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Fachmessen sind heute weit mehr als nur ein Ort, wo ­Lieferanten und Händler ihr Order­geschäft erledigen.
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Messe - Eurobike

Quo vadis?

Einige Aussteller nehmen Abschied, andere kehren zurück: Die Eurobike bleibt als Leitmesse der Branche auch mit neuem, alten Konzept in Bewegung.

Der diesjährigen Eurobike ging ein gewaltiges Tauziehen voraus. Nachdem die Messe Friedrichhafen als Veranstalter im vergangenen Jahr einen mutigen Schritt nach vorne mit neuem Termin und neuem Konzept wagte, leisteten die bei der Messethematik konservativen Kräfte im Markt erbitterten Widerstand. In Folge sahen sich die Eurobike-Macher gezwungen, zu ihrem seit der Messe-Premiere 1991 weitgehend unveränderten Messekonzept zurückzukehren und damit zum Termin Anfang September mit einem Publikumstag. Ob damit die Trendwende für die internationale Leitmesse der Fahrradbranche gelingt, werden die kommenden Tage zeigen, wenn die Eurobike am Bodensee vom 4. bis 7, September zum 28. Mal ihre Tore öffnet.
Beim Blick auf die Ausstellerschaft der Eurobike im Vergleich von diesem und letztem Jahr drängt sich der Gedanke an einen bunt gefüllten Kessel auf, der angefeuert von den gegenwärtigen Veränderungen und Verschiebungen im Markt kräftig brodelt. Als die Messe Friedrichshafen ihre Eurobike im vergangenen Jahr auf einen Termin Anfang Juli legte, blieben der Messe manche langjährige Aussteller fern mit dem Hinweis, dass dieser Termin viel zu früh sei. Der eine oder andere prominente Name in der Branche soll sogar dem Vernehmen nach damit gedroht haben, künftig eine Konkurrenzveranstaltung zur Eurobike zu initiieren, wenn die Messe Friedrichshafen als Inhaber und Veranstalter der Fachmesse nicht zu ihrem 3+1-Konzept Anfang September zurückkehre. Soll heißen: Statt einer reinen, dreitägigen B2B-Messe, die zudem von Sonntag bis Dienstag läuft, soll die Eurobike wieder von Mittwoch bis Samstag mit einem Publikumstag und deutlich später im Jahr stattfinden.
Einige der Unternehmen, die im vergangenen Jahr mit Verweis auf den zu frühen Termin ihre Messeteilnahme absagten, werden jedoch auch in diesem Jahr nicht als Aussteller zurückkehren. Zudem fehlen nun einige weitere bekannte Namen im Messekatalog mit der Begründung, dass der späte Messetermin für diese Unternehmen mehr oder minder sinnlos sei. Die prominentesten Beispiele sind sicherlich Scott (incl. Bergamont) und die Accell-Gruppe, die heuer erstmals nicht mehr auf dem Messeparkett als Aussteller dabei sind. Aber auch viele andere bekannte Namen werden regelmäßige Eurobike-Besucher diesmal vermissen, darunter einen Großteil der textilen Marken, wie Endura, Gonso, Vaude und einige mehr.

Newcomer und Abgänger

Wer nun vermutet, dass die Eurobike in diesem Jahr ein Problem habe, die Hallen auf dem Friedrichshafener Messegelände zu füllen, liegt falsch. Mit voraussichtlich über 1400 Ausstellern ist die Eurobike wieder zumindest bei dieser Messgröße so voll wie eh und je. Verantwortlich dafür ist, dass zwar einige prominente Namen auf der Eurobike fehlen werden, dafür aber andere wichtige Marktteilnehmer zurückkehren. Allen voran die ZEG, die mit ihrem inzwischen beachtlichen Repertoire an Fahrradherstellern (u.a. Hercules, Kettler und Flyer) im Messegepäck nach Friedrichshafen kommt. Zudem wird auch die ­Cycleurope-Gruppe, immer noch eines der Top-10-Unternehmen im europäischen Fahrradmarkt, mit ihrer italienischen Tochter Bianchi als Aussteller zur Eurobike zurückkehren. Weitere bekannte Rückkehrer sind unter anderem ADP (Rotwild), Storck Bicycle, Patria oder die Kinderradhersteller Bachtenkirch-Interbike und Coolmobility.
Insgesamt beziffert die Messe Friedrichshafen die Zahl der Unternehmen, die in diesem Jahr erstmals oder nach letztjähriger Abwesenheit wieder auf der Eurobike ausstellen, auf 150 Aussteller. Darunter sind viele Namen, die man bisher nicht nur unter den Eurobike-Ausstellern, sondern auch im Umfeld der Fahrradbranche nicht auf dem Schirm hatte. Eurobike-Premieren feiern zum Beispiel der Entsorgungskonzern Remondis, die Prüfgesellschaft Dekra und der Maschinenbauer Wintersteiger.

