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Editorial

Virus im System

Die vergangenen Wochen und Monate haben uns mal wieder eine Lektion darin erteilt, wie schnell auch die sorgfältigste Planung über den Haufen geworfen werden kann. Als die Fahrradhersteller irgendwann im vergangenen Jahr ihren Materialfluss für diese Saison skizzierten, hatte noch niemand auf dem Schirm, dass zum Start ins neue Jahr wichtige Teile der chinesischen (Fahrrad-)Zulieferindustrie durch den Corona-Ausbruch lahmgelegt würden. (...)

Welche Folgen das für die Fahrradsaison hierzulande hat, verdeutlicht eine Zahl: Jährlich importieren deutsche Unternehmen Fahrrad- und Rahmenkomponenten im Wert von über 300 Mio. EUR aus China, zu OE-Einkaufspreisen wohlgemerkt. Die wertmäßige Bedeutung an der Ladentheke kann man also mindestens um den Faktor drei multiplizieren. Andere asiatische OE-Hotspots wie Vietnam oder Taiwan können die Lücke nur unzureichend füllen, denn auch die Fabriken dort sind nicht unwesentlich von Zulieferungen aus der Volksrepublik abhängig.
Kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe meldeten die Nachrichten nun zudem, dass auch in Norditalien wegen der sprunghaften Verbreitung von Corona-Infektionen die ersten Regionen von der Außenwelt isoliert wurden. Wer auf der Karte nachschaut, wo diese Quarantäne-Regionen liegen, sieht in der Nachbarschaft ganz viele Standorte namhafter italienischer Hersteller von Fahrradkomponenten.

Auch wenn man persönlich nicht zur Hysterie neigt und sich bewusst ist, dass bislang noch jede Grippewelle in Deutschland mehr Todesopfer gefordert hat, sind die Nebenwirkungen der Corona-Ausbreitung auf die Wirtschaft nur schwer absehbar. Gut möglich, dass der Corona-Ausbruch so wie seinerzeit Sars in ein paar Monaten schon fast wieder vergessen ist. Vorerst müssen sich alle Marktteilnehmer damit behelfen, auf Sicht zu fliegen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren.

Darin hat die Branche durchaus Übung. Die Anpassungsfähigkeit an Veränderungen ist uns im Fahrradmarkt schon zu einem Wesensmerkmal geworden. Insbesondere der Markt für Zubehör erfordert von allen Marktteilnehmern ein Hochmaß an Flexibilität. Mein Kollege Daniel Hrkac hat in dieser Ausgabe ab Seite 10 den fast unmöglichen Versuch unternommen, die aktuellen Veränderungen und Einflüsse im Zubehör-Markt auf vier Seiten zu skizzieren.

Anpassungsfähigkeit ist auch das perfekte Stichwort für das zweite Schwerpunkt-Thema dieser Ausgabe von velobiz.de Magazin: Nicht wenige Experten sehen in der Ergonomie ein mächtiges Werkzeug des stationären Handels im Wettbewerb mit E-Commerce. Insofern ist Ergonomie alles anders als ein Nebenschauplatz dieser Branche.

3. März 2020 von Markus Fritsch
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