
Shimano State of the Nation 2026
Deutschlands „Kapazitätskrise“ im Radverkehr
Der im Februar 2026 veröffentlichte „State of the Nation Report“ von Shimano, für den 25.000 Menschen in Europa befragt wurden, offenbart eine Diskrepanz zwischen der hohen Verbreitung von Fahrrädern und den strukturellen Hürden ihrer Nutzung. Während Deutschland mit einer aktuellen Besitzquote von 74,1 % weiterhin eine Hochburg des Fahrradfahrens bleibt, identifiziert die Studie kritische Engpässe in der Service-Infrastruktur und eine stagnierende Sicherheitswahrnehmung, die das zukünftige Wachstum gefährden könnten.
Alarmierend
Ein besonders alarmierendes Ergebnis der Studie ist die direkte Korrelation zwischen Wartungsproblemen und sinkender Fahrradnutzung: Europaweit fahren 121 Millionen Menschen weniger Rad, weil der Zugang zu Reparaturen erschwert ist. Für Deutschland zeigt die Analyse eine spezifische „Kapazitätskrise“, die sich deutlich vom Rest des Kontinents unterscheidet. Während Südeuropa eher mit einem Mangel an Geschäften kämpft, leiden deutsche Radfahrer unter der mangelnden Verfügbarkeit bestehender Services. Konkret nennen 33,1 % der Betroffenen lange Wartezeiten als Hauptgrund für ihre Probleme – der höchste Wert in ganz Europa. Diese Hürden haben reale Folgen für das Mobilitätsverhalten, da europaweit 16,4 % der Menschen mit Wartungsproblemen das Radfahren komplett eingestellt haben, während andere versuchen, Reparaturen selbst durchzuführen oder auf andere Verkehrsmittel ausweichen.
Sicherheitsbedenken
Auch die subjektive Sicherheit, insbesondere für Kinder, entwickelt sich nicht positiv. Das ist ebenfalls ein langfristiges Risiko für die Branche. In Deutschland herrscht besonders deutliche Skepsis, denn 65 % der Befragten stimmen nicht zu, dass der Straßenverkehr für Kinder in den letzten zwölf Monaten sicherer geworden ist. Mit einer Netto-Differenz von -1,61 % bei der wahrgenommenen Sicherheitsverbesserung liegt Deutschland damit hinter Nachbarländern wie Polen und Frankreich zurück, wo das Vertrauen deutlich größer ist. Interessanterweise verzeichnen selbst Fahrradvorbilder wie die Niederlande negative Werte, was im Bericht unter anderem auf die Zunahme von „Fatbikes“ auf Radwegen zurückgeführt wird. Bei den Lösungsansätzen zeigt sich zudem ein Generationengraben: Jüngere Menschen fordern finanzielle Unterstützung für Ausrüstung, während Ältere auf Aufklärungskampagnen setzen, wobei Einigkeit darüber besteht, dass eine kinderfreundliche Infrastruktur absolute Priorität haben muss.
Die Bewertung der Infrastrukturverbesserungen folgt einem Muster, das für reife Märkte typisch ist: Hohe Standards führen zu steigenden Erwartungen, wodurch Verbesserungen weniger stark wahrgenommen werden. Deutschland rangiert hier wieder im unteren Feld, da nur 41 % der Befragten angeben, dass sich die Radinfrastruktur in ihrer Region zuletzt verbessert hat. Auch andere klassische Radnationen wie Belgien und Dänemark finden sich im unteren Drittel wieder. Innerhalb dieser Wahrnehmung stellt der Bericht zudem einen Gender-Gap fest, da Frauen die Verbesserungen der Infrastruktur um 8 Prozentpunkte häufiger positiv bewerten als Männer.
Abschließend betont Ties van Dijk von Shimano Europe, dass physische Infrastruktur allein nicht ausreicht, um die Mobilitätswende zu sichern. Wenn die Wartung kompliziert bleibt und die Sicherheit für die nächste Generation nicht gewährleistet ist, droht die Beteiligung am Radverkehr genau dann zu sinken, wenn nachhaltige Mobilität am dringendsten benötigt wird.
Die vollständige Shimano Studie lässt sich hier herunterladen .
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