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coolmobility-Chef Axel Böse baut Räder, die Kindern Spaß machen
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Portrait - coolmobility

»Früher war das ­Fahrrad alternativlos«

Coolmobility-Chef Axel Böse über die ­Ver­än­­de­rungen im Markt für Kinder- und ­Jugendfahrräder.

{b}Axel Böse, wie hat sich der Markt für Kinder- und Jugendfahrräder in den ­vergangenen Jahren verändert?{/b}
Im Fachhandel hat eine Verschiebung hin zu großen Verkaufsflächen stattgefunden. Kleine Händler fokussieren sich meist auf E-Bikes, teils Sport- und Alltagsräder für Erwachsene, da sie schlicht nicht mehr den Platz für ein umfangreiches (Kinderrad-)Sortiment haben. Es gibt noch ein paar, aber generell geht der Trend klar zu den großen Fahrradfachmärkten. Diese sehen sich nach wie vor angespornt, auch weiterhin Kinder- und Jugendräder umfangreich anzubieten. Aber die viel größere Veränderung hat in der aktiven Nutzung des Fahrrades stattgefunden.

{b}Inwiefern hat sich hier etwas getan?{/b}
Früher war das Fahrrad als Fortbewegungsmittel für Kinder und Jugendliche alternativlos, wenn sie nicht zu Fuß gehen wollten. Es bedeutete Freiheit, sich unabhängig fortbewegen zu können. Sobald man sich auf einem Fahrrad halten konnte, ist man gefahren – mindestens bis man den Führerschein hatte. Heute sieht man in der Regel das folgende Phänomen: vor dem Kindergarten stehen noch massenhaft Räder – neue, gebrauchte, Lauflernräder, Fahrräder mit Stützrädern ... Schaut man dann auf den Hof einer Grundschule, ist das Bild ein ganz anderes, da findet man kaum Fahrräder, maximal Scooter. Die Kinder werden von den Eltern mit dem Auto gebracht, geradelt wird wenn, dann am Wochenende.

{b}Woher kommt das Ihrer Meinung nach?{/b}
Das liegt viel daran, dass in den meisten Schulen aktiv davon abge­raten wird die Kinder mit dem Fahrrad kommen zu lassen, bevor sie die Fahrradprüfung abgelegt haben. Und die ist meiner Ansicht nach in der vierten Klasse einfach zu spät angesetzt. Nach drei Jahren seit dem ­Kindergarten, ist die Fahrradroutine unterbrochen und nur schwer wieder zu etablieren.

{b}Kann man als Fahrradhersteller wie Sie einer sind dieser Entwicklung ­entgegenwirken?{/b}
In erster Linie sehe ich hier Handlungsbedarf bei der Schulpolitik, den Eltern und den Grundschulen vor Ort. Sie müssen entsprechende Strukturen schaffen und den Eltern die Sorge nehmen, dass das Fahrrad kein sicheres Fortbewegungsmittel für Grundschüler sei. Aber natürlich können auch Hersteller dazu beitragen, dass Kinder gerne Fahrrad fahren, indem sich jeder überlegt, wo man die Kinder mehr einbinden kann. Wir vereinen zum Beispiel in unseren Junior Bikes die Aspekte Sicherheit, Qualität und Style und engagieren uns in verschiedenen Initiativen oder unterstützen Händler und Unternehmen vor Ort bei der Durchführung von Fahrradparcours und ähnlichen Aktionen.

{b}Wo, glauben Sie, wird es mit dem Kinder- und Jugendrad-Markt hingehen?{/b}
Das Engagement im Kinder- und Jugendradsegment des klassischen Fahrradfachhandels ist durch das E-Bike tendenziell nach unten gegangen. Generell sehen wir aber trotzdem sehr positiv, dass die Großflächenanbieter im Fahrradfachhandel über 1000 Quadratmeter und mehr das Thema Kinder und Familie viel mehr nutzen. Sie freuen sich, wenn die ganze Familie kommt, sie lange bleibt und der Entscheidungsprozess länger dauert, weil es auch so viel anderes – zum Beispiel auch die neusten E-Bikes zu testen – gibt. Eine stationär zu beobachtende Entwicklung, die auch dem immer stärker werdenden Onlinehandel bei Kinder- und Jugendrädern entgegenwirken soll. Insgesamt sind aber wir alle, Eltern, Großeltern, Lehrer, Hersteller, der Fachhandel, die Medien sowie die Schulpolitik gefordert, die aktive Mobilität der Jüngsten zu fördern und keine zwangsweisen Unterbrechungen in der so wichtigen motorischen Entwicklung und im erfahren von Freiheit vorzunehmen.

21. August 2017 von Carola Felchner

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