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Neuheiten und Entwicklungen auf der Spezi 2026

Hier ist alles möglich

Die Spezi war schon immer ein kreativer Schmelztiegel der Branche – man denke nur an die vielen Räder mit E-Unterstützung in Germersheim in den Nullerjahren, als vom E-Bike in der Branche selbst noch kaum die Rede war. So gesehen war die Messe auch immer eine Vision der Fahrrad-Zukunft. Das scheint in Freiburg, der „neuen Heimat“ der Messe (…)

Foto: Georg Bleicher - Schwerlasthänger von Bibbi BikesFoto: Georg Bleicher - Brompton x Rohloff Foto: Georg Bleicher - HP Velotechnik mit dem Delta TX und UntenlenkerFoto: Georg Bleicher - Gretel von Faltradhersteller Bernds Foto: Georg Bleicher - ICE x Cixi-Antrieb Foto. Georg Bleicher - Komfortneuheit von Van RaamFoto: Georg Bleicher - Velofracht aus BerlinFoto: Georg Bleicher - Zox Dream 28Foto: Georg Bleicher - Tasche von Fahrer Berlin

(…) nicht viel anders zu sein: Neue technische Lösungen oder doch zumindest bislang im Verdeckten Entstandenes hatte auch dieses Jahr hier einen echten Run.

Gretel bleibt aufrecht


Eine solche schon vorhandene, aber noch wenig wahrgenommene Lösung zeigte Faltrad-Hersteller Bernds an seinem Cargo Gretel: Das Unternehmen vom Bodensee hat eine Kippsicherung für Aufrecht-Dreiräder entwickelt. Durch Reibkupplungen an den beiden Hinterrädern ist er so etwas wie ein mechanisches ESP. Je schneller man in die Kurve geht, desto mehr wird das kurvenäußere Rad verzögert. Effekt: Es zieht so zunehmend aus der Kurve heraus. Tatsächlich kann man mit dem Rad um die Ecken düsen und spürt am Lenker einen deutlichen Hinweis des Rads, die Kurve weniger zackig anzugehen, sprich: Es funktioniert, selbst einhändig durch die Kurve ist kein Problem.
Die relativ einfache Idee verlangte vom Konstrukteur eine doch aufwendige Lösung, die bei Bernds auf der Basis von modifizierten Trommelbremsen angegangen wurde. Schon optisch steckt feine Technik unter dem Gretel-Sattel. Mit den zwei Steckachsen erreicht Bernds außerdem ein kleines Faltmaß des Sattel-Dreirads – die Transport-Option ist für die Klientel wesentlich, weiß der Unternehmer. Mit Nexus 8-fach, der Di2-Ausführung der Nabe oder Rohloff und vielen Individualisierungen zu haben. Einstiegspreis mit Alltagsausstattung: 7.400 Euro.

Hightech bringt Komfort


Heimliche Premiere hatte auf der 26er Spezi das neue Van Raam-Sesseldreirad. Der Easy Rider Compact+ ist eine Update-Version des Easy Rider Compact, einem beliebten Rads der Niederländer. Das Rad ist optisch meilenweit vom Reha-Image entfernt – eine Entwicklung, die sich das Unternehmen in den letzten Jahren auf die Fahnen geschrieben hat – und bietet eine Unmenge an sinnvollen technischen Lösungen. Unter anderem gibt es Wattmesser im Antrieb, die dafür sorgen, dass das Antriebssystem unterschiedlich leistungsfähige Beine erkennt und so bei jedem Pedaltritt die entsprechende Unterstützung zuliefern kann. Ein „Eiern“ durch stark unterschiedliche Beinkräfte wird dadurch also ausgeschlossen. Fürs Rangieren gibt’s einen Rückwärtsgang. Auch das Motorsystem wurde vom Unternehmen selbst entwickelt. Worauf die Niederländer aber Besonderes stolz sind, ist das kleine „+“ im Namen. Mit einem völlig neu entwickelten Federungssystem, einer Kombination zwischen Highend-Elastomer und Stahlfeder, rückt man der ganzen Bandbreite von Vibration und Stößen auf dem Sesselrad zu Leibe. BiSSA (Bi-Spring-Stoßdämpfer) heißt das Zauberwort und soll durch die Verhinderung jeglicher Reibung ein extrem geringes Losbrechmoment haben – die Federung spricht also sehr fein an. Das wird unter anderem durch das als Cellasto bekannte Elastomer-Material optimiert. Das Rad soll eine neue Komfort-Zeitalter einleiten. Ganz nebenher will man damit auch dem Verschleiß beikommen: Das Federungssystem arbeitet laut VanRaam wartungsfrei. Adieu Ölflecken und Ringdichtungen.

