
Eurobike - Messe-Resümee
Lachende und weinende Augen
Das Zerwürfnis zwischen Eurobike-Machern und den hiesigen Verbänden hat einen großen Krater auf Ausstellerseite hinterlassen. Machen wir uns nichts vor: Wenn man es schafft, dass die deutsche Fahrradwirtschaft fast geschlossen Frankfurt den Rücken kehrt, dann hat man etwas falsch gemacht, auch wenn das Agieren der Verbände selbst nicht immer verständlich war. Ob man hier wieder zusammenfinden kann, bleibt zweifelhaft. »Gewonnen« haben die abwesenden Aussteller dadurch trotzdem nicht.
Die diesjährige Eurobike war ein eindrückliches Beispiel dafür, was passiert, wenn man das Messefeld »den Anderen« überlässt. Die asiatischen Aussteller, allen voran Gobao und Avinox, konnten ihre Themen platzieren und bestimmten die Messegespräche. Das gelang ihnen so eindrucksvoll, dass sich für viele der Eindruck verfestigte, hier geschehe eine Marktübernahme. Eine Eurobike übt auch in Krisenzeiten eine beachtliche Wirkung aus.
Statt über die klangvollen Namen der Fahrradhersteller zu reden, spitzten sich die Gespräche auf »Bosch-oder-Avinox« und ein paar Technik-Trends zu.
Statt über die klangvollen Namen der Fahrradhersteller zu reden, spitzten sich die Gespräche auf »Bosch-oder-Avinox« und ein paar Technik-Trends zu. Die wenigen Marken, die doch in Frankfurt ausstellten, konnten dieses Bild nicht wirklich drehen. Von Komponenten- und Zubehörmarken abseits der Motorwelt war auch nur sporadisch etwas zu sehen. Tatsächlich ist den Antriebs-Newcomern, zusammen mit den Ausstellern der vermeintlichen zweiten Reihe, gelungen, woran frühere Generationen an Antrieben, Marken und Komponenten aus Asien allzu oft scheiterten. Weder haben sie ein relevantes Imageproblem mehr, noch wird allzu groß ihr Service-Potenzial bezweifelt, noch müssen sie sich mit ihren technischen Leistungen vor dem Wettbewerb verstecken und ihre preislichen Stärken haben sie ohnehin behalten.
Musterbeispiel während der Messetage war ein voll ausgestattetes E-Trekking-Fully und Avinox-Motor der Jetzt-nicht-mehr-so-wirklich-Avinox-Marke Amflow zum Verkaufspreis von 3500 Euro für nächstes Jahr. Solche Produkte könnten eine Kettenreaktion in Gang setzen: Zwei Preislagen unter vergleichbaren Konkurrenzangeboten bringen Argumentationsdruck im Handel, der gleichzeitig weniger Umsatz und weniger Marge hat. Die Hoffnung ist immerhin, dass sich der volle Preis ohne Rabatte durchsetzen lässt. Natürlich wirkt sich ein solcher Preisrutsch auch auf Herstellerseite aus. Andererseits ist aktuell ungewiss, welche Stückzahlen geliefert werden können.
In Summe wirkte die Eurobike 2026 für viele wie eine OEM-Messe in Frankfurt. Ein Bild, das der Eurobike nicht so schlecht steht, aber natürlich Fragen nach sich zieht: Reicht das, um die Zukunft zu sichern? Ist das der Anspruch, den eine Weltleitmesse haben kann? Täte sie besser daran, diesen lange völlig zu Recht gehaltenen Titel lieber abzugeben und ein Reset mit ganz, ganz scharfem Profil aufzugleisen? Das sind Fragen, die nicht wir Messebesuchenden uns stellen müssen, sondern die Verantwortlichen hinter den Kulissen. Dass dort alle denkbaren Stellschrauben gerade angefasst werden, belegt die Nachrichtenlage rund um die Messe im Nachgang. Schon kurz vor Messeschluss machte das Schreiben der Messegesellschaft die Runde, in der deutliche Preissenkungen für die potenziellen Aussteller 2027 bekannt gegeben wurden. Too little, too late, sagen die Kritiker. Wenn die Kostenfrage nicht mehr gestellt wird, dann kann die Messe endlich wieder über ihre Fahrrad-Zugkraft auftrumpfen, hoffen die Eurobike-Freunde.
Viele Fragezeichen zur weiteren Zukunft
Die Fragen zur Zukunft sind auch deswegen schwierig zu beantworten, weil die Resümees der Besuchenden 2026 sehr verschieden ausfallen: Persönlich war die Eurobike 2026 eine meiner liebsten Ausgaben. Damit bin ich bei Weitem nicht der Einzige. Auf der anderen Seite wurde schon auf der Messe unverhohlen der Abgesang auf die Eurobike angestimmt. Diese Gruppe ist vielleicht noch größer. Das Feedback der Ausstellenden vor Ort lässt erahnen, dass die Messe noch einige Klimmzüge vollbringen muss, um nächstes Jahr relevant zu bleiben.
Wie geht es also weiter mit der Eurobike? Vieles ist unklar, nein: Alles ist unklar. Im Zeitraum von Anfang September bis Mitte Oktober 2027 sollen nächstes Jahr weltweit ein halbes Dutzend Fahrradmessen mit mehr oder weniger internationaler Ausrichtung stattfinden. Man darf bezweifeln, dass der Messekalender bis dahin so Bestand haben wird. Irgendwem wird irgendwann dämmern müssen, dass das Fell des Fahrradbären nicht unendlich groß ist. Die Messewelt sortiert sich gerade neu. Findet sie zurück zu ihrem alten Rhythmus? Sind es die neuen Player, die die Aussteller von sich überzeugen können? Wir werden es schon recht bald sehen.
Dieser Kommentar erschien zuerst in velobiz.de Magazin 8/26.
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