
VSF-Jahrestagung 2025
Optimismus trotz Marktdruck
Mehr als 400 Teilnehmende aus rund 180 Unternehmen aus Handel, Industrie und Dienstleistung kamen nach Leipzig, um sich auszutauschen, zu lernen und, soweit es den VSF direkt angeht, die Weichen für die nächste Zeit zu stellen.
Im Mittelpunkt des Tagungsprogramms stand am Sonntagabend das Panel „Der Fachhandel unter Druck! Gefühl oder Wahrheit?“. BBE-Unternehmensberater Dominik Nuss, Alteos-CEO Sebastian Sieglerschmidt, Velokin-Gründerin Karla Sommer, Tridata-Geschäftsführer Marc Schneider, DiBike-Geschäftsführer Nick Becker und Hepha-Geschäftsführer Alex Thusbass diskutierten zentrale Druckpunkte für den Fachhandel sowie Gegenstrategien für ein erfolgreiches Jahr 2026.
Gestaltungsräume nutzen
Der gemeinsame Nenner der Diskussion: Den zahlreichen Herausforderungen, von Lager- und Preisdruck über Kreditfinanzierung bis hin zur Konsumzurückhaltung, stehen weiterhin Gestaltungsoptionen gegenüber. Wer Geschäftsmodelle nachschärft, Prozesse optimiert und Kundenbeziehungen aktiv gestaltet, könne dem Jahr 2026 positiv entgegensehen. „Der Blick auf die kommende Saison ist sicherlich nicht sorgenfrei. Für Pessimismus besteht aber kein Grund. Jetzt gilt es, sich klar zu positionieren und die Baustellen im Betrieb anzugehen“, fasst VSF-Geschäftsführer Uwe Wöll zusammen.
Überführungskosten und Belieferungsverträge im Fokus
Unter den insgesamt mehr als 50 praxisnahen Themen der Tagung, die in Seminaren, Workshops, Panels und Vorträgen behandelt wurden, nahmen zwei Formate eine besondere Rolle ein. Der VSF verstand sie ausdrücklich als Diskussionsangebote an die teilnehmenden Unternehmen:
– die vom Verband angeregte Einführung von Überführungskosten sowie
– der gemeinsam mit dem ZIV veröffentlichte Leitfaden zur Ausgestaltung von Belieferungsverträgen zwischen Lieferanten und Händlern.
„Wir konnten nicht nur Inhalte anbieten, sondern auch wertvolle Rückmeldungen mitnehmen“, so Wöll. Insbesondere bei den Überführungskosten zeichne sich eine klare Linie ab: Eine pauschale Erhebung wird kritisch gesehen, empfohlen wird inzwischen vielmehr eine differenzierte Ausgestaltung je nach Konstellation mit Herstellerinnen und Herstellern sowie Leasinggebern (velobiz.de berichtete) .
Beim Leitfaden zu Belieferungsverträgen stand die Sicherstellung einer fairen Risikoteilung zwischen Handel und Industrie im Mittelpunkt. „Dass wir mit diesen Themen eine Diskussion anstoßen konnten, ist für uns ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung der Branche“, sagt Wöll.
Rekordtagung mit breitem Programm und intensivem Handelsdialog
Parallel zur Mitgliederversammlung des VSF e.V. startete ein umfangreiches Programm, das sich gezielt auch an nicht abstimmungsberechtigte Mitarbeitende von Mitgliedsbetrieben richtete. „Uns war es wichtig, dass auch Mitarbeitende zur Tagung kommen. Sie sollen Branche erleben, ihre eigenen Netzwerke finden und den VSF direkt kennenlernen. Denn nicht selten sind sie die Nachfolgerinnen und Nachfolger in den Betrieben“, sagt Stephan Fuchs vom VSF. Nahezu alle inhaltlichen Angebote seien außergewöhnlich stark nachgefragt gewesen.
„Offenbar haben wir mit der Auswahl möglichst praxisrelevanter Themen und unserem Fokus auf Umsetzbarkeit einen Nerv getroffen“, so Fuchs, der gemeinsam mit Michael Welle von BIKE&CO die 2024 neu gegründete Fahrrad Akademie verantwortet. Ein Großteil der während der Jahrestagung diskutierten Inhalte finde sich auch im Schulungsangebot der Akademie wieder und könne dort vertieft werden.
40 Jahre VSF: Jubiläum „on tour“ mit vielen Gratulationen
Zum Auftakt der Tagung blickte der Verband am Samstagabend auf „40 Jahre VSF on tour“ zurück. Rund 80 langjährige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter aus und um den Verband waren als „velo important persons“ eingeladen.
Gratulierende aus Handel, Industrie und Verbänden würdigten in ihren Grußworten die Bedeutung des VSF für die Entwicklung der Fahrradbranche. Unter anderem Abus, Schwalbe und Ortlieb verwiesen auf die Rolle der VSF-Händler und -Händlerinnen bei der Entwicklung und Etablierung hochwertiger und langlebiger Produkte am Markt. „Wenn ich alle Grußbotschaften zusammenfasse, höre ich: Die Fahrradbranche wäre ohne den VSF, ohne den Einsatz und das Herzblut der VSFler eine ganz andere, schlechtere. Das ist beeindruckend und lässt mich sehr dankbar auf 40 Jahre VSF schauen“, sagte Thorsten Larschow (Rad & Tour, Cuxhaven), der erneut in den Vorstand gewählt wurde.
Neuer Vorstand gewählt
Dieser Aspekt der Jahrestagung sei nicht unterschlagen: Neben Larschow bestätigte die Mitgliederversammlung Sandra Appel (Pedalwerk, Baunatal), Iven Brosch (BIKE Market, Rostock) und Torsten Hieke (Radhaus Büren) einstimmig in ihren Vorstandsämtern. Neu in das Gremium gewählt wurden Raimund Gerwing (Drahtesel Münster) und Susann Reuter (Rad3, Leipzig). Damit wird der Verband künftig von sechs Personen geführt.
Für Wöll ist nicht allein der Teilnahmerekord ein starkes Signal: „Wir konnten in diesem Jahr erneut mehr Händlerinnen und Händler, Referentinnen und Referenten sowie Aussteller bei uns begrüßen und miteinander ins Gespräch bringen. Dieser direkte, persönliche Austausch ist für uns enorm wichtig und Teil unserer DNA.“ Der VSF verstehe sich dabei bewusst „als Branchencommunity und weniger als klassischer Verband“.
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