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Markt - Patente

Wie sieht das Fahrrad von morgen aus?

Rund 10.000 Patentanmeldungen, ein sich elektrisierendes Feld und viele Automobiler: Was die Schutzrechte des Jahres 2025 über die Zukunft des Fahrrads verraten.

Wer wissen will, wohin sich die Fahrradbranche in drei bis fünf Jahren bewegt, findet in den Schutzrechtsanmeldungen eine der spannendsten Quellen überhaupt. Für diesen Artikel wurden rund 10.000 Anmeldungen aus den Zweirad-Kategorien ausgewertet, die im Jahr 2025 veröffentlicht wurden. Das Bild ist eindeutig: Elektrisch, smart und integriert.

Das Rauschen im Datensatz: Motorräder, Schneemobile und Graubereiche

Bevor es ans Eingemachte geht, ein paar Worte zur Methodik: Die Patentdatenbanken kennen leider keine Kategorie »Fahrradpatente«. Stattdessen teilt man sich die Kategorien mit Motorrädern, Kleinkrafträdern und Schneemobilen. Für diese Untersuchung haben wir zwar eindeutige Motorrad- und Schneemobilpatente sowie -hersteller ausgefiltert, aber 100 Prozent lassen sich die Bereiche nicht trennen. Insofern müssen die absoluten Zahlen immer mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden. Gezählt werden zudem keine einzelnen Anmeldungen, sondern sogenannte Familien: Wenn zum Beispiel in Deutschland und den USA die gleiche Erfindung angemeldet wurde, wird die Erfindung nur einmal gezählt.

Innovationsmotor China

Gut 10.000 Schutzrechte wurden 2025 weltweit veröffentlicht, rund 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon wurden rund 7200 Patente in China angemeldet. Ähnliche Zahlen kennt man aus den Bereichen »künstliche Intelligenz« und »Elektroauto«: Chinesische Unternehmen patentieren wie verrückt. Nur wenige melden jedoch auch in anderen Ländern an.


Bei Getrieben sind unter anderem Nicolai (WO2025103623A1), Classified Cycling (DE112024001026T5), Shimano (US12384492B2) und Valeo (EP4506589A1) aktiv. Daneben findet man auch sehr viele Patente für die bessere Erhebung und Auswertung von Daten. Shimano will damit etwa das Autoshifting verbessern (DE102025118302A1). Auch elektrische Gangwechsel stehen klar im Fokus: Unter anderem FSA (DE202025102551U1) und sogar Bosch (DE102024204831A1) entwickeln Lösungen für elektrische Gruppen.

Entsprechende Erfindungen wären also in Europa und den USA frei nutzbar. Um einen besseren Blick auf die globale Fahrradindustrie zu bekommen, haben wir uns auf die Anmeldungen in Europa, Deutschland, WIPO (»Weltanmeldungen«) und USA konzentriert. Die Hypothese ist, dass wenn in diesem strategischen Kern für die Fahrradindustrie nicht angemeldet wurde, das Patent auch eine geringe globale Bedeutung hat. In diesem Kernbereich ist die Zahl von 2080 in 2024 auf 1879 Patente 2025 um knapp 10 Prozent gefallen.
Patentanmeldungen sind nicht nur ein Blick in die Zukunft, sondern auch ein wenig in die Vergangenheit: Typischerweise bleiben Anmeldungen 1,5 Jahre geheim. Daher beinhaltet die Untersuchung Anmeldungen aus 2023, die aber erst 2025 veröffentlicht wurden. Was dabei auffällt: ZF Friedrichshafen, die aktuell zumindest den Pause-Knopf bei ihren Bemühungen um die Fahrradindustrie gedrückt haben, sind mit 147 Anmeldungen der zweitstärkste Anmelder. Mehr liefert da nur der Antriebs-Branchenprimus Bosch mit 160 Anmeldungen. Auf Platz drei liegt Shimano (123). Der erste und gleichzeitig einzige klassische Fahrradhersteller in den Top 10 ist Cube (der hinter der MPR GmbH steckt).
Was sehr schnell bei einem Blick auf die Liste auffällt: Die Unternehmen aus dem Automobilbereich investieren deutlich stärker in Schutzrechte als Unternehmen aus dem klassischen Fahrradbereich.

Deep Dive: Was sind die spannendsten Patent-Trends in 2025?

Für diesen Teil der Analyse wurden die knapp 1900 Schutzrechtsanmeldungen Stück für Stück analysiert. Daraus haben sich klare Trends ergeben, die mit Beispielen aus diesen Bereichen hier dargestellt werden. Neben diesen Beispielen gibt es noch unzählige weitere Patente in den jeweiligen Trendblöcken.

