
Kolumne - Gegenwind
Mehr als eine Kaffeefahrt
... Fahrradsprache. Gleichzeitig steht Fahrradtourismus für Natur, Genuss und Entschleunigung. Und wir planen erstaunlich häufig für Menschen, die längst überzeugt sind.
Unsere Studien zeigen ziemlich genau, wer heute Radreisen macht, Gravel fährt oder mit dem Mountainbike unterwegs ist. Und dieses Bild ist auffällig sportlich. Im MTB-Monitor fährt mehr als die Hälfte der Befragten mindestens einmal pro Woche. Rund ein Viertel beschreibt Biken als zentralen Bestandteil des eigenen Lebens. Fast zwei Drittel halten sich fahrtechnisch für sehr gut oder sogar für Expertinnen und Experten.
Das ist nicht falsch. Im Gegenteil. Es sind wertvolle Erkenntnisse über wichtige Zielgruppen. Nur sollten wir aufpassen, daraus nicht versehentlich die normalen Fahrradtouristen zu basteln.
Denn außerhalb dieser sehr fahrradaffinen Welt gibt es jede Menge Menschen, die ebenfalls gerne Rad fahren oder es vielleicht gerne würden. Nur keine 80 Kilometer. Sie besitzen kein Spezialrad, beherrschen keine GPX-Datei im Schlaf und möchten bei einer Panne irgendwo zwischen Waldweg und Funkloch nicht ihre persönliche Heldenreise beginnen. Dazu kommen Familien, unsichere Fahrerinnen und Fahrer oder
Menschen, in deren Welt ein Freizeitgerät für mehrere Tausend Euro Kaufpreis schlicht keine Option ist.
Gerade dort wird es für Tourismus und Branche interessant. Denn Verleih, Bahnanbindung, Abkürzungen, einfache Strecken, verständliche Informationen und Hilfsangebote sind für diese Menschen kein netter Zusatz. Sie können darüber entscheiden, ob jemand überhaupt losfährt.
Vielleicht sollten wir deshalb weniger überrascht sein, wenn immer wieder dieselben Menschen unsere Angebote nutzen. Zwischen den klar beschriebenen Zielgruppen können Menschen stehen, die grundsätzlich Interesse am Radfahren haben, sich aber in dieser Welt nicht wiederfinden. Wer konsequent für die plant, die bereits dazugehören, bekommt ziemlich zuverlässig genau diese zurück.
Und ja, 25 Kilometer bis zum nächsten Café können eine verdammt gute Radtour sein.
Karla Sommer verfügt über langjährige Branchenerfahrung. Sie betreibt mit Velokin ihre eigene Handelsagentur. Malin Baruschke leitet beim Planungsbüro BTE Tourismus- und Regionalberatung das Geschäftsfeld Aktivtourismus. Ihr Schwerpunkt liegt im Radtourismus, privat ist sie am liebsten mit dem Gravelbike unterwegs.
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