder zwischen den Kartons verschwunden ist, um einen der Lagermitarbeiter zum Versteckspielen zu überreden; natürlich nur in den Pausenzeiten. Hier kennt jeder jeden, Szygiel begrüßt seine Kollegen allesamt mit Handschlag und oft auch einem Schulterklopfen. Schnell mal im Durchrauschen zum eigenen Büro ein »Guten Morgen« in den Raum zu rufen, das würde nicht passen. Nicht zu ihm und nicht zu coolmobility. »Wir sind hier ein echtes Team«, erklärt er. Das bedeutet, dass man sich gegenseitig unterstützt wo man kann. Aber auch, dass jeder einzelne seinen Arbeitsbereich mit vollem Engagement ausfüllt. »Jeder krempelt hier die Ärmel hoch, wenn es notwendig ist«, freut sich der Vertriebschef, der im Sommer selbst fast jedes Wochenende auf einer (Haus-)Messe steht, um die neuen Produkte vorzustellen. Rund 160 verschiedene Modelle für Kinder und Jugendliche umfasst inzwischen die coolmobility-Marke S’COOL. In den Bürogängen reihen sich gefühlt alle in mindestens einer Farbvariante aneinander. Ein bunter Räderteppich in allen möglichen Formen und Größen.

Preisgekrönter Mut

Dabei gibt es S’COOL in ihrer heutigen Form erst seit knapp vier Jahren. 2012 wurde die Marke, unter der damals noch Kinderräder und E-Bikes zusammengefasst waren, Axel Böse zum Kauf angeboten – und er schlug zu. Der erfahrene Manager, der unter anderem in verantwortungsvoller Position bei den Fahrrad-Fachhandelsverbänden ZEG und Bico tätig war, witterte die Gelegenheit, seine Erfahrung in etwas umsetzen zu können, das ihm als Fahrrad-Enthusiasten und Vater dreier mittlerweile erwachsener Kinder sehr am Herzen lag: Kinder- und Jugendfahrräder, die für die jungen Fahrer gemacht sind, und nicht in erster Linie für die Eltern. Bei coolmobility heißen sie alle Junior Bikes. »Wir möchten keine Unterscheidung machen oder vorschreiben, bis wann man ein Kind ist und ab wann ein Jugendlicher«, erklärt Böse – und ist damit schon bei einem grundlegenden Punkt der Firmenphilosophie: Jeder darf sein, wie er ist. Den kleinen Kunden wird keine Farbpalette vorgesetzt, in der Konzeptionsphase neuer Modelle oder bei Saison-Updates laden Böse und Szygiel regelmäßig den Nachwuchs von Mitarbeitern, Freunden und Bekannten ein. Die Kids dürfen dann in Farbfächern blättern, mit den aktuellen Bikes durch die Büroräume düsen – und den Erwachsenen frei heraus sagen, was ihnen gefällt und was nicht. »Ich war sogar mal im Katalog«, ist Luca noch heute stolz.
Statt sich nach Marktstudien und Handelsbarometern zu richten, verlassen sich Böse, Szygiel und ihr Team lieber auf ihr Gefühl und die Ehrlichkeit der Kinder. Ohne die Qualität der Räder aus den Augen zu verlieren. S’COOL hat ein eigenes Rahmendesign, XXLite genannt, mit geschwungenem Oberrohr und zwei »Keilen«, um einen tiefen Einstieg, kinderfreundliches Gewicht und Stabilität umsetzen zu können. Die höherpreisigen Modelle haben Aluminiumrahmen, viele Anbauteile sind extra für S’COOL angefertigt worden. »Es gibt hier im Bereich Junior Bikes keine so große Bandbreite an Möglichkeiten wie bei Erwachsenenrädern«, erläutert Vertriebsprofi Szygiel. Ein vermeintliches Manko, das coolmobility in einen Vorteil umgewandelt hat. Dank eigener Ideen und dem Mut neue Wege zu gehen, entstehen Kinder- und Jugendfahrräder, die funktionell, langlebig, sicher und »irgendwie anders« sind. Für das erste 20-Zoll-Fatbike – getreu dem Slogan #coolkidswanted – haben sie 2014 sogar einen Eurobike Award gewonnen.