Was macht der Handel?

Die unverändert hohe Ausstellerzahl macht den Eurobike-Befürwortern trotz einiger prominenter Abgänge zwar Mut, schlussendlich steht und fällt der Erfolg der Messe aber mit der Zahl der teilnehmenden Fachbesucher. Welche Folgen hier die Abkehr vom frühen Messetermin des vergangenen Jahres hat, werden die kommenden Tage in Friedrichshafen zeigen. Kommen wieder mehr Fahrradhändler auf die Eurobike, weil diese Anfang September eher die Zeit haben, zwei bis drei Tage ihrem Laden fernzubleiben? Oder werden es eher noch weniger Fahrradhändler, weil diese in den vergangenen Wochen auf gefühlt unzähligen Haus- und Verbandsmessen schon alle für sie wichtigen Neuheiten nicht nur gesehen, sondern auch geordert und zum Teil schon im Laden haben?
Die Antworten auf diese Fragen werden in den nächsten Tagen auf dem Messeparkett abzulesen sein. Einen wichtigen Schritt, um wieder mehr Fahrradhändler an den Bodensee zu locken, haben die Eurobike-Macher unterdessen schon im vergangenen Jahr initiiert: Unter dem Motto »Retail First« will die Eurobike auch in diesem Jahr den Fachhandel als wichtigste Zielgruppe in den Vordergrund stellen. Fahrradfachhändler, die sich als solche vorab auf der Website der Eurobike registrieren, kommen im Rahmen der Retail-First-Initiative auch in diesem Jahr wieder kostenlos auf die Messe. Wer sich vorab nicht als Fachhändler registriert zahlt so wie alle anderen Marktteilnehmer im Gegenzug einen deutlich höheren Preis, der in diesem Jahr für die Fachbesuchertage an der Tageskasse bei 74 EUR liegt und bei Vorbestellung online bei 54 EUR (der Eintrittspreis am Samstag, dem Publikumstag liegt unverändert bei günstigen 13 EUR).
Mit dieser Strategie, kostenloser Eintritt für registrierte Fachhändler und teure Tageskarten für alle anderen Marktteilnehmer, will die Messegesellschaft auch dem entgegenwirken, dass viele Endkunden mit Legitimation von befreundeten Händlern die Business-Days der Eurobike zum Messebesuch nutzen – auch wenn sich dieses Phänomen mit vertretbaren Mitteln wahrscheinlich nie ganz eindämmen lässt.

Zusatznutzen mit Academy & Co.

Ein weiterer Grund, warum viele Fahrradhändler die Reise nach Friedrichshafen antreten, sind die Angebote der Eurobike Academy, deren rund 30 Vorträge kostenlos für Fachbesucher aktuelle Themen im Fahrradmarkt aus Expertensicht beleuchten. Da geht es etwa um den Fachkräftemangel im Handel oder um die Digitalisierung des stationären Einzelhandels.
Am Vortag der Messe, also am 3. September, bietet die Eurobike zudem unter der volltönenden Bezeichung »Bike Biz Revolution« ein zusätzliches halbtägiges Vortragsprogramm an, dessen Nutzung jedoch nicht im Preis des regulären Eurobike-Tickets enthalten ist, sondern ein separates Ticket für 100 EUR erfordert.
Eine Fundgrube für Trend-Entdecker verspricht zudem das neue Format des Start-up-Days zu werden: Am ersten Messetag (4.9.) präsentieren auf der Bühne im Foyer Ost von 15.45 bis 17.15 Uhr 20 ausgewählte Start-ups ihre Neuheiten, Konzepte und Gründungsideen. Dem vorgelagert ist ein ganztägiges Programm aus Vorträgen und Podiumsdiskussionen rund ums Thema Start-up. Und direkt danach sorgt die Verleihung der Eurobike Gold Awards für ein wenig Oscar-Atmosphäre unter den Ausstellern und Fachbesuchern.

27. August 2019 von Markus Fritsch

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