
Händlerporträt - Mount 7
Mit Riesenschritten auf den Gipfel
Mount 7 ist in der Branche noch nicht so bekannt wie andere überregional aktive Händler. Das scheint einerseits überraschend, angesichts von knapp 28 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr. Andererseits wurde das Unternehmen erst 2018 gegründet. Das Unternehmen ist also noch jung genug, um bislang unter dem Radar der ganz großen Branchenaufmerksamkeit zu laufen. Dabei gibt es viele Gründe, sich diesen Betrieb näher anzusehen: Wo ganz viele Händler gerade hart kämpfen müssen, haben es die (relativen) Newcomer geschafft, eine sagenhafte Entwicklung hinzulegen. Die Geschichte ist auf jeder Ebene bemerkenswert.
Das Ladengeschäft eröffnete in Freiburg am 30. März 2019. Die treibenden Kräfte hinter der Gründung waren Andreas Isele (36), Hans-Joachim Bauer (37) und zwei weitere Gesellschafter, die nicht im Tagesgeschäft involviert sind, aber gerne als Sparringspartner dienen. Oliver Vonhausen (38) stieß als erster Mitarbeiter dazu und wuchs schnell in die Rolle des dritten Geschäftsführers hinein.
Alle drei sind sich schon früher über den Weg gelaufen: Einerseits bei den verschiedenen MTB-Rennen, wo sie ihre Kräfte maßen, und andererseits bei ihren vorherigen Stationen: Isele und Vonhausen arbeiteten bis 2018 gemeinsam in einem anderen Fahrradgeschäft, das sie in dem Jahr verließen. Beide haben studiert, Isele BWL und Vonhausen Philosophie und Politikwissenschaften. Bauer hat wie Isele eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann abgeschlossen und ebenfalls studiert, aber stets waren ihm unternehmerische Ideen und Projekte wichtiger. Natürlich hat auch er vorher schon in einem Radladen gearbeitet.

Das Geschäftsführer-Team bei Mount 7: Oben Hans-Joachim Bauer, unten Oliver Vonhausen (links) und Andreas Isele.

Von Fahrradaffinität zu sprechen wäre bei allen zu schwach formuliert. »Verrücktheit triffts«, sagt Isele. Er selbst ist das beste Beispiel dafür. Vergangene Saison wollte er es sportlich noch mal wissen: Mit seinen zarten 35 Jahren verbrachte er auf dem Rennrad richtig viel Zeit. Wöchentliche 20 bis 25 Stunden Training führten zu 430.000 erklommenen Höhenmetern und unter anderem einem 4. Platz beim Ötztalmarathon. Dieses Jahr will er es sportlich wieder etwas ruhiger angehen, aber nicht geschäftlich. Denn Mount 7 ist auch eine Art Hochleistungssport. Am besten zeigt sich das an der Entwicklung des Unternehmens von Anfang an.
Rasante Entwicklung binnen weniger Jahre
Das Startkapital zu Beginn betrug 500.000 Euro, womit das Unternehmen organisch aufgebaut wurde. Seitdem gab es auch keine weiteren Finanzspritzen, etwa um das Wachstum zu beschleunigen. Das Geld floss in die Erstausstattung des Ladengeschäfts und natürlich die ersten Räder. Übernommen hatte man die Fläche eines Reinigungs- und Landschaftspflegebetriebs, die ziemlich großzügig dimensionert war: 1600 Quadratmeter hatte man vom Fleck weg zur Verfügung. 500 davon dienen bis heute als Verkaufsfläche, der Rest als Lager- und Bürofläche.

Im Kern setzt Mount 7 auf ein sportliches Vollsortiment. Die großzügigen Sitzgelegenheiten auf der Fläche sind so gestaltet, dass sie von oben betrachtet das Firmenlogo darstellen.
»Eigentlich wollten wir nicht so groß starten«, erklärt Andreas Isele, »aber die Fläche war nun mal da, sie war ideal und man konnte was draus machen.« Etwa 500 Quadratmeter waren der Wunsch, aber letztlich konnte man die Gelegenheit auch nicht ausschlagen. So richtete man sich ein, so gut man es eben konnte. »Wir haben dann einfach klein angefangen und erst mal nur den Laden ausgestattet. Im Büro oben, da war nur Baustelle, da war nichts. Es lag Karton auf dem Boden, wenn sich jemand schlafen legen wollte. Und wir haben auch das große Lager drüben gar nicht genutzt.«
Stattdessen gab es neben dem Verkaufsraum noch zwei Montageplätze. Die Chefs saßen zunächst unterm Dach, ohne Fenster und Tageslicht, vor ihren Laptops und arbeiteten von dort. Heute lagern dort die Helme.
