
Ortsbesuch bei Gazelle
Qualität mit Geschichte
Die Produktion vor Ort beginnt bei Gazelle in Dieren damit, dass die angelieferten Rahmen die gewünschte Farbe erhalten. Nachdem insgesamt vier Schichten aus Pulverbeschichtung und Lack aufgetragen wurden, unterbrochen von dem präzisen Anbringen der Decals, wird jeder Rahmen eingehend auf Fehler geprüft. Dies ist nicht der einzige Produktionsschritt, bei dem die Dierener die Qualität ihrer Fabrikate prüfen.
Neben der großen Lackier- und Pulverbeschichtungsanlage gibt es jeden Arbeitsschritt in einem gesonderten Bereich in kleiner Ausführung. Hier wird nicht in großer Serie produziert, sondern entsteht der nötige Raum, um kleine Serien oder Muster zu bearbeiten.

Seit 1902 produziert Gazelle am heutigen Standort im niederländischen Dieren
An mehreren Montageinseln erhalten die lackierten Rahmen die ersten Anbauteile. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlegen Schalt- und Bremszüge oder montieren die Halterungen von E-Bike-Akkus. Jedes Teammitglied um die Insel herum erledigt einen klaren Arbeitsschritt und schiebt das halbfertige Rad eine Station weiter. Dabei können alle Inseln das ganze Produktportfolio bestücken. So bleibt die Produktion flexibel.
An weiteren Stationen vor der Endmontage montieren die Mitarbeitenden Gepäckträger mit Akku-Halterung, die der Hersteller bei wenigen Modellen noch benutzt, sowie Laufräder. Passend zu den Nutzungsszenarien, die die Niederländer anvisieren, beginnt dieser Schritt oft damit, Nabenschaltungen mit Speichen zu versehen. Auch dieser Schritt endet damit, das Ergebnis eingänglich auf Qualitätsmängel zu prüfen. Wo etwas gefunden wird, bessern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Qualitätssicherung selbst nach oder senden das Laufrad an den entsprechenden Arbeitsschritt zurück.
Zwei Drittel E-Bikes
Elegant und voller Leichtigkeit, wie eine herumspringende Gazelle eben, sollen die Räder und E-Bikes – letztere machen über zwei Drittel der Absätze aus – am Ende sein. Außerdem, so Zielsetzung und Markenversprechen, sollen sie sich komfortabel fahren, raffiniert designt und verantwortungsvoll produziert werden, smart sowie innovativ und langlebig sein. In diesen Kategorien will Gazelle bei der Kundschaft punkten, auch in Relation zum investierten Geld. „Wir glauben, dass Radfahren sowohl dich als auch die Welt besser, gesünder und glücklicher macht“, gibt eine Marketing-Verantwortliche den Markenkern wieder.

Ein Großteil der Räder, die in Dieren vom Band laufen, haben einen Hilfsmotor.
In Dieren hat die Geschichte des Herstellers 1892 begonnen, als die Freunde Willem Kölling und Rudolf Arentsen einen Fahrradladen eröffneten. Ein Jahrzehnt später entschieden sie, eigene Fahrräder zu bauen und eröffneten 1902 den noch heute besetzten Standort. Der Fahrradmarkt war damals ein anderer. Die ersten Räder wurden mit Gratis-Leerstunden verkauft. Später verließ Arentsen die Firma, wodurch sie zum Familiengeschäft wurde, bevor sie später von Raleigh und dann vom Pon-Konzern übernommen wurde. Die Geschichte der Marke wird vor Ort auf eindrucksvolle Weise erlebbar. Die historische Architektur knüpft an die angebauten modernen Produktionshallen an und hat viele schöne Details zu bieten. Mosaiks und besondere Motivkacheln sowie historische und moderne Ausstellungsstücke zieren den Alt- wie den Neubau. Auf dem hinteren Bereich des Geländes liegt zudem das Experience Center. Unten gibt es das ganze Modell-Line-up zu sehen sowie über 150 Räder und E-Bikes, die sich indoor wie outdoor ausgiebig testen lassen. Im Obergeschoss erwartet die Besucherinnen und Besucher eine Ausstellung zur Geschichte von Gazelle, sowie Zugang zu einem Rundgang, auf dem sich aus der Höhe die Produktion betrachten lässt. Das Experience Center soll zum Testen anregen und Lust auf die Marke machen. Verkauft wird vor Ort jedoch nichts. Das bleibt bei Gazelle dem Fachhandel überlassen. Auch in Deutschland, dem zweitwichtigsten Markt für die Niederländer, betreibt der Hersteller seine Experience Center nach diesem Kredo.
1000 Räder am Tag
Über 400 Menschen arbeiten am Standort Dieren bei Gazelle und stellen pro Tag rund 1000 Räder und E-Bikes fertig. In der Endmontage finden die vormontierten Rahmen und die übrigen Komponenten der einzelnen Serien auf mehreren Montagelinien zusammen. Nach einer letzten Prüfung werden sie verpackt, verladen und an das Lager des Herstellers an der Grenze nach Deutschland versandt. Von dort treten sie dann ihre Reise an in zahlreiche europäische Länder sowie die USA.

Das Experience Center in Dieren lädt zum Testen ein. Im Obergeschoss findet sich zudem eine Ausstellung zu Gazelles Geschichte
Bald werden es 18 Millionen Fahrräder sein, die der Hersteller produziert hat. Für die Zukunft sollen die Modelle von Gazelle noch smarter werden. Aber das Team sagt, dass Technologie dem Verbraucher auch im Weg stehen könne. Das soll auf jeden Fall vermieden werden. Für Entwicklungen und neue technologische Partnerschaften gilt daher, dass gut erprobt sein müssen, bevor sie im großen Stil Verwendung finden.
Zumindest in der Vergangenheit scheint diese Methode gut aufgegangen zu sein. In einer Grafik an der Wand der Kantine präsentiert das Team der Marke stolz eine Zahl: 67 Prozent der Menschen, die Gazelle fahren, entscheiden sich bei einem Neukauf wieder für ein Gazelle E-Bike.
Verknüpfte Firmen abonnieren
für unsere Abonnenten sichtbar.