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Marktdaten - ZIV

Eine weitere schwierige Saison

Die Marktdaten des ZIV sind seit vielen Jahren eine aussagekräftige Quelle, wenn man wissen will, wie es der Fahrradwirtschaft im vergangenen Jahr ergangen ist. Wie sich für das Jahr 2025 zeigt, bildet sich die Marktstimmung ausgesprochen gut in den Zahlen des Industrieverbands ab.

Der ZIV hat viele sehr bemerkenswerte Zahlen und Einsichten zusammengetragen, die durchweg das Verständnis für die Branche erhöhen und natürlich zeigen, wie das vergangene Jahr gelaufen ist. Manchmal erlauben sie auch einen Blick in die Zukunft. So dürfte die Bestandszahl von aktuell 17,2 Millionen E-Bikes in Deutschland, bereinigt um entsorgte Fahrzeuge, dafür sorgen, dass den Fahrradwerkstätten auf absehbare Zeit nicht allzu langweilig werden dürfte.
Die Zahl hat sich binnen zehn Jahren nicht ganz versiebenfacht (von 2,6 Millionen E-Bikes in 2015). Der Werkstattbereich hat sich natürlich auch entwickelt in dieser Zeit, aber eine Versiebenfachung der Kapazitäten hat es nicht im Ansatz gegeben. Dabei ist ebenfalls noch nicht berücksichtigt, dass Elektrofahrräder mehr Service und Wartung benötigen als unmotorisierte Exemplare, sei es wegen häufigerer Nutzung oder aufwendigerer Technik.
Noch stellen Fahrräder-ohne-E die klare Mehrzahl angesichts von 90,6 Millionen Fahrrädern und E-Bikes zusammen im Bestand der deutschen Haushalte. Im Moment stellen E-Bikes also 18,9 Prozent des Bestandes, was wohl schon als ein sehr guter Wert betrachtet werden kann. Er wird in den nächsten Jahren noch deutlich ansteigen, wenn man auf die Verkaufsanteile schaut.

Seit 2023 werden überwiegend E-Bikes verkauft. Damals war es eine große Meldung, dass diese Segmente nun die akustischen Räder auch stückzahlenmäßig überholt haben.
53 Prozent Marktanteil sind in der Tat eine Ansage. Heute ist die Meldung vielmehr, dass auch im dritten Jahr der Verkaufsanteil bei konstant 53 Prozent liegt. Hat sich hier eine natürliche Balance gefunden? Die Voraussage war das jedenfalls nicht. Zumindest der Elektroteil der Branche hat halb gehofft, halb erwartet, dass sich die Verhältnisse noch klarer verschieben werden. Bis zu 75 Prozent jährlichem E-Absatzanteil sind einmal prognostiziert worden. Zumindest im Moment sieht es noch nicht danach aus, als ob diese Verhältnisse erreicht werden können.

Produktion sinkt drei Jahre in Folge

Klare Sicht hat man bei den Absatz- und Produktionszahlen, soweit sie der ZIV untersucht hat. Die Probleme seit 2023 sind bekannt und spiegeln sich auch noch in den Zahlen für 2025 wider. Für die Industrie sieht es so aus, dass die Fahrradproduktion zum dritten Mal in Folge gesunken ist. Vom 2022er Hoch mit 2,6 Millionen produzierten Rädern mit und ohne E ist man nun wieder bei 1,9 Millionen Einheiten angekommen. Dieses Niveau hatte man schon 2018 und 2019. Lichtblick ist aber das E-Bike: Mit einem Anteil von 1,3 Millionen Stück ist man immer noch deutlich über dem Wert vor Corona.


Die E-Bike-Verkäufe sind seit 2020 erstens stabil und zweitens deutlich über Vor-Corona-Niveau, was sich auch auf den Verkaufswert der abgesetzten Räder auswirkt. Trotz sinkenden Verkaufszahlen bei Fahrrädern liegt der Wert deutlich über dem Niveau von 2019.