Die große Fläche war zunächst zu viel. Sie fraß ein Loch ins vorhandene Budget, weswegen die Gründer versuchten, eine Lösung zu finden. »Wir haben die ganze Zeit versucht, das große Lager hinten unterzuvermieten, und haben es nicht hinbekommen«, erinnert sich Co-Geschäftsführer Oliver Vonhausen. »Gott sei Dank haben wir es nicht hinbekommen«, ergänzt Isele, »denn zwei Jahre später haben wir es dringend gebraucht.«
»Es ist Teil unseres Konzepts, dass wir uns auf vergleichsweise wenige Marken fokussieren.«
Andreas Isele, Mount 7
Im ersten Jahr erzielte man einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro. Ein sehr solider Start für die damalige Fünf-Mann-Truppe. Wie 2020 in der Fahrradbranche gelaufen ist, weiß noch jeder und jede: Nach dem Lockdown-Schock blühte das Fahrradgeschäft erst einmal richtig auf. Am Ende des Jahres standen dann 5 Millionen Euro Umsatz in den Büchern, im Jahr darauf 7,5 Millionen, 2022 waren es dann schon 10 Millionen Euro.
Die nackten Zahlen geben nicht wieder, was man in dieser Zeit alles erlebt hat. Anfangs war es schwer, die Hersteller von sich zu überzeugen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Die Gründer wurden oft vertröstet, man wollte sie erst einmal im Markt bestehen sehen. Dazu kam das Marktumfeld: Ein weiterer Radladen in einer Stadt, in der es schon über 50 andere Händler gibt – braucht es das? »Das war eine Frage, die uns damals oft gestellt wurde: Was ist euer USP?«, erinnert sich Vonhausen.
Heute arbeitet Mount 7 bewusst mit einem fokussierten Portfolio von etwa acht bis zehn Kernmarken zusammen. Giant und Liv waren von Anfang eine sehr wichtige Marke im Sortiment, Trek, Mondraker, Cannondale sind ebenfalls wichtige Stützen. Cervélo, Orbea und Santa Cruz haben als Marken ebenfalls eine hohe Reputation und runden die insgesamt sehr sportliche Ausrichtung des Geschäfts ab. Abgesehen von Lastenrädern deckt man dennoch ein weites Feld ab und ist weitestgehend ein Vollsortimenter, was die Segmente angeht. Isele ergänzt: »Es ist Teil unseres Konzepts, dass wir uns auf vergleichsweise wenige Marken fokussieren. Mit diesen pflegen wir eine enge, langfristige Partnerschaft und generieren ein höheres Volumen, anstatt viele Marken mit geringer Perspektive im Sortiment zu führen.«
Diese Partnerschaften wurden besonders bedeutsam, als 2023 die Überbestände über den Markt rollten. Ab Ende 2023 stand das Unternehmen vor einer massiven strategischen Herausforderung, als die allgemeine Marktkrise in der Fahrradbranche einsetzte und die Gewinnmargen stark unter Druck gerieten. In dieser kritischen Phase stand die Geschäftsführung vor einer existenziellen und richtungsweisenden Entscheidung: »Entweder wir müssen jetzt wirklich schrumpfen und eher Stellen abbauen, oder wir lassen uns auf ein noch schnelleres Wachstum ein, als wir eigentlich vorhatten«, war die Kurzbeschreibung der Ausgangslage, der sich Isele und seine Kollegen gegenübersahen.

Dass bei Mount 7 viel geschraubt wird, zeigt sich an der Vielzahl der vorhandenen Werkstattplätze.

Um Entlassungen oder gar eine signifikante Verkleinerung des Betriebs zu vermeiden, entschied man sich bewusst für die rasante Skalierung. Der Ausweg war das, was die Probleme erst verursachte: die Warenüberbestände, insbesondere die der Hersteller. Das Konzept sah vor, große Überbestände der Hersteller, teilweise Pakete von bis zu 1500 Fahrrädern, auf einen Schlag aufzukaufen, um den fehlenden Rohertrag durch ein deutlich höheres Verkaufsvolumen zu kompensieren. Dafür wurde der Online-Anteil strategisch erhöht. Dieser Strategiewechsel erwies sich als äußerst effektives Mittel zur Krisenbewältigung, von dem alle Seiten profitierten: »Wir haben einen sehr guten Rohertrag und können stark rabattieren. Das ist für die Hersteller in Ordnung, das ist für uns in Ordnung und die Endkunden freuen sich sehr«, resümiert Vonhausen.
