
Forschungsprojekt untersucht:
Bessere Radverkehrsnetze im ländlichen Raum
Hintergrund des Projekts „ProvinzNETZ“ sind strukturelle Herausforderungen, vor denen ländliche Räume stehen, etwa große Entfernungen zwischen Ortschaften, lückenhafte Verbindungen oder ein eingeschränkt verfügbarer öffentlicher Personennahverkehr. Als Folge dieser Probleme sind viele Menschen im ländlichen Raum von Pkw abhängig. Nationale Studien legen allerdings nah, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung auf das Fahrrad umsteigen würde, sofern die Infrastruktur verbessert und der öffentliche Verkehr besser verknüpft würde.
In diesem Kontext wurde das Projekt ProvinzNETZ initiiert, bei dem das Fachgebiet Radverkehr und nachhaltige Mobilität der Universität Kassel mit der Technischen Hochschule Wildau und der Bürgerinitiative geRADeWEGs im Landkreis Gotha (Thüringen) zusammenarbeiten. Das Projekt läuft seit November 2025 und wird noch bis Oktober 2028 im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2030 (NRVP 3.0) gefördert.
15-Minuten-Netz für attraktiven Radverkehr
Ziel des Projekts ist es, in Anlehnung an das vielbeachtete stadtplanerische Konzept der „15-Minuten-Stadt“, alltägliche Ziele in ländlichen Gemeinden innerhalb von 15 Minuten mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar zu machen. Im Fokus steht die Quervernetzung von Dörfern. Mit E-Bikes lassen sich innerhalb von 15 Minuten bis zu fünf Kilometer zurücklegen. Das bildet die Grundlage des „15-Minuten-Netzes“, welches mit sicheren, durchgängigen und attraktiven Radverkehrsverbindungen zwischen Dörfern lokale Versorgungsangebote, gesellschaftliche Teilhabe und die Lebensqualität insgesamt stärken soll. Prof. Dr. Angela Francke, Leiterin des Fachgebiets Radverkehr und Nahmobilität an der Universität Kassel, betont: „Ländliche Regionen benötigen Mobilitätslösungen, die ihren räumlichen und sozialen Gegebenheiten gerecht werden. Mit ProvinzNETZ untersuchen wir, wie interkommunale Radverkehrsinfrastruktur die Erreichbarkeit und Lebensqualität jenseits urbaner Zentren systematisch verbessern kann. Das Projekt ermöglicht es uns, Mobilitätsforschung mit Analysen zu Zusammenarbeit und Entscheidungsstrukturen sowie praxisorientierten Umsetzungsstrategien für strukturschwächere Regionen zu verknüpfen.“
Mithilfe empirischer Analysen, Fachworkshops und der Einbindung relevanter Akteure soll im Projekt ein praxisorientierter Werkzeugkasten für Kommunen entstehen. Dafür untersuchen die Forscherinnen und Forscher eine Modellregion im Landkreis Gotha sowie mehrere Vergleichsregionen in Deutschland. Das Projekt ist dabei kooperativ und interdisziplinär aufgebaut und soll Akteure aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenführen. Die Gesamtkoordination übernimmt dabei die Technische Hochschule Wildau.
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