Tiefergelegt und gut im Griff


Trike-Spezialist HP Velotechnik zeigte seine Untenlenker-Version des Delta TX. Die meisten FahrerInnen von Tadpole-Trikes (zwei Räder vorn, eines hinten) schwören auf den Untenlenker, der eine natürliche Arm- und Schulterhaltung bietet. Arme fallen lassen, und die Hände greifen quasi automatisch an den Lenker. Obenlenkerhaltung kann auf längeren Fahrten eher zu Verspannungen führen. Für Umsteiger vom Zweirad ist das die natürliche Haltung, die sie kennen und schätzen, und auf die sie oft nicht verzichten wollen. Räder für Ältere und Menschen mit Beeinträchtigungen sind daher oft obengelenkt, und für den Alltag ist das sicher auch sinnvoll. „Die Entwicklung für den TX-Untenlenker war kein Klacks, da steckt viel Hiernschmalz drin“, so Heiko Tuppel von HP. Denn neben dem gewohnten hohen Anspruch des Unternehmens hatte man sich auch noch ein Ziel gesetzt: Integratives herangehen. So sind Lenker und Sitz gekoppelt, was eine sehr einfache Verstellung ermöglicht. Wird die Beinlänge verstellt, bleibt das bereits einmal ergonomisch fixierte Verhältnis Sitz zu Lenker erhalten. Ermöglicht wird das unter anderem durch einen Schlitten, der die gesamte Lenker-/Sitzeinheit aufnimmt und führt. Praktischerweise gleitet er entlang einer Skala, sodass unterschiedliche Fahrer ihre Einstellungen schnell wiederfinden. HP bietet auch einen Umrüst-Kit für BesitzerInnen mit Obenlenker-Delta an. Preis für das Untenlenker-Modell: ab 6949 EUR.

Faltmonster


Der Auftritt: robust. Das Faltmaß: eher handlich. Das neue Sattel-Dreirad zum Falten Etnnic Folding 3.0 überrascht mit einem einfachen und effizienten Faltvorgang, dem man dieser Rahmenoptik nicht zugetraut hätte. Das baskische Unternehmen, das vor Ort entwickelt und fertigt, hat zehn Jahre Erfahrung mit Spezialrädern, und die sieht man diesen an. Erst die beiden Rad-Ausleger an der Front vorne entsichert und nach vorne gefaltet, dann schiebt man die Sattelstütze ein und klappt das Hinterrad am Rahmenscharnier zwischen die beiden Ausleger. Sattel und Lenksäule einklappen, und am Lenker kann man dann das 30-Kilo-Paket dank Rollen unter dem Träger auch noch schieben. Auch entfaltet macht das 3.0 eine gute Figur. Man sitzt wie auf einem sportlichen Tourenrad, das Handling ist für ein Dreirad fast schon zu wendig, macht aber einen sicheren Eindruck. Ein Bafang-Mittelmotor unterstützt, geschaltet wird mit Shmano Nexus 8-fach. Einstiegspreis: 5995 EUR.

