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Halbdigitaler Gipfel: Gestern wurde auf dem vom Tagesspiegel organisierten Future Mobility Summit getagt. Die Veranstaltung fand in Teilen in Präsenz statt, viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurden aber auch über den digitalen Weg zugeschaltet.
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Future Mobility Summit

Ein Blick in Gegenwart und Zukunft

Die vom "Tagesspiegel" organisierte Tagung fand kürzlich in Berlin statt. Prominente Entscheider und Entscheiderinnen aus dem Mobilitätskosmos und der Politik trafen sich großenteils vor Ort, andere wurden per Videokonferenz für Vorträge oder Diskussionspanels zugeschaltet.

Aufgegliedert wurde das Oberthema ‚Mobilität der Zukunft‘ in die Bereiche Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Urban Mobility und Neustart. Zu diesen Themen gab es Impulsvorträge, Diskussionen und Gedankenaustausch zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden, NGOs und Gewerkschaften. Unter den namhaften Teilnehmern und Teilnehmerinnen fanden sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, Cem Özdemir, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur im Bundestag, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier oder Dr. Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende der DB Cargo.

Wo hakt es?

Kritikpunkte am derzeitigen Verkehrssystem Deutschlands gab es einige. Bemängelt wurde etwa die Verwahrlosung ländlicher Bahnstrecken, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten vielfach stillgelegt wurden. Dabei seien viele Bausteine in der Transformation zu einem nachhaltigen System von Bedeutung. Verkehr müsse vermehrt intermodal gedacht werden und die Nutzung durch digitalisierte Lösungen vereinfacht werden. Bei einer interaktiven Paneldiskussion zum Thema ‚Freie-Straßen-Prämie‘ wurde ebenfalls Ganzheitlichkeit in politischen Ansätzen gefordert. Eine solche Prämie, die Verbraucher und Verbraucherinnen finanziell belohnt, wenn diese auf ein eigenes Auto verzichten, könne sinnvoll sein, wenn sie Teil eines größeren Maßnahmenpakets ist. Tiefgreifende strukturelle Probleme benötigen tiefgreifende politische Maßnahmen, so das Resümee des Panels.

Auch Umweltaktivistin Luisa Neubauer äußerte sich in einem Fireside-Chat (einem Interview als Kommentar einer vorangegangenen Diskussionsrunde) zum politischen Umdenken und nahm dabei auch auf den Radverkehr Bezug: „Ich möchte in einer Welt leben, in der mein Fahrradfahren nicht mehr politisch ist“, so der Wunsch der Geographin, mit dem sie der Forderung nach konsequentem Handeln der Politik Ausdruck verleiht. Es solle nicht davor gescheut werden, Innovation zweigleisig zu denken und das Konzept um sogenannte Exnovationen, also das gezielte Verabschieden veralteter Ansätze zu erweitern. Etwa ein Enddatum für Neuzulassungen bei Verbrennungsmotoren könne eine Umsetzung dieses politischen Ansatzes sein.

Fahrradhersteller Van Moof wurde auf dem Future Mobility Summit durch den Mitbegründer Taco Carlier vertreten. Dieser stellte die Vision der Firma vor, die durch Pedelecs den Aktionsradius der Nutzer und Nutzerinnen vergrößern und das Rad in die Mitte der Verkehrsmodi stellen will. Er sprach unter anderem davon, dass Amsterdam bis in die 1960er Jahre keine fahrradgerechte Stadt war, sondern planerisch auf Autos ausgerichtet wurde. Dies gebe ihm Hoffnung, dass auch andere Städte den Wandel zur fahrradgerechten Stadt nach niederländischem Vorbild schaffen können.

Projektpräsentationen geben Hoffnung

Der Gipfel endete im ‚Mobility Innovators Pitch‘, der Vorstellung der Finalisten eines Innovations-Wettbewerbs. Hier wurden wasserstoffgetriebene, selbstfahrende Boote vorgestellt, die Emissionen im Warentransport einsparen sollen. Weitere Beispiele waren ebenfalls selbstfahrende LEVs (Light Electric Vehicles), die zum Personen- und Warentransport genutzt werden könnten und ein Projekt, das Mobilitätsdaten, die bereits von verschiedenen Akteuren gesammelt werden, für stadtplanerische Zwecke nutzbar machen will. Ein Überblick über die Finalisten und das gesamte Veranstaltungsprogramm findet sich auf der Website des Tagesspiegels .

10. Juni 2021 von Sebastian Gengenbach
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