Statt Krise ging so das Wachstum schnell weiter. 13 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2023, gefolgt von 21 Millionen im Jahr 2024 und schließlich 28 Millionen Euro in der abgelaufenen Saison 2025 sind das Gegenteil von dem, was man eine Krise nennen würde. Die Fahrradbranche hat ihnen Zitronen geliefert, Mount 7 hat Limonade daraus gemacht. Für die kommende Saison 2026 hat man sich ein Umsatzziel von 36 Millionen Euro gesteckt.
Zukunftsfähiges Konzept mit starkem Personal
Ist es wirklich so einfach? Mit Postenware richtig groß werden? Nein. Es würde komplett unterschlagen, was Mount 7 wirklich als Ziel verfolgt und was Mount 7 ausmacht. Wie Vonhausen betont, war es bereits vor dem Start der Firma der klare Anspruch der Gründer, »das zukunftsfähigste Konzept für den Fahrradeinzelhandel in Deutschland aufzubauen«. Darauf muss man natürlich genauer eingehen.
Vonhausen bringt es so auf den Punkt: »Ein zukunftsfähiges Konzept ist eines, das die Kundinnen und Kunden ernst nimmt und die Menschen, die hier arbeiten, ernst nimmt«. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es laut Vonhausen einer modernen Arbeitskultur, die gerade auch jüngeren Generationen echte Beteiligungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie eine »Kultur auf Augenhöhe« bietet.
»Wir vermessen wirklich jeden Kunden und machen ergonomische Anpassungen. Das funktioniert sehr gut.«
Hans-Joachim Bauer, Mount 7
Den wechselseitigen Ansprüchen an das Personal und des Personals an die Geschäftsführung konnte man trotz Fachkräftemangels bemerkenswert gut gerecht werden. Passende Mitarbeitende zu finden sei immer möglich gewesen: »Auf diese Frage konnten wir stets guten Gewissens antworten: Wir haben keine Probleme, Personal zu finden«, erklärt Vonhausen. Auch hier kommen seiner Überzeugung nach die eigenen Stärken zum Tragen und die Region. »Das liegt zum einen am attraktiven Standort Freiburg als bekannter Fahrradstadt. Zum großen Teil liegt es aber auch an unserer Unternehmenskultur. Wenn Fachkräfte in die Region ziehen, sind wir in der Regel die erste Adresse, bei der sie anfragen und sich bewerben.« Bei der Auswahl der potenziellen Kolleginnen und Kollegen gehe man umsichtig vor: »Wir legen großen Wert auf einen deutlich ausführlicheren Recruiting-Prozess als ein Großteil der Branche. Die Sorgfalt, die man anfangs in die Personalauswahl investiert, zahlt sich langfristig aus. Wer hier zu hastig oder unpräzise vorgeht, riskiert spätere Konflikte und personelle Probleme, deren Lösung das Unternehmen enorm viel Zeit und Energie kostet.« Aus den 5 Mitarbeitenden der ersten Stunde ist inzwischen ein Team von knapp 100 Köpfen entstanden. Das ist eine Zahl, die die rasante Dynamik der vergangenen Jahre eindrucksvoll belegt.