Kettenfrei und Spaß dabei


Einen echten Gamechanger, will man das Wort gebrauchen, sahen manche Messebesucher in dem Chainless-Rad des britischen Trike-Hersteller ICE. Tatsächlich liefert Cixi, Spezialist für Parallel-Hybride Antriebe und selbst mit einen Stand auf der Spezi vertreten, das Antriebssystem für das ausgestellte Modell Adventure HD 26 RS. Statt an einem Kettenblatt sitzen die Kurbeln an einer Art Generator, der beim Pedalieren den Strom produziert, mit dem der Heckmotor angetrieben wird.
Es gibt schon seit Jahren immer wieder Prototypen und in anderen Bereichen, wie Lastenrad und Velocars wie den Hopper, auch Serienmodelle, die ohne Kette auskommen. Mit dem ICE Trike produziert aber wohl erstmals ein größerer Hersteller vorwiegend in der Freizeit genutzter Trikes ein kettenloses Rad in Serie. Cixi ist es immer mehr gelungen, mit seinen Systemen ein natürliches Pedalgefühl zu erzeugen – das ehemals größte Problem solcher Entwicklungen. Jetzt traut man sich an Fahrzeuge, die traditionell durch Fahrspaß überzeugen. „Wie eine Automatik“ erzählten tatsächlich Testfahrer, die von diesem Adventure mit Cixi Pers-Antrieb stiegen. Natürlich gibt es auch hier verschiedene Unterstützungslevels und das Rad lässt sich sogar per Rücktritt bremsen, wobei rekuperiert, also Ladung zurückgewonnen wird. Besondere Vorteile liegen vor allem im Fehlen des gesamten mechanischen Antriebs inklusive Schaltung, was den gröbsten Verschleiß und damit auch laufende Kosten eliminieren soll. Zunächst muss man allerdings etwas tiefer in die Taschen langen: 11.287 Euro kostet das ICE mit Pers-Antrieb.

Simpel und stark


Mechanisch einfacher soll die Technik auch im „antriebslosen“ Bereich werden: Bibby Bikes stellte seinen Anhänger vor, der diesen Sommer in Serie gehen soll: 1,60 x 0,80 m Ladefläche, 12-Zoll-Räder und eine Drehschelllenkung, so die Eckdaten. Ein umlaufender Stahlrahmen mit dazwischenliegender Holzplatte stellt die Basis. „Vier 12-Zoll-Räder sorgen für einen niedrigen Schwerpunkt, ihre Positionierung unter der Ladefläche dafür, dass auch überstehende Fracht transportiert werden kann, ein wesentliches Kriterium“, erklärt Matthew Bibby, der Gründer des Unternehmens. Eine Auflaufbremse an der Deichsel wirkt auf die beiden Bremsscheiben an den Hinterrädern und schafft so Sicherheit. 200 Kilogramm Traglast schaffen einen breiten Einsatzbereich. Das Vierrad-Konzept war ein Must: Schließlich sollte der Hänger ohne Stütze sicher abgestellt werden können. Bibbys Ansatz bei der Entwicklung: „Mit dem Fahrrad muss fast alles an Transport möglich sein!“ Gut verfügbare (Fahrrad-)Komponenten machen Reparaturen einfach. Entwicklung, hochwertiges Material und viel Drumherum schrauben aber den Kaufpreis auf rund 3000 Euro. Im Sommer 2026 soll die erste Serie entstehen.

Spezialisten fürs Detail


Dass es in der Spezialradbranche nerdig zugeht, war auch in Freiburg vielfach zu beobachten. Detaillösungen sind nie zu klein für diese Messe, Liebhaberei schon gar nicht. So war am Stand von Schaltungshersteller Rohloff auch ein Kit von Eerder Metaal, zu sehen, mit dem das Modell G auf Rohloff umgerüstet werden kann. Über den Webshop des niederländischen Unternehmens, das sich durch Umbauten einen Namen gemacht hat, erhält man für 572 Euro das Standard-Kit zur Umrüstung. Von der Achsaufnahme über die Kettenführungsschiene bis zu den Kettenleitrollen ist hier alles auf die Rohloff-Nabe ausgerichtet – Eerder Metaal bringt somit die Ausführung des G3, die Brompton leider nicht anbietet. Achtung: limitierte Kapazitäten!

