
Herstellerreaktionen zu Kinderradtest
Stiwa-Test führt zu differenzierten Reaktionen
Der jüngste Test von 14-Zoll-Kinderrädern fiel bekanntermaßen nur mittelmäßig aus. Immerhin fünf von elf dieser Räder für die kleinsten Radfahrer wurden mit "Mangelhaft" bewertet. Nur eines erhielt die Note gut (mit einem Notenschnitt von 1,6 schlitterte Testsieger Woom sogar knapp an der 1 vorbei) und war eine ganze Note besser als das nächstbeste Bike.
Doch die Fahrradhersteller sind natürlich keine Amateure, sondern wissen sehr genau, wie man Räder baut. Entsprechend differenziert schauen sie auf die Testergebnisse und finden einige Punkte, an denen sie den Testurteilen der Stiftung deutlich widersprechen.
Stellungnahme Academy
Besonders ausführlich hat man sich bei Academy/Coolmobility mit dem Test auseinandergesetzt. Der Hersteller nimmt das Testergebnis der Stiftung Warentest zur Kenntnis und stellt sich einer sachlichen Auseinandersetzung. So betont das Unternehmen, dass das geprüfte Modell in den praxisnahen Kategorien Fahren, Ergonomische Eignung und Handhabung durchweg solide bis gute Bewertungen zwischen 2,1 und 2,6 erzielen konnte. Das drastische Gesamturteil „Mangelhaft" resultiere ausschließlich aus der Kategorie Sicherheit und Haltbarkeit. Diese Kategorie fließe zwar mit lediglich 15 Prozent Gewichtung in das Gesamturteil ein, dominiere aber aufgrund einer speziellen Abwertungsregel der Stiftung Warentest das finale Ergebnis komplett. Dies führe dazu, dass die verbleibenden 85 Prozent der Bewertung faktisch obsolet würden.
Ganz besondere Berücksichtigung findet in der Stellungnahme das umstrittene Bremsenthema. Der zentrale Kritikpunkt der Tester betrifft eine angeblich zu hohe Vorderrad-Bremskraft. Academy wehrt sich entschieden gegen diese Darstellung und verweist darauf, dass beim Grade 2 ein baugleiches Bremssystem desselben Typs verwendet wird wie beim Testsieger Woom Go 2. Zwar stamme die Bremse zum Testzeitpunkt von einem anderen Hersteller, sie sei jedoch in Konstruktion und Funktion völlig identisch.
Der Hersteller kritisiert die Methodik hierbei deutlich: „Dass die gleiche Bremsart bei einem Hersteller zum Testsieger führt und beim anderen zum Mangelhaft, wirft berechtigte Fragen zur Reproduzierbarkeit und Konsistenz der Bewertung auf". Zudem wird argumentiert, dass die Bremskraft generell kein statischer Produktwert sei, sondern maßgeblich von der individuellen Justierung abhänge. „Ein einzelner Labortest an einem einzelnen Musterrad bildet diese Variable nicht ab", führt Academy weiter aus. Verschärfend komme hinzu, dass die Stiftung Warentest die Bremskraftmessung auf einem Schleppprüfstand durchführte und damit entgegen der einschlägigen Norm handelte, welche ein anderes Prüfverfahren vorsieht. Academy vertritt überdies den Standpunkt, dass eine Bremse, die im Zweifel zu stark bremst, Kinder im Straßenverkehr besser schützt als eine, die zu schwach bremst. Für Kunden, die dennoch eine Anpassung wünschen, bietet das Unternehmen den Einbau eines Power-Modulators (Shimano PM-60) an, mit dem sich die Bremskraft individuell anpassen lässt. Kritisch könnte man aber trotzdem hinterfragen, wieso es bei Kinderrädern so schwierig ist, die Bremsen zuverlässig kinderhändetauglich einzustellen.
Darüber hinaus nimmt Academy zu weiteren Kritikpunkten detailliert Stellung, wie etwa einem Schadstoffbefund im Sattel. Hierbei wurde zwar der Stoff Benzo(ghi)perylen nachgewiesen, der gemessene Gehalt liegt jedoch nachweislich unterhalb des Grenzwerts des GS-Zeichens für Geprüfte Sicherheit. Das Unternehmen stellt die Strenge der Tester in Frage: „Wenn ein Produkt den Grenzwert einhält - wozu dient dann der Grenzwert, wenn die Einhaltung trotzdem zu einer Abwertung führt?".