Elektronik: Wenn das Fahrrad mitdenkt

Bei der qualitativen Analyse der Anmeldungen fällt sofort ins Auge: Alles wird elektronisch und am besten auch smart. So melden unter anderem Öhlins (EP4563451A1, EP4559793A1) und Specialized (US2025196967A1) elektronisch kontrollierte Feder- und Dämpferkomponenten an, die Strecke und Fahrstil in Echtzeit auslesen. ZF entwickelt Fahrradbremsen mit redundanter Stromversorgung (DE102023211956A1) und ABUS erweitert das klassische Schloss um eine elektrische Variante (AU2024203483A1).


Manche Patente klingen vertraut für alle, die Auto fahren. Brose patentiert einen Berghaltemodus (DE102023131696A1): Der Motor hält das Rad in der Steigung, bis man bewusst losfährt. Und Bosch denkt Vehicle to Load: Ein mobiler Hochdruckreiniger lässt sich direkt an den E-Bike-Akku anschließen (DE102023212936A1). Fahren und Waschen aus einer Quelle.

Thermoplast: Kunststoff mit System

Auch beim Thema Thermoplastrahmen geht es weiter. Allen voran geht Igus, wo zum Beispiel eine Softtail-Variante (DE102024118231A1) den Rahmenflex gezielt als Federungselement nutzt. Ein weiteres Patent (DE202023106150U1) beschreibt eine Modulplattform, die sich vom Tief-einsteiger zum Diamantrahmen umbauen lässt. Dass auch der asiatische Fertigungsspezialist Astro (EP4497580A1) in das Thema einsteigt, ist ein Signal: Thermoplast-rahmen könnten bald aus der noch kleinen Nische herauskommen.

Sicherheit geht vor!

Auch das Thema Sicherheit ist bei den Patentveröffentlichungen 2025 ganz vorne mit dabei. ZF denkt zum Beispiel an Bremsleuchten fürs Fahrrad (DE102023210141A1). Johnson Electric entwickelt ein System, das Abstandslinien vom Motor auf die Fahrbahn projiziert (DE202025103482U1). MyStromer rüstet das E-Bike mit einer Rückfahrkamera aus (DE202025103549U1). Was beim Pkw Komfortausstattung ist, könnte auch ins Zweirad einziehen.

Cargo im Fokus der Automobilindustrie

Kein spezifisches Bike-Segment zieht 2025 mehr Patentaktivität auf sich als das Lastenrad. Decathlon lässt sich zum Beispiel ein Dachsystem schützen (EP4538155A1). Und die Automobilwelt hat das Cargobike im Profieinsatz im Fokus, vor allem als ernsthaften Lieferfahrzeug-Ersatz: Volvo Trucks mit einem Lastenrad für den urbanen Gütertransport (US2025136233A1), Magna mit einem modularen Cargo-System (US2025091689A1), Contitech mit einem eigenen Patent für ein »Lieferbike« (EP4516652A1) zeigen hier Interessen. Drei Häuser, eine Richtung: Das Cargobike soll den Lieferwagen auf der letzten Meile ersetzen.

Alles nur E?

Nein, auch das »analoge« Fahrrad ist keineswegs fertig. Insbesondere die Kabelintegration beschäftigt die Branche intensiv: Orbea schützt einen Kompressionsring für den Gabelschaft (US2025136234A1), SRAM entwickelt Liner-Systeme fürs Innere des Gabelschafts (US2025128783A1) und FSA arbeitet an geteilten Gabelschäften (US2024367746A1). Das Ziel: aufgeräumte Cockpits an modernen Fahrzeugen, innen wie außen.


Bosch hat im vergangenen Jahr die meisten fahrradrelevanten Patente angemeldet und damit seine Spitzenposition verteidigt. ZF war sehr aktiv, bis die Ambitionen auf diesem Feld auf Eis gelegt wurden.

Was es auch noch gibt: Patente für das Mountainbike ganz ohne Motor. Cube schützt einen Rahmen mit verstellbarer Tretlagerposition (DE102024104099A1), SRAM entwickelt eine zusätzliche Luftkammer in der Federgabel (US2025388287A1) für differenziertere Kennlinienabstimmung. Daneben Patente für gefederte Lenker und Sattelstützen (Rose DE102023123369A1 oder Canyon EP4545386A1), und für den Graveltrend dürfen natürlich auch Rahmentaschen nicht fehlen (Tailfin US2025121899A1). Auch ohne Batterie wird also weitergedacht.

Fazit: Full Self Driving?

Denkt man das Fahrrad der Zukunft anhand der ausgewerteten Schutzrechte, so würden die Fahrräder selbst schalten, mit elektronischer ABS-Bremse, Knautschzonen und Airbags sowie allerlei Lichtern für umfassende Sicherheit sorgen und dabei wäre alles optisch perfekt integriert. Der Markt wird zeigen, ob es am Fahrrad tatsächlich so viel Elektronik bedarf oder ob nicht doch manchmal die mechanische Einfachheit des Fahrrads bevorzugt wird. e Möglichkeiten sind schon jetzt fast unbegrenzt.

4. Mai 2026 von Martin Langner
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