Mitglieder werden an die kurze Leine genommen:
ZEG forderte Order-Verzicht auf der Eurobike
Die drei Rundschreiben, die auch velobiz.de vorliegen, waren das Gesprächsthema der Messe. Die diesbezügliche Stimmung unter Ausstellern reichte von Belustigung über Erstaunen bis hin zu großer Verärgerung.
Den Anfang machte ein „Chefrundschreiben“ am 14. August, in dem an „jedes einzelne ZEG-Mitglied ein Appell zum solidarischen Handeln im Sinne (der) ZEG-Gemeinschaft“ gerichtet wurde. Das ist für eine Genossenschaft noch ein völlig nachvollziehbarer Aufruf. Anders vielleicht als der danach folgende Inhalt des Rundschreibens: „Wie wir alle wissen, sind die Zahlungskonditionen bei den Wettbewerbern – speziell im Mountainbike-Bereich – so, dass nach Auslieferung die Zahlung sofort zu erfolgen hat. Ihre ZEG hingegen – und auch die ZEG-Streckenlieferanten gewähren Ihnen langfristige Valuten . Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit der Einkaufsfinanzierung über die ZEG. Leider mussten wir die Erfahrung machen, dass einige Mitglieder in unseren Reihen diese von Seiten ZEG gewährte Hilfe dazu nutzen, die geforderten Direktzahlungen für Lieferungen bei den oben genannten Anbietern einzulösen.“ Diese Tatsache wolle der ZEG-Vorstand nun „nicht mehr akzeptieren“ und droht deshalb den Mitgliedern: „Valuten und Finanzierungsmöglichkeiten werden wir zukünftig nur noch den Mitgliedsfirmen zur Verfügung stellen können, die sich auf ihre ZEG und deren Vertragslieferanten konzentrieren.“
Nur wenige Tage später folgte dann ein weiteres Chefrundschreiben, in dem der ZEG-Vorstand seine Mitglieder bat, eine Aufstellung darüber abzugeben, wie viele Fahrräder von verbandsfremden Marken der einzelne Händler im Jahr absetze. Begründung: „um eventuell noch vorhandene Schwachstellen, an unseren exklusiven Eigenmarken zu beseitigen“ und um zu überprüfen, „ob die Auswahl unserer gelisteten Fahrradhersteller (Streckenlieferanten) noch den derzeitigen Notwendigkeiten entspricht“. In Anbetracht des voran gegangenen, oben erwähnten Rundschreibens hat dieses Ansinnen gleichwohl noch einen anderen Beigeschmack.
Kurz vor der Eurobike flatterte den ZEG-Händlern dann die vorläufig letzte, verbale Breitseite gegen Verbandsabweichler ins E-Mail-Postfach. Der ZEG-Vorstand schreibt dort: „Wir möchten Sie nochmals im eigenen Interesse darum bitten, nicht vorschnell Ihre Aufträge auf der Eurobike zu platzieren, ohne sich auf der IFMA in Köln einen Gesamteindruck von allen Anbietern verschafft zu haben.“ Die noch freundlich formulierte Bitte wird wenige Zeilen später zum kaum verhohlenen Aufruf zum Order-Boykott auf der Eurobike: „Speziell die Nicht-ZEG-Lieferanten, die am Markt mit eigenen Geschäften, Outlet-Stores, Internet-Verkäufen und mit der Belieferung von Filialisten agieren, werden in Friedrichshafen versuchen, Sie mit ihren auf Hochglanz getrimmten Modellen zur Platzierung von Aufträgen zu animieren. Lassen Sie sich durch die euphorische Stimmung während der Eurobike nicht dazu verleiten, Aufträge zu erteilen.“
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