Die Basics in Perfektion umsetzen
Letztlich gehe es bei dieser Vision vom Fahrradhandel darum, die fundamentalen Grundlagen des Handels dauerhaft auf einem exzellenten Niveau auszuführen. Das ist leicht gesagt, aber schwer gemacht, wie auch Vonhausen deutlich macht: »Dafür Strukturen zu haben, die das ermöglichen und nicht erschweren, das ist verdammt schwierig.« Allzu leicht würden sich Mechanismen, Strukturen und Systeme etablieren, die eine Umsetzung praktisch unmöglich machen. Es sei weniger das Ziel, das einem im Weg stehe, als Prozesse, die sich verselbstständigen. Man müsse es schaffen, die Stärken im Online-Geschäft mit großer Auswahl, Geschwindigkeit und effektiven digitalen Prozessen mit den großen Stärken des stationären Handels zusammenzubringen. »Die große Stärke des Einzelhandels liegt in der persönlichen Beratung: Der Kunde hat einen festen Ansprechpartner, kann das Produkt anfassen, Probe fahren und erhält eine Ergonomieanpassung. Wenn man diese Grundlagen nicht exzellent beherrscht, gibt es keinen Grund mehr, den stationären Handel aufzusuchen«, ist Vonhausen überzeugt. Man wolle die beiden Welten zusammenbringen, was keine leichte Aufgabe sei. Er legt Wert auf die Feststellung, dass der Weg zur aktuellen Größe alles andere als leicht ist, man möge sich da nichts vormachen: »Das Wachstum stellt eine enorme Belastung dar, auch für die Menschen hier.«
Wie man die Kundschaft ernst nimmt, zeigt sich besonders im Ladengeschäft. Praktisch jeder Kunde und jede Kundin wird vermessen, wie Hans-Joachim Bauer erklärt:
»Wir vermessen wirklich jeden Kunden und machen ergonomische Anpassungen. Das funktioniert sehr gut. Ich wundere mich manchmal, wieso das nicht mehr Leute machen, weil es eigentlich ein einfaches Thema ist. Und am Ende des Tages würde ich vorsichtig behaupten, dass wir damit auch schneller sind im Verkauf.« Darum wird auch nicht lange gefackelt: »Wir führen die Vermessung bereits zu Beginn im Rahmen der Bedarfsanalyse durch. Die Ermittlung der individuellen Kundenbedürfnisse schließt dabei unmittelbar die Bestimmung der passenden Rahmengröße ein. Somit ist die physische Vermessung ein fester Bestandteil unserer anfänglichen Beratung«, erklärt Bauer.
Ist das Online-Geschäft ein Teil der Lösung? Auch hierzu haben die Geschäftsführer eine überraschende Meinung: Zwar hat sich durch die letzten beiden Jahren der Online-Anteil stark vergrößert, aktuell liegt das Verhältnis online/stationär bei 70/30.

Der Ort, wo die Magie passiert: Jeder Kunde und jede Kundin wird bei Mount 7 vermessen.
Doch das soll nicht so bleiben. Obwohl der Online-Handel Mount 7 erfolgreich durch die Branchenkrise navigiert hat, will man diesen Anteil wieder signifikant zurückfahren. Der E-Commerce war für die Gründer nie das eigentliche Endziel, sondern diente vielmehr als strategisches Instrument, um das Geschäft organisch aufzubauen und hohe Überbestände in einer schwierigen Marktphase abzusetzen. »Wir mussten schneller wachsen, um die Krise auszusteuern, und wir mussten das online tun«, erklärt Vonhausen. Doch das Haupt-augenmerk liegt im Stationären.
»Unsere aktuelle Tendenz geht wieder dahin, den Online-Anteil stark zu reduzieren, da wir unsere eigentliche Zukunft im stationären Handel sehen. Wir nutzen den Online-Verkauf primär als Sprungbrett, um unsere Filialisierung aus dem eigenen Cashflow und der eigenen Leistung heraus zu finanzieren«, sagt Isele, ohne mit der Wimper zu zucken. Filialisierung? Nochmal alles auf Links drehen?
Die stationäre Strategie für die Zukunft
Die langfristige Vision von Mount 7 ist vollkommen auf den physischen Ausbau fokussiert. Da das Unternehmen, auch bedingt durch das rasante, online-getriebene Krisenwachstum, mittlerweile über ein funktionierendes Zentrallager verfügt (das jüngst bezogene Montage- und Logistikzentrum mit Büroräumen verfügt über weitere 2000 Quadratmeter Fläche), steht als nächster Schritt die gezielte Filialisierung an. Ziel ist es, in den kommenden Jahren organisch zu wachsen und ein Netzwerk an Ladengeschäften aufzubauen. Dabei möchte Mount 7 seine Stärken, also die intensive persönliche Beratung, die standardmäßigen Ergonomieanpassungen und den direkten Kundenservice in die Fläche tragen und sich als starker Offline-Player am Markt behaupten. Noch gebe es an dieser Front nichts Konkretes zu berichten. Eine erste Filiale ist noch nicht in Sicht. Dieses Ziel will man behutsam und umsichtig angehen.
Die nächsten Nachrichten von Mount 7 werden jedenfalls absehbar nicht mehr unter dem Radar bleiben. Hier arbeitet ein noch junges Unternehmen mit bemerkenswerter Agilität und spannenden Ansätzen an der Entwicklung des zukünftigen Fahrradhandels. Zusammen mit den bisherigen Erfolgen ist das Unternehmen aus dem Schatten ins Rampenlicht einer aufmerksamen Fahrradbranche gerückt. //
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