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Das nach dem Alter des Unternehmens benannte Jahresrad heißt aktuell »132«.
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Report - Diamant

Geschliffener Diamant

Der ostdeutsche Fahrradhersteller Diamant positioniert sich trotz langer Rennrad-Tradition seit der Wende als Urban-Lifestyle-Marke. Die heutige Trek-Tochter präsentierte auch sehr früh ein erstes E-Bike-Modell. Die aktuelle auch Hochglanz geschliffene Pedelec-Linie soll an die alten Errungenschaften anknüpfen.

Die Trek-Gruppe ist mit ihren Marken so breit aufgestellt wie nur wenig andere Unternehmen der Bike-Branche. Die Fahrradmarken Trek, Diamant und Electra decken fast alle Segmente im Fahrradmarkt ab. Während die Hauptmarke sportlich orientiert ist, fokussiert sich Electra mit seinen auffälligen Fahrrädern auf das Cruiser-Segment. Bereits seit 2002 gehört auch der deutsche Traditionshersteller Diamant zum Trek-Konzern.
»Diamant ist eine Urban-Lifestyle-Marke«, sagt die zuständige Brand Managerin Anja Schmidt-Amelung. Der Schwerpunkt liege also auf Fahrrädern für die Stadt. »Commuting ist ein wichtiges Thema«, fügt Schmidt-Amelung hinzu. Durch Qualität und Design sollen die Diamant-Räder überzeugen. Als deutsche Traditionsmarke liegt der Schwerpunkt beim Vertrieb von Diamant weiterhin auf den deutschsprachigen Märkten.

Geschichte der Innovationen

In der langen Geschichte des 1885 in Reichenbrand bei Chemnitz gegründeten Fahrradherstellers Diamant hat sich dabei der Fokus natürlich mehrmals verschoben. Der unbescheidene Anspruch technologischer Führerschaft zieht sich jedoch durch die gesamte Historie. »Diamant war immer schon innovativ«, sagt Brand Managerin Schmidt-Amelung. So erfanden die beiden Diamant-Gründer, die Brüder Friedrich und Wilhelm Nevoigt, 1898 die Doppelrollenkette. Zu weiteren Innovationen der frühen Unternehmensphase zählen die Entwicklung des ersten frauenspezifischen Fahrrads (1924), die Konstruktion eines Lieferrads (1934) oder die Erfindung des Komfort-Lenkers. In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts galt Diamant als führende Marke im Radrennsport. Zu dieser Zeit wurden im Diamant-Werk auch Motorräder produziert. Kurzzeitig gehörte Diamant Ende der 20er Jahre zum Opel-Konzern, bevor dieser von General Motors übernommen wurde.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Diamant dem Radrennsport treu. Das Unternehmen produzierte das Einheits-Rennrad der DDR, mit dem die ostdeutschen Radsportler international erfolgreich waren. Aufgrund staatlicher Eingriffe verlor Diamant ab den 60er Jahren jedoch den Anschluss an internationale Entwicklungen in der Fahrradbranche. Erst nach der Wende und der Übernahme durch den Schweizer Fahrradhersteller Villiger gewann Diamant seine Innovationsfähigkeit zurück. Im Rennrad-Bereich jedoch gelang die Rückkehr auf den Markt nicht. Die jährlichen Retro-Modelle greifen die Rennrad-Tradition jedoch auf. Benannt ist dieses Jahresrad jeweils nach dem Alter der Marke, heißt in diesem Jahr also »132«. Gestaltet ist es zwar in Retro-Design, ausgestattet aber mit Technologie von heute.

Früher erster E-Bike-Anlauf

Dafür wurde bereits Anfang 1992 ein erstes Elektrofahrrad mit dem Namen Cityblitz vorgestellt. »Modisch auf Höhe der Zeit, technisch jedoch problematisch«, ordnete Extra Energy den Cityblitz im Nachhinein ein.
Unter der Regie von Villiger wurde 1996 das Werk in Hartmannsdorf bei Chemnitz bezogen. Nachdem Villiger und Diamant wirtschaftlich ins Trudeln geraten waren, sicherte die Übernahme durch Trek 2002 das Überleben der Marken – im Fall von Villiger jedoch nur bis 2014. Nach Einstellung der Schweizer Marke weitete Trek stattdessen das Vertriebsgebiet von Diamant auf die Schweiz aus. In Hartmannsdorf werden inzwischen auch Trek-Räder gefertigt.
Der nächste diesmal nachhaltigere Anlauf im E-Bike-Segment folgte für Diamant 2008, womit die Marke – selbst wenn man den ersten Versuch 1992 außen vor lässt – zu den frühen Einsteigern in diesem sich seitdem rasant entwickelnden Bereich zählt. Mit dem 2010 erstmals vorgestellten Zouma Supreme+ hatte Diamant auch bald ein S-Pedelec im Angebot.
In der Zwischenzeit war es um Diamant im E-Bike-Segment jedoch etwas ruhiger geworden. Seit vergangenem Jahr positioniert sich die Marke wieder stärker in diesem Bereich. »2016 haben wir unser Modell Juna+ – ein bisher einzigartiges Shopping E-Bike mit neuen Designstandards gelauncht«, so Brand Managerin Schmidt-Amelung, »und in diesem Jahr das Zouma+ und Zouma Elite+ in den Varianten 25km/h und 45km/h mit im Rahmen integriertem Antriebssystem, innenverlegter Kabelführung und diversen anderen Innovationen und Neuheiten.«