Lieger aus Leidenschaft


Als einer der ersten Aussteller der Spezi-Geschichte überhaupt zeichnete Sergio Gomez mit seiner Marke Zox. Erkennungszeichen: Vorderradantrieb. Mittlerweile ist er neben den Veranstaltern Wolf & Wolf, HP Velotechnik und Azub einer der wenigen mit Liegezweirädern im Programm. Im Hinblick auf den aktuellen Rennrad-Boom bringt er aktuell einen schnellen, halbhohen und minimalistisches 28er Liege-Renner auf die Piste. Mit hochwertigen Rotor-Aldhu und Shimano Ultegra-Di2-Komponenten kommt das Rad auf gut 12 Kilogramm. Die Elektronik ist im Rahmenstummel, auf dem der Umwerfer sitzt. Sicher kein Rad für den Berg, aber in der Ebene dürfte mancher Rennradler auch aufgrund der guten Aerodynamik des Liegerads mit seiner kleinen Stirnfläche das Nachsehen haben. Natürlich 6900 Euro in der beschriebenen Ausführung, und mit noch vielen Möglichkeit auf individuelle Ausstattung. Schade, dass die UCI da nicht mitspielt …

Transport für Minimalisten


Zum Transportieren auf dem Renner oder dem minimalistischen Fixie: Fahrer Berlin, die Marke für Rad-Accessoires von Szene bis Alltag, stellte auf der Spezi mit der Musette eine neue kleine Tasche vor. Nur knapp Schulterbreit, flach und schlicht gehalten passt der kleine Einkauf rein. Wichtig daran: Durch ein sinnig einstellbares Riemchen-System liegt die Rückentasche immer gut an und soll auch bei sportlicher Haltung auf Berliner Kopfsteinpflaster nicht vom Rücken auf den Bauch rutschen. Wird sie nicht gebraucht, kann sie auf Faustgröße zusammengelegt und in einer integrierten Tasche verstaut werden. Die kann wiederum mit einem kleinen Riemchen am Rahmen befestigt werden. Kostenpunkt: 39 Euro.

Das Velo als Kommunikationsmittel


Nico Jungel ist zum ersten Mal mit Velofracht auf einer Messe – dabei sollte die ganze Rad-Branche mehr mit seinem Thema agieren: Er entwickelt Aufbauten, vor allem für Lastenräder. Dabei geh es besonders um Kommunikation und Konsum: Infostände für Kampagnen, Verkaufsstände - eben alles was man mit dem (Lasten-)Rad machen kann - bis hin zur mobilen Drogenberatung. Ein gutes Beispiel für seine Kreativität: Eine mobile Arztpraxis, die er entwickelt hat – inklusive Platz fürs Ultraschall-Gerät. Zusammen mit einem Team wird nicht nur entwickelt und CAD-konstruiert, die meisten Aufbauten werden auch von Velofracht in der eigenen Werkstatt aufgebaut. Dabei gibt es Standardkonzepte, die für viele Zwecke genutzt werden können und Sonderanfertigungen für spezielle Zwecke und eigene Kunden-Vorstellungen. „Das Fahrrad ist nicht nur mobil, es ist so niederschwellig, sodass man damit viel Nähe und bessere Erfolge erzielen kann als mit manch anderen Standkonzepten“, weiß er.

Was die Spezialradbranche dafür tut, dass das Rad so anziehend bleibt, hat die Spezi 2026 jedenfalls eindrucksvoll gezeigt – auch mit frischen Ideen und Entwicklungen.

Heute um 09:37 von Georg Bleicher

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