Auch bei den Lenkergriffen, die sich laut Stiftung Warentest zu leicht abziehen lassen, zweifelt Academy die Praxisrelevanz stark an. Die im Test angewandten mechanischen Abzugskräfte entsprächen schlicht nicht der Realität eines drei- bis fünfjährigen Kindes, weshalb die Griffe im tatsächlichen Gebrauch sicher und fest säßen. Das bemängelte Fehlen von Lenkerstopfen wird als Kritikpunkt ohne Substanz zurückgewiesen, da diese konstruktionsbedingt innerhalb des Lenkergriffs lägen und ohnehin vom speziellen Griff verdeckt würden, welcher selbst die Schutzfunktion vollumfänglich übernehme.
Abschließend stellt Academy die Konsistenz der Bewertungen insgesamt in Frage, indem darauf verwiesen wird, dass bei einem anderen Fahrrad im selben Test das normativ vorgeschriebene, aber komplett fehlende Element eines Riemenschutzes lediglich zu einer geringfügigen Abwertung führte. Es sei schwer nachvollziehbar, dass ein fehlendes Sicherheitselement so moderat bewertet werde, während bei Academy eingehaltene Grenzwerte und eine baugleiche Bremse ein „Mangelhaft“ begründen. Für Academy bleibt das Grade 2 ein rundum sicheres Kinderfahrrad, das man am besten dort beurteilen sollte, wo es hingehört: auf der Straße und nicht nur im Labor.
Reaktion Bachtenkirch
Auch das 14-Zoll-Kinderrad von Bachtenkirch wurde wegen allzu griffiger Bremsen abgewertet. Das Unternehmen hat als Reaktion online einen Sicherheitshinweis veröffentlicht, in dem gleich vier verschiedene Wege aufgezeigt werden, die Bremskraft der verbauten Bremse normgerecht zu reduzieren.
"Üben Sie mit Kindern auf jeden Fall das sichere und dosierte Bremsen! Die Bremsen an den kleinen Kinderfahrrädern sollten auch kinderleicht nutzbar sein", schließt das Unternehmen seine Hinweise. Die geübte Praxis ist auch für die Kleinsten der beste Lehrmeister.
Stellungnahme Woom
Als Testsieger, so viel darf man hier wohl spoilern, mag sich Woom naheliegend im Moment des Sieges nicht so sehr auf Testprozedere einlassen. Dort hat man sicher nicht vergessen, dass bei einem vorherigen Test ein Haarriss in der Kurbel zur Abwertung führte.
Dieses Mal konnte das getestete Rad aber überzeugen. „Der deutliche Testsieg des woom GO 2 bei der Stiftung Warentest unterstreicht unseren Anspruch: Wir setzen den Maßstab für Kinder- und Jugendfahrräder. Dass wir unter elf getesteten Modellen als einziges die Gesamtnote ‚Gut‘ (1,6) erzielt haben, ist der ultimative Beweis für unsere herausragende Ingenieurskunst und unseren Qualitätsanspruch“, erklärt Woom-CEO Bernd Hake zufrieden. Den aktuellen Testsieg nimmt er als Ansporn und Motivation, den eigenen Weg weiterzugehen. „Der Testsieg bei der Stiftung Warentest ist für uns weit mehr als nur eine Auszeichnung. Er ist die Bestätigung unseres Anspruchs, als Innovationsführer Maßstäbe zu setzen und das Thema Kinderfahrrad aktiv voranzutreiben. Und er ist der Beweis dafür, was passiert, wenn man den Status quo immer wieder herausfordert. Wir verstehen uns als Pioniere und arbeiten kontinuierlich daran, die Standards der Branche neu zu definieren, und das immer mit dem Ziel, Kindern das bestmögliche Fahrerlebnis zu ermöglichen.“
Stellungnahme Decathlon
Zufrieden gibt man sich auch beim Sportfilialisten Decathlon. „Wir freuen uns, dass unser B’Twin 2 in 1 Discover 900 im aktuellen Test der Stiftung Warentest als Preistipp ausgezeichnet wurde. Mit einem mittleren Preis von 200 Euro beweist unser Modell, dass Qualität, Sicherheit und Fahrspaß für Einsteiger nicht teuer sein müssen“, heißt es aus dem Unternehmen.