Öffentlichkeitswirksamer Produktlaunch

Die Präsentation der neuen E-Bikes fand jeweils in prominentem Rahmen in Berlin statt. Im vergangenen Jahr stand TV-Moderator und Modedesigner Guido Maria Kretschmer als Markenbotschafter Pate. Die Zouma-Modelle für 2017 wurden Anfang März in einem stillgelegten Berliner U-Bahn-Tunnel vorgestellt. Diese Maßnahmen sollen die Wahrnehmung von Diamant als E-Bike-Marke wieder stärken.
Insgesamt 17 Pedelec-Modelle führt Diamant im aktuellen Modelljahr im Programm. »E-Bikes sind ein Hauptthema«, sagt Schmidt-Amelung. Für das Jahr 2018 kündigt sie einen weiteren »großen Entwicklungsschritt« an. Insbesondere bei Tiefeinsteigern sollen im kommenden Jahr weitere neue E-Bikes auf den Markt kommen. Die neuen Modelle seien das Ergebnis intensiver Entwicklungsarbeit: »Eine E-Bike Neuentwicklung dauert – wie in der Automobilbranche – rund drei Jahre«, erklärt Schmidt-Amelung. Nach vielen Jahren enger Zusammenarbeit mit dem austro-kanadischen E-Bike-Ausrüster Bionx werden die aktuellen Diamant-Pedelecs mit dem Bosch-Antrieb ausgestattet. Das werde auch so bleiben Schließlich zählt die Trek-Gruppe inzwischen zu den Entwicklungspartnern des deutschen Antriebslieferanten.
So sind nicht nur die E-Bikes von Diamant, sondern auch der anderen Konzernmarken Trek und Electra mit Bosch-Motoren ausgerüstet. Die kalifornische Cruiser-Marke hatte bereits vor der Übernahme durch Trek 2014 Pedelecs im Programm. Aktuell stehen drei Modelle mit elektrischer Unterstützung zur Auswahl, die deutlich als solche zu erkennen sind. Der Electra-typische Cruiser-Rahmen setzt der Systemintegration seine Grenzen.

Trek setzt auf E-Mountainbikes

Bei Trek sind es genauso wie bei Diamant 17 E-Bikes, darunter elf E-Mountainbikes. Der Fokus liegt also entsprechend der Markenausrichtung stark auf sportlichen Modellen. Insgesamt machen E-Bikes allerdings nur einen vergleichsweise kleinen Teil des gesamten Fahrradprogramms aus. Das sieht bei europäischen Fahrradherstellern schon teilweise anders aus. So hat die Accell-Gruppe bekanntlich mehr Umsatz mit E-Bikes als mit herkömmlichen Fahrrädern erzielt.
Dass Trek ähnlich wie Specialized wohl noch etwas von einer solchen Umsatzaufteilung entfernt ist, mag mit dem US-amerikanischen Heimatmarkt zusammenhängen. Hier nimmt das E-Bike-Segment erst langsam Fahrt auf. Besonders E-MTBs erfreuen sich jedoch inzwischen steigender Beliebtheit. Als »Synonym« für die motorisierten Mountainbikes gelten in den USA jedoch nicht Trek oder Specialized, sondern die deutsche Marke Haibike, wie die Fachzeitschrift »Bicycle Retailer« kürzlich schrieb.
So scheint die Trek-Gruppe sowohl auf dem europäischen als auch auf dem sich später entwickelnden amerikanischen E-Bike-Markt Nachholbedarf zu haben. Mit den aufwändigen Neuheitenpräsentationen der Diamant-Pedelecs ist es zumindest gelungen, die deutsche Traditionsmarke auch für E-Bikes wieder stärker in der Öffentlichkeit zu positionieren. Das dürfte nur ein erster Schritt sein.

Horizontale und vertikale Integration

Was die Gesamtausrichtung des Unternehmens angeht, ist die Trek-Gruppe durch seine Fahrrad- und Zubehörmarken bereits breit aufgestellt. Insbesondere auf dem Heimatmarkt wurden auch bereits erste Schritte in Richtung Vertikalisierung gemacht: Das geht über Marken-Stores hinaus, die es von Trek – und seit vergangenem Jahr von Electra – auch in Deutschland gibt. Über einen Trek-eigenen Webshop können US-Kunden Fahrräder direkt kaufen. Dabei ist der Fachhandel eng eingebunden: Auslieferung und Service laufen über den jeweils nächstgelegenen Trek-Händler. Immer stärker wird der Fahrradhersteller auch selbst zum (stationären) Händler. So hat Trek zuletzt diverse kleinere Fachhandelsketten in den USA übernommen. Auf den europäischen Markt habe dies keine Auswirkungen.
Für die Kommunikation mit europäischen Händlern setzt Trek schon seit einigen Jahren auf eigene Veranstaltungen wie die Trek World. Zumindest mit der Marke Electra ist das Unternehmen auch nach wie vor auf der Eurobike vertreten. Die Trek-Gruppe schlägt also eigene, von Marke zu Marke teils unterschiedliche Wege ein. Auf dem deutschsprachigen Fahrrad- und E-Bike-Markt spielt dabei der Traditionshersteller Diamant eine wichtige Rolle.

26. Juni 2017 von Oliver Bönig

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