Das macht sich vor allem beim Verkaufswert bemerkbar. Mit 5,85 Milliarden Euro liegt dieser Wert knapp 50 Prozent über dem Wert von 2019 (4 Milliarden Euro) und fast doppelt so hoch wie 2018 (3,07 Milliarden) – bei wohlgemerkt weitgehend identischen Gesamtstückzahlen. Inflationsbereinigt liegt der Verkaufswert der Räder immer noch 22,6 Prozent über dem Wert von 2019. Das E-Bike ist in dieser Hinsicht ganz klar ein Segen.
Im Handel ist das allerdings nicht immer so zu spüren. Es fühlt sich gerade häufig nach Stagnation an. Seit 2020 verkauft der Handel recht stabil 2 bis 2,2 Millionen E-Bikes jährlich während gleichzeitig der unmotorisierte Anteil in der gleichen Zeit von 3,1 Millionen Stück auf nun 1,8 Millionen kontinuierlich und sehr stark gesunken ist. Wie gesagt: Diese nun 2 Millionen verkauften E-Bikes stabilisieren den Gesamtmarkt auf hohem Niveau. In Summe ist 2025 beim Verkaufswert der Fahrräder nun trotzdem das bislang schlechteste Jahr seit Corona. Man darf sich aussuchen, was man lieber betonen mag: Das immer noch viel höhere Niveau im Vergleich zu 2019 oder den seit Jahren stetig sinkenden Verkaufswert der Fahrräder.
Die weiter tobenden Rabattschlachten haben zu sinkenden Durchschnittspreisen geführt, ohne dass sich dadurch die Verkaufszahlen hätten erhöhen lassen. Auch das ist ein irritierendes Ergebnis der Marktdaten. Da könnte man sich schon fragen, ob die Rotstiftpreise wirklich ein funktionierendes Tool sind oder wie die Lage wohl wäre, wenn es dieses Instrument nicht gäbe.
Jedenfalls wurden nach ZIV-Zahlen 2550 Euro durchschnittlich für ein E-Bike gezahlt. Auch das ist der niedrigste Wert seit Corona und rund 13,5 Prozent weniger als beim Höchststand 2023 (mit 2950 Euro). Für die unmotorisierten Räder nennt der ZIV einen Schnitt von 500 Euro pro Rad (470 im Vorjahr). Dieser Anstieg sei wesentlich auf höher- und hochwertige Rennlenker-Modelle zurückzuführen. Trotzdem bleibt der Abstand zum Elektrorad insgesamt sehr groß.

2550 Euro gingen im Durchschnitt beim Verkauf eines E-Bikes im verganenen Jahr über die Ladentheke. Das ist zum zweiten Mal in Folge ein niedrigerer Wert als zuvor.

In den Daten von Bico und VSF zeigen sich deutlich höhere Durchschnittswerte. Mit 3972 für E-Bikes und 1445 Euro sind sie im Vergleich zum Vorjahr sogar deutlich gestiegen (3531 Euro für E-Bikes und 1367 Euro für Fahrräder). »Die durchschnittlichen Verkaufspreise bleiben im qualitätsorientierten Fachhandel stabil auf hohem Niveau. Insbesondere das Leasing-Geschäft und der Sportbereich sind hier wesentliche Faktoren«, heißt es von den beiden Verbänden.

Lagerkrise schon vorbei?

Eine spannende Zahl hat der ZIV mit der Inlandsanlieferung entwickelt. Dabei handelt es sich um die Zahl der Räder, die in den Handel geliefert werden. Wenn man diesen Wareneingang mit den gezählten Verkäufen vergleicht, hätte man ja einen guten Einblick, wie sich die Lagerbestände entwickeln. Dazu kommt als besonderer Reiz, dass man mit dem Jahr 2020 weiß, dass zu diesem Zeitpunkt die Lagerbestände auf ziemlich genau 0 gesunken sind. Aus dem Vergleich dieser Zahlen ergibt sich, dass in den letzten zwei Jahren die Lagerbestände deutlich abgebaut werden konnten. Allerdings kommt der ZIV für das Jahr 2025 nun auf einen Lagerbestand von gerade einmal 200.000 Rädern. Damit wäre die Lagerproblematik wieder mehr als aufgelöst, gar eine Knappheit im Markt zu sehen. Das entspricht offensichtlich nicht der Realität. Man darf vermuten, dass so mancher günstig vom Handel eingekaufte Posten nicht in die Berechnung eingeflossen ist.

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Die Rabatte der jüngsten Zeit wirken sich klar auf die erzielten Durchschnittspreise aus. Bei E-Bikes sind die Preise am stärksten gesunken.
Erstmals stellte auch der Branchenverband Zukunft Fahrrad gemeinsam mit den Kollegen seine Zahlen vor, die sich insbesondere um den Leasing-Markt drehen. Auch hier gab es bemerkenswerte Einsichten, aber
das Leasing-Geschäft ist einen eigenen Artikel wert.
Wenn es um die Kernbereiche Handel und Industrie geht, dann ist natürlich auch der weitere Ausblick für die neue Saison bemerkenswert. In der Umfrage von Bico und VSF waren die Erwartungen der Befragten Händler so ausgeglichen wie noch nie. Der ZIV geht tendenziell davon aus, dass sich die Lagersituation zum Ende des Jahres entspannen wird. Aber wenn man das drei Jahre hintereinander hört, dann will man es doch erst glauben, wenn man tatsächlich mal wieder ein halbwegs leeres Lager mit eigenen Augen sieht. Insgesamt ist die Lage nun seit Jahren nicht optimal. Die Branche geht gerade durch eine harte Probe. In den Zahlen finden sich aber auch einige Hinweise, dass der Fahrradmarkt ein robuster ist. Mit der Devise »Resilient im Gegenwind« beschreibt der ZIV die Situation auf den Punkt.

13. April 2026 von Daniel Hrkac

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