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Die Deutsche Bahn AG mit seinem Service "Call a Bike" ist ein Anbieter der ersten Stunde.
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Bike-Sharing 5.0

Roland-Berger-Studie sieht rosige Zukunft für Leihräder

Bereits 2015 hat das Beratungsunternehmen Roland Berger in einer Studie den internationalen Bike-Sharing-Markt untersucht. Laut einer nun aktualisierten Studie vom 20. August 2018 gibt es weltweit inzwischen etwa 1.250 Bike-Sharing-Anbieter mit insgesamt mehr als 10 Millionen Fahrrädern. Bike-Sharing hat sich auf über 70 Ländern ausgedehnt, insbesondere asiatische Anbieter haben schnell expandiert – manche auch zu schnell.

Die Deutsche Bahn AG mit seinem Service "Call a Bike" ist ein Anbieter der ersten Stunde.Roland Berger fasst die Entwicklung des Bike-Sharings seit 1965 zusammen.

So verlief beispielsweise die Einführung des Unternehmens Obike aus Singapur in München problematisch: Zunächst fluteten die Asiaten die Stadt praktisch über Nacht mit Rädern (velobiz.de berichtete) . Was folgte waren Vandalismus und schließlich der Konkurs im Juli 2018. Dabei hat Obike seine Geschäfte eingestellt ohne seine (teilweise schrottreifen) Leihräder aus der Stadt zu entfernen. Ähnliches passierte auch in Frankreich mit einem anderen Anbieter. Das Start-Up gobee aus Hongkong zog sich bereits im Februar 2018 aus dem französischen Markt zurück. Laut gobee wurden frankreichweit 1.000 Räder gestohlen und etwa 3.400 Räder kaputt gemacht. „Dass einige Anbieter wegen finanzieller Probleme wieder verschwunden sind, zeigt, wie angespannt die Atmosphäre im Markt ist“, kommentiert Roland-Berger-Partner Tobias Schönberg.

Bike-Sharing ist aus dem Mobilitätsmix der Zukunft nicht mehr wegzudenken

Dennoch überwiegen die Vorteile der Leihräder: Sie sind schneller als Zufußgehen, günstiger als ein Taxi oder ein Leihwagen, flexibler als der öffentliche Nahverkehr und erfordern weniger teuren Instandhaltungsaufwand als ein eigenes Auto. Zudem kann ein Leihrad hervorragend mit anderen Transportmitteln kombiniert werden. Der Nutzer kann beispielsweise für die Langstrecke den Zug wählen und die letzten drei Kilometer dann mit dem Fahrrad an sein Ziel gelangen – und das ganz ohne PKW-Stau. Nicht umsonst gibt es in den europäischen Hauptstädten eine große Anzahl an Leihrädern: Berlin hat etwa 14.000, in Paris sind es 15.000 und in London gar 18.000 Räder. „Bike-Sharing ist günstig, umweltfreundlich und für kurze innerstädtische Distanzen ideal – kein Wunder, dass es gerade in staugeplagten Metropolen boomt“, erklärt Alexander Dyskin von Roland Berger.

Die sechs wichtigsten Erfolgsfaktoren für Bike-Sharing-Angebote

Über drei Milliarden US-Dollar Risikokapital haben private Anbieter laut der Studie von Roland Berger in jüngster Zeit aufgebracht, um weltweit zu expandieren. Die Unternehmensberatung rechnet damit, dass der weltweite Umsatz von Bike-Sharing-Angeboten in den nächsten vier Jahren auf bis zu acht Milliarden Euro ansteigt. Dabei sollten sich die Anbieter auf sechs Erfolgsfaktoren konzentrieren. Erstens sollte der Verleiher ein dichtes Netzwerk an Rädern bieten. Zweitens sollte der Anbieter versuchen, mit anderen Mobilitätsanbietern zu kooperieren: Idealerweise greift der Nutzer auf ein Programm bzw. eine App zurück, um seinen Reiseweg zu planen und auch zu bezahlen. Drittens muss die Zugangsbarriere für neue Nutzer so niedrig wie möglich gehalten werden. Das bedeutet, dass der Leihprozess per App möglichst benutzerfreundlich gestaltet werden sollte. Viertens sollte der Anbieter die per App gewonnenen Daten zu einer sinnvollen Datenauswertung nutzen. Mit dieser lassen sich die Preisgestaltung optimieren und neue Einnahmequellen erschließen. Fünftens sollten die Leihräder von hoher Qualität sein. Einerseits wird dem Nutzer so eine komfortable Fahrt garantiert, andererseits werden auch die Wartungskosten reduziert. Schließlich sind auch Investitionen in die Fahrradinfrastruktur lohnenswert. So können Bike-Sharing-Anbieter die örtlichen Gemeinden und Stadtverwaltungen beispielsweise beim Bau von Radwegen finanziell unterstützen. „Wer in diesem hart umkämpften Markt bestehen will, muss ein dichtes Netzwerk und einen benutzerfreundlichen Zugang bieten – von der Kundeninformation bis zur Bezahlung über das Smartphone, egal für welchen Service“, fasst Tobias Schönberg die Entwicklung zusammen. „Die Vernetzung mit anderen Verkehrsmitteln wird für Bike-Sharing-Angebote dabei immer wichtiger.“

Die komplette Studie findet sich auf der Website von Roland Berger .

7. September 2018 von Nadine Elbert
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