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Foto: Fairnamic
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Viele offene Fragen

Heiße Tage auf der 34. Eurobike in Frankfurt am Main

Es war eine Eurobike unter besonderen Vorzeichen: Aufgrund der Vielzahl von Absagen auf Ausstellerseite war die Erwartungshaltung für die Fahrradmesse sowohl auf Seiten von Ausstellern als auch den Organisatoren eher gering. Die im Schlussbericht vermeldeten Besucherzahlen unterstreichen dies jetzt auch. Richtungsweisend war die 34. Ausgabe in Frankfurt am Main jedoch trotzdem, und zwar auch über die Fragen zur Messezukunft hinaus.

Die jetzt zu Ende gegangene Eurobike war ein Schatten früherer Jahre. Das war angesichts einer ausgedünnten Ausstellerliste nicht anders zu erwarten. Insbesondere aus inländischer Sicht gab es nur wenige relevante Fahrradmarken zu entdecken, wie z.B. Raymon, Hepha und Rotwild oder Direktversender Canyon, der sich groß in Halle 11.0 und auf dem Testgelände präsentierte. Insofern überraschen die von Fairnamic gemeldeten drastischen Besucherrückgänge nicht: Die Fachbesucherzahl halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 15.130, zum Festivaltag, der sicher unter der großen Hitze mit bis zu 40 Grad Celsius litt, kamen 8.970 Personen. Im Vorjahr waren es an zwei Festivaltagen noch etwas mehr als 30.000.
Philipp Ferger, Geschäftsführer des Eurobike-Veranstalters Fairnamic, erklärt dazu: „Die Eurobike 2026 war genau das, was wir gemeinsam mit der Branche erwartet haben: eine Messe der Transformation. Dabei war die Internationalität der Besucher zu zwei Dritteln europäisch, zu einem Drittel außereuropäisch. Die mediale Reichweite der Eurobike in den letzten sieben Tagen ist mit über 440 Millionen mehr als beachtlich. Außerdem stieg die Qualität der Fachbesucher deutlich auf 71 Prozent Führungskräfte im Vergleich zu 2025 (58 %)."

Apropos Hitzewelle: Da muss man den Messeverantwortlichen durchaus ein Kompliment machen. Die Messehallen, insbesondere 11 und 12, waren sehr gut klimatisiert, sodass eine angenehme Arbeitsatmosphäre geschaffen wurde und die große Hitze nur im Freigelände und auf verschiedenen Zwischengängen unangenehm auffiel. Für den Festival-Samstag wurde Ausstellern im Freigelände spontan eine Möglichkeit in der Messehalle 10 geschaffen und eine Teststrecke im Kühlen eröffnet. Manche Aussteller machten davon Gebrauch, unter anderem HP Velotechnik, wo sich am Nachmittag offenbar lange Schlangen für Testfahrten gebildet haben.

Messelandschaft in Bewegung

Die Hitze selbst war jedoch weniger Gesprächsthema als vielmehr die Zukunft der Messelandschaft insgesamt in Deutschland und darüber hinaus. Befeuert wurde dies sowohl vom Zweirad-Industrie-Verband, der kurz vor Eurobike-Beginn seine Terminpläne für die Towards Tomorrow European Bike Show offenbarte (velobiz.de berichtete) und Eurobike-Fairnamic mit der Ankündigung des geplanten Wechsels auf einen zweijährigen Rhythmus ab 2027 und der Vorstellung des neuen Show-Directors Matthias Pietsch.
Damit wurden den Beteiligten der Fahrradbranche sicherlich einige Antworten geliefert, aber auf der anderen Seite noch mehr neue Fragen offengelassen. Können beide Messen im kommenden Jahr parallel stattfinden? Welche Relevanz haben die einzelnen Messen für die jeweilige Zielgruppe? Was wird eigentlich aus der Bico-Hausmesse in Kassel im Jahr 2027? Welche Messe wird für mich als Aussteller die Richtige sein?
Verlässliche Antworten konnten in den vielen Gespräche - und die gab es an den Messeständen, auf den Gängen und den vielen Begegnungsflächen zuhauf - nicht gegeben werden. Der neue Show-Director Matthias Pietsch sagt dazu: „Die vielen Gespräche während der Eurobike haben gezeigt, wie groß die Bereitschaft ist, die Zukunft der Leitmesse gemeinsam weiterzuentwickeln. Dieses Feedback werden wir jetzt sorgfältig auswerten und für 2027 den geschäftlichen Nutzen für unsere Aussteller und Besucher noch stärker in den Mittelpunkt stellen. Jetzt geht es auch darum, führende Marken wieder nach Frankfurt zurückzuholen.“
Eine Hercules-Aufgabe für den neuen Show-Director, zumal eines aus vielen Gesprächen in Frankfurt deutlich wurde: Die neue Fahrradmesse in Köln hat in Bezug auf die Fachhandelsansprache durch die Mitwirkung der großen Einkaufsverbände im deutschsprachigen Raum die besseren Trümpfe in der Hand. Das dürfte auch Zugkraft für viele weitere für den deutschen Markt relevante Fahrrad- und Zubehörmarken haben. Dass das neue Messeformat des ZIV in Köln sich als neuer Treffpunkt für die inländische und europäische Fahrradbranche etablieren kann, daran wird kaum gezweifelt.
Doch welche Rolle kann die Eurobike in dieser Gemengelage noch spielen? Die Eurobike-Organisatoren um Philipp Ferger und Show-Director Matthias Pietsch sind um ihre schwere Aufgabe nicht zu beneiden. Aber einfach war es auch in der Vergangenheit nie, das Eurobike-Schiff auf Kurs zu halten.

Neue Platzhirsche?

Zwei chinesische Hersteller von Antriebssystemen haben auf der diesjährigen Eurobike für besonders viel Gesprächsstoff gesorgt, und zwar nicht nur, weil sie an exponierter Stelle und großer Präsenz in Halle 12 die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Die Rede ist von Gobao und Avinox. Beide Unternehmen zeigten auf der Eurobike erstmals u.a. ein Antriebssystem mit integrierter Schaltung und zahlreichen spannenden Detail-Lösungen, die aufhorchen lassen (velobiz.de berichtete) . Aufhorchen lassen aber auch die Ankündigungen der beiden Unternehmen, über die teilweise hinter vorgehaltener Hand gesprochen wurde. Von Avinox bestätigt wurde, dass im kommenden Jahr über 60 Fahrradmarken Modelle auf den Markt bringen werden, die mit Avinox-Antriebssystemen ausgerüstet sind, darunter auch großvolumige Fahrradhersteller. Gleiches gilt auch für Gobao, wo auf der Eurobike Gerüchte die Runde machten, dass im kommenden Jahr renommierte Fahrradmarken aus dem sportiven Bereich auf diesen Antrieb setzen werden.

Gestern um 09:10 von Jürgen Wetzstein

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