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Interview - Alteos

»Helm, Schloss, Versicherung – das ist der natürliche Dreiklang«

E-Bikes sind kostspielig, die Technik komplex und die Diebe inzwischen sehr professionell. Für den Fachhandel bietet das Thema Versicherung enormes Potenzial – wenn man sich auf das Thema einlässt. Alteos-Geschäftsführer Sebastian Sieglerschmidt und Vertriebschef Dominik Wittenbrink über neue Produktlösungen für die Saison 2026, warum Leasing-Räder oft unterversichert sind und wie Verkäufer emotionale Hürden abbauen.

Herr Sieglerschmidt, Herr Wittenbrink, die Saison 2026 steht vor der Tür. Wie bereitet man sich als Versicherer auf das aktuelle Branchenumfeld vor, um selbst in herausfordernden Zeiten zu bestehen?

Dominik Wittenbrink: Wir haben unser Portfolio massiv vereinfacht. Ab diesem Jahr gibt es nur noch ein Produkt für alle Räder – egal ob Neurad, Gebrauchtrad oder ein »Refurbished Bike«. Alles läuft über einen Tarif zu identischen Konditionen. Besonders spannend für den Handel ist unser neuer »Leasing-Zusatz«. Wir haben festgestellt, dass viele Dienstradverträge Lücken aufweisen. Unser Produkt deckt diese ab und schützt zusätzlich das private Investment des Nutzers. Denn oft wird bei einem Diebstahl nur die Leasing-Bank entschädigt, aber die bereits gezahlten Raten des Kunden sind weg. Hier bieten wir eine Lösung.
Sebastian Sieglerschmidt: Dieser Impuls kam direkt aus dem Handel. Viele unserer über 1500 Partner berichteten uns von enttäuschten Kunden, die mit ihrem Leasing-Rad in die Werkstatt kamen, nur um festzustellen, dass Verschleiß oder bestimmte Reparaturen in ihrem Leasing-Vertrag gar nicht abgedeckt waren. Unser Ziel war ein echtes »Rundum-sorglos-Paket«, damit Händler und Kunden nicht erst das Kleingedruckte studieren müssen.


Direkt beim Kauf funktioniert der Versicherungsabschluss bekanntermaßen am besten. Die Kundschaft will ihre Investition schützen.

Ein großes Thema ist der Anschluss nach dem Leasing. In der Regel übernehmen die Kundinnen und Kunden ihr drei Jahre altes, hochwertiges Rad, meistens aber ohne weitere Versicherung. Wie geht es da weiter?

Wittenbrink: Das ist ein entscheidender Punkt. Der Kunde kann sich bis zu drei Monate nach Leasing-Ende für eine Anschlussversicherung entscheiden. Der Clou dabei: Wir versichern zum ursprünglichen Neuwert, ohne Zeitwertabzug. Ein drei Jahre altes E-Bike ist oft noch in Top-Zustand. Würde man es privat als Gebrauchtrad versichern, wäre die Deckungssumme meist nur der Rechnungswert des Gebrauchtkaufs – also beispielsweise 800 Euro Restwert bei einem ehemals 5000 Euro teuren Rad.

»Erfolgreiche Verkäufer argumentieren daher emotional, nicht technisch.«Sebastian Sieglerschmidt, CEO Alteos

Das reicht im Schadensfall hinten und vorne nicht, da ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Bei uns bleibt der Schutz auf dem Niveau des Neupreises.

Im High-End-Bereich erreichen die erzielten Verkaufspreise inzwischen bemerkenswerte Höhen. Reichen die bisherigen Deckungssummen aus?

Wittenbrink: Wir haben reagiert und die Versicherungssumme auf bis zu 20.000 Euro erhöht, inklusive Zubehör und Schloss. Damit decken wir auch das absolute Premium-Segment ab. Neu ist zudem, dass wir Fahrten in Bikeparks mitversichert haben. Das ist ein wichtiger Punkt für Kunden in Bergregionen und Österreich. Auch unser Mobilitätsschutz greift jetzt ab der Haustür, nicht erst ab einem bestimmten Radius. Wenn das Rad nicht mehr fahrbereit ist, holen wir es ab und bringen es in die Werkstatt.

Kommen wir zur Praxis im Laden. Viele Händler wollen Fahrräder verkaufen, keine Versicherungspolicen beziehungsweise tun sich schwer mit diesem Produkt. Wie gelingt der Verkauf am besten?

Sieglerschmidt: Fahrradhändler sind Überzeugungstäter, sie wollen ihre Kunden mobil und glücklich machen. Erfolgreiche Verkäufer argumentieren daher emotional, nicht technisch. Es geht um Leidenschaft und ein Investitionsgut. Ein Kunde, der 4000 Euro für ein E-Bike ausgibt, hat Angst vor Diebstahl. Wenn man Versicherung als Teil des Service-Angebots versteht, dann funktioniert das. Helm, Schloss, Versicherung – das ist der natürliche Dreiklang und gehört für uns zusammen. Unsere Studien zeigen zudem: Über 10 Prozent der Kunden wollen aktiv über Versicherungen sprechen, bei Frauen und urbanen Zielgruppen sind es sogar bis zu 16 Prozent. Wer als Händler unter diesen Werten liegt, hat also noch Potenzial.
Wittenbrink: Der Schlüssel liegt darin, das Thema ganz natürlich in den Verkaufsprozess und das Zubehörgespräch einzubauen. Die Versicherung ist die »Fallback-Option«, falls das Schloss doch mal versagt. Das kann man gut vermitteln.

Ein Verkaufshemmnis sind oft lange Vertragslaufzeiten. Wie flexibel ist das neue Modell?

Wittenbrink: Wir setzen auf radikale Flexibilität, um Hürden abzubauen. Das beginnt bei den Laufzeiten: Unsere Verträge sind zwar theoretisch unbegrenzt, bieten dem Kunden aber ein tägliches Kündigungsrecht mit taggenauer Abrechnung. Das schafft Vertrauen im Verkaufsgespräch.

Das eine ist die Kundschaft, das andere die Vorteile für den Handel. Wie wird der Versicherungsverkauf für den Händler vergütet?

Sieglerschmidt: Händler sehen ihre Provisionen jetzt in Echtzeit. Zudem haben wir das Vergütungsmodell flexibilisiert: Partner können ab 2026 zwischen der klassischen laufenden Provision oder einer einmaligen Abschlussprovision wählen.

»Unsere Verträge sind zwar theoretisch unbegrenzt, bieten dem Kunden aber ein tägliches Kündigungsrecht mit taggenauer Abrechnung.«Dominik Wittenbrink, CSO Alteos

Wie unterstützen Sie den Handel dabei, seine Prozesse effizient abzuwickeln?

Sieglerschmidt: Technisch haben wir das Partnerportal komplett überarbeitet. Händler können Marketingmaterialien direkt herunterladen und mit wenigen Klicks Angebote per E-Mail versenden. Dort verwaltet er auch Schadensübersichten und kann alle Informationen einsehen. Unser Ziel ist es, den administrativen Aufwand so gering wie möglich zu halten, damit sich der Handel auf das konzentrieren kann, was er am liebsten macht: Räder verkaufen. //

1. April 2026 von Daniel Hrkac

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