Mit Engagement und En­thusiasmus

Ein Konzept also, das aufgeht. S’COOL ist mittlerweile wahrscheinlich der zweitgrößte Anbieter von Kinder- und Jugendfahrrädern in Deutschland. Seit dem ersten Auftritt bei der ZEG-Hausmesse 2013 in München mit zirka 50 Modellen hat sich die Produktpalette mehr als verdreifacht. S’COOL Junior Bikes stehen auf allen großen Verkaufsflächen von BOC über Fahrrad XXL und Lucky Bike bis ZEG. Monatlich verlassen tausende Räder das Bielefelder Lager, das vor ein paar Jahren gerade einmal 400 Quadratmeter maß. Fast alle Modelle hält coolmobility ganzjährig im Lager vor. Bestellt ein Händler bis 11 Uhr vormittags, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Rad noch am gleichen Tag rausgeht. In einem separaten Bereich befindet sich eine kleine Werkstatt, davor stapeln sich in Regalen fast alle Ersatzteile für die verschiedenen Modelle. Service wird hier nicht nur groß geschrieben, sondern auch geboten. Nicht ganz uneigennützig, denn: »Wenn der Sattel kaputtgeht und man statt des farblich abgestimmten einen schwarzen montiert, sieht das Rad nur noch halb so cool aus«, sagt Szygiel und nennt damit einen wichtigen Punkt beim Bikedesign. S’COOL Junior Bikes sollen – der Name lässt es vermuten – cool sein. »Ab der Grundschule findet das Fahrrad als Fortbewegungsmittel bei den Kindern nicht mehr statt«, erläutert Axel Böse. »Sie werden von den Eltern hingefahren oder nehmen den Scooter, solange sie noch keine Fahrradprüfung haben. Danach ist es dann meistens zu spät, um das Rad noch zu etwas zu machen, das die Kinder im Alltag ganz selbstverständlich benutzen.« Und damit sie ein Fahrrad benutzen, müssen sie es zuerst einmal mögen.
Coolmobility schult deswegen auf Wunsch Händler in der firmeneigenen Verkaufsphilosophie, die da lautet: Beobachte das Kind, rede mit ihm, geh in die Hocke und begib’ dich auf Augenhöhe. Der kleine potenzielle Radler steht im Mittelpunkt – nicht nur im Laden und bei der Entwicklung der S’COOL Junior Bikes. Coolmobility engagiert sich darüber hinaus in verschiedenen Initiativen, um Kinder und Jugendliche aufs Rad zu bringen. So ist S’COOL beispielsweise im Beirat der AKTIONfahrRAD, die unter anderem Schulen Fahrräder zur Verfügung stellt und bundesweit die Aus- und Fortbildung von Lehrern unterstützt, um Radfahren attraktiver und sicherer zu machen. Seit 2016 arbeitet coolmobility darüber hinaus als offizieller Partner mit der Deutschen Verkehrswacht zusammen. Dafür wurden eigene S’COOL-Trainingsräder entwickelt, die in vielen Verkehrsschulen und im bundesweiten Verkehrserziehungsunterricht der Schulen zum Einsatz kommen. Immer wieder ergeben sich neue Projekte, denn Axel Böse und Andreas Szygiel, der vorher E-Bike-Akkus vertrieben hat, sind in der Branche gut vernetzt. Dass sie mit ihrem Ansatz in dieser Fahrradnische erfolgreich sein würden, hatte Böse erwartet und die Weichen gleich zu Beginn auf schnelles Wachstum gestellt. Trotzdem macht sein Herz noch immer einen Freudenhüpfer, wenn er auf der Autobahn auf einem Radträger oder am Wochenende beim Spazierengehen ein S’COOL-Bike entdeckt. »Das ist die schönste Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind«, sagt er. Und wenn man ihm in die Augen schaut weiß man, dass das erst der Anfang ist.

21. August 2017 von Carola Felchner

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