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Rückruf ist keine Gewährleistung

Die jüngste Forderung der Verbände, den Handel bitte angemessen für seine Arbeit zu bezahlen, mag sich im konkreten Fall velobiz.de berichtete auf Cube beziehen, hat aber eine branchenweite Bedeutung. Ein Umdenken findet erst langsam statt.

Es war eigentlich ein Routinevorgang: Ein Fahrradhersteller musste einen Rückruf einleiten. Das kommt immer wieder mal in allen möglichen Branchen vor und sagt zunächst wenig über die Qualität einer Marke oder gar der ganzen Branche aus. Auch in der Fahrradwelt kennt man das Prozedere, meist gibt es wenig dazu zu sagen. Üblicherweise wird das betreffende Bauteil ausgetauscht und fertig. Doch dieses Mal waren die Stimmen aus dem Handel lautstark zu hören. Der hörbare Unmut bezog sich nur teilweise auf den Branchenprimus Cube, sondern auf den branchenweiten Umgang mit Rückrufen. Die Kritik: Der Handel müsse endlich für seine Arbeit angemessen vergütet werden. Das »Schönrechnen« des Aufwands seitens der Hersteller müsse aufhören und auch die regulären Stundensätze der Werkstatt herangezogen werden.
Uwe Wöll, Geschäftsführer des VSF, erklärt, dass »Hersteller sich in der Regel auf die Position zurückziehen, dass ihre eigenen Mechaniker das in wenigen Minuten erledigen können«. Doch im Handel hängen noch viel mehr Arbeitsschritte daran, die auch Zeit kosten, von der Fahrradannahme bis zur Kundenkommunikation. In den Verträgen werden für Gewährleistungsfälle meist besondere Werkstattkonditionen vereinbart. Diese gelten aber nicht für den Produktrückruf, erklärt Wöll: »Ein Rückruf, das ist ja keine Gewährleistung, und dann sind wir natürlich bei ganz anderen Stundensätzen, nämlich den Original-Stundensätzen der Werkstatt.« Man dürfe diese beiden Fälle nicht gleichsetzen. »Genau das machen viele Hersteller aber: Sie vergleichen den Rückruf mit Gewährleistung, zahlen den ermäßigten Stundensatz aus den AGBs, erkennen nur einen Bruchteil der Arbeiten an und kommen so auf eine Pauschale, die sie an alle anweisen.« Die Vertragspartner, die beim Rückruf zur Mitwirkung verpflichtet sind, stehen vor einem sauren Apfel, in den sie hineinbeißen müssen.
Doch dieses Problem werde immer häufiger als solches erkannt. Wöll weist auch darauf hin, dass es vermehrt Hersteller gebe, die sich bewusst von der bisherigen Praxis abheben wollen. Bis das Normalität wird, dürfte es aber noch eine Weile dauern. Erst dann werden wohl auch die Händlerproteste verstummen. //

Montag um 08:00 von Daniel Hrkac

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