
Kolumne - Carsten Bischoff
Willkommen in einer neuen Realität
... unsere Werkstattannahme. Deformierte Felgen, durchgeschliffene Lenkerenden, zerbrochene Schalteinheiten, angerissene Rahmen, verzogene Gabeln und vieles mehr. Die Geschichten dahinter ähneln sich sehr. Unfälle mit und ohne Fremdeinwirkung, Stürze in der Gruppe oder auf abschüssiger Piste. Natürlich geht das auch nicht an den Protagonisten spurlos vorüber.
Bei Fremdeinwirkung oder auch geleasten Fahrrädern ist das ein Fall für den freundlichen Gutachter einer der bekannten Prüforganisationen, die sich des Themas professionell und gerichtsfest annehmen. Während seiner häufigen Besuche in unserer Werkstatt kam ich nicht umhin, nachzufragen, wie er das Unfallgeschehen einschätzt: 1. Quartal 2026 waren es mehr Fälle als im ganzen Jahr 2024. Jetzt ist es nicht nur ein Gefühl, sondern eine Tatsache. Ganz klar folgt sofort die Frage: Warum?
So standen schnell Thesen im Raum: Rennräder und Gravelbikes sind im Trend, mehr Nutzung bedeutet mehr Unfälle. Einsteiger sind auf professionellem Material unterwegs, übernehmen sich bei gefahrenem Umfang und Geschwindigkeit, sind mit der Technik nicht vertraut und zumeist auf hartem Untergrund unterwegs. Schutzkleidung = Helm.
Wer sportlich auf dem MTB unterwegs ist, stürzt auch, fällt aber meist langsamer, oft weicher und hat oft eher mehr schützende Elemente am Körper.
Ganz zum Schluss ist für den geübten Radfahrer der 360-Grad-Überlebensblick die wichtigste Eigenschaft, um im Verkehr dauerhaft bestehen zu können.
Wir waren uns einig, diese Thesen sind belastbar. Aber können wir etwas dagegen tun?
Im Geschäft bei der Beratung auf jeden Fall! Vorsichtig sensibilisieren auf die neuen Erfahrungen, die Einsteiger machen werden, und vor allem das Rad passgenau einstellen. Klickpedale müssen auch nicht unbedingt im ersten Step montiert sein. Wenn der Kampf mit dem neuen Rad gewonnen ist, unbedingt sehr gern. Für alle anderen kommt weiter der Gutachter. Wir rechnen bei ihm die Nutzung unserer Räumlichkeiten und die Unterstützung bei der Preisrecherche ab, reparieren die verunfallten teuren, neuen, bunten Räder oder verwerten sie bei Totalschaden weiter.
So passt für uns Händler und die Werkstatt alles, jedoch könnte sich der eine oder andere Bruchpilot körperlichen Schaden und sonstigen Aufwand ersparen, hätte er sein neues Rad im verantwortungsbewussten Fachgeschäft gekauft.
Carsten Bischoff ist Fahrradhändler in Dresden.
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