Man habe es geschafft, hohe Ansprüche in der Kategorie zu erfüllen und dabei qualitativ keine Abstriche machen müssen. „Die aktuellen Testergebnisse verdeutlichen die hohen technischen Anforderungen im Segment der 14-Zoll-Kinderfahrräder. Dass unser Modell in den Kategorien ‚Fahren‘ (2,2), ‚Handhabung‘ (2,2) sowie ‚Schadstoffe‘ (1,6) jeweils mit ‚Gut‘ abschnitt, ist für uns ein Beleg für das intuitive Handling und die kindgerechte Materialqualität des Rades.“
Die kritischen Punkte der Stiftung Warentest werden aufgenommen. „Die Bewertung von 3,5 (Befriedigend) im Bereich ‚Sicherheit und Haltbarkeit‘ nehmen wir als konstruktives Feedback auf. Während unser Modell alle sicherheitsrelevanten Normen erfüllt, untersuchen wir die spezifischen Anmerkungen der Prüfer sehr genau. Beispielsweise konnten die im Test als zu leicht abziehbar beschriebenen Griffe in unseren internen Qualitätskontrollen sowie durch einen externen Prüfbericht im November 2025 nicht reproduziert werden. Dennoch sind alle Hinweise zu baulichen Details bereits an unser Entwicklungsteam adressiert worden, um unsere eigenen Sicherheitsstandards kontinuierlich weiterzuentwickeln.“
Die preisliche Attraktivität soll bei allen Sicherheitsfragen nicht vernachlässigt werden. „Ein wesentlicher Teil unserer Strategie als Preistipp ist die Preistransparenz. Wir konzentrieren uns auf das Kernprodukt – ein sicheres und funktionales Rad. Zubehör wie Ständer oder Schutzbleche bieten wir optional für jeweils 9,99 Euro an. So entscheiden Eltern individuell nach Bedarf und zahlen nur für die Ausstattung, die sie im Alltag tatsächlich nutzen.“
(Update:) Stellungnahme Cube
Auch als Marktführer ist man nicht vor einem schlechten Abschneiden in einem Stiwa-Test gefeit. Das Kinderrad Numove 140 von Cube wurde ebenfalls wegen zu starker Verzögerung zur Gesamtnote "mangelhaft" heruntergewertet. An diesem Punkt ähnelt sich die Argumentation der von Academy. Auch hier verweist man auf das Zusammenspiel vielfältiger Faktoren: "Im Test wurde insbesondere die Wirkung der Vorderradbremse kritisch bewertet. Aus unserer Sicht ist die Bremsleistung jedoch kein fixer, unveränderlicher Produktwert, sondern wird maßgeblich durch Einstellung und Justage beeinflusst (z. B. Zugspannung, Belagsposition, Hebelweg). Zudem können sich Messergebnisse je nach Prüfaufbau und Messverfahren unterscheiden." Dass die Verzögerung wichtig ist, steht auch bei Cube außer Frage: "Grundsätzlich ist unsere Sicht, dass eine Bremse zuverlässig und kontrollierbar funktionieren muss." Entsprechend bietet man den Kundinnen und Kunden eine Option, wenn sie die Stiwa-Empfehlung umsetzen möchten: "Für Kunden, die eine reduzierte Bremsleistung wünschen, bietet sich als Option der Einbau eines Power Modulators durch den Fachhandel an."
Kritisiert wurde auch der Sattel am Numove. Die Stiftung Warentest maß hier zu hohe Werte. Cube weist die Kritik zurück: "Hier wurde ein schadstoffbelasteter Sattel bemängelt, der nachweislich unterhalb des Grenzwerts des GS-Zeichens für Geprüfte Sicherheit für Kinderfahrräder liegt. Somit können wir eine Abwertung in diesem Zusammenhang weder nachvollziehen noch anerkennen und müssen hier klar die Bewertung der StiWa infrage stellen."
Ein weiterer Streitpunkt im Test war, dass sich die Lenkergriffe leichter abziehen ließen als von der Prüfnorm gefordert. Zudem seien keine Lenkerendstopfen vorhanden. Auch an diesem Punkt weist Cube die Kritik von sich: "Die im Test angewandten mechanischen Abzugskräfte entsprechen mitnichten der Realität eines drei- bis fünfjährigen Kindes und griffergonomische Aspekte werden im Gegenteil nicht betrachtet. Die Griffe sind im tatsächlichen Gebrauch sicher und fest und es gibt hierzu keinerlei Reklamationen."
Verknüpfte Firmen abonnieren
für unsere Abonnenten sichtbar.