
„Zuversichtlich in die Velozukunft“
InfoTech erzeugt positive Grundstimmung
Die InfoTech hat bei der 23. Ausgabe ihre Sonderstellung als Branchentreff für Industrie, Fachhandel und Verbände in der Schweiz untermauert. Nicht nur wieder mit einem breitgefächerten Programm, das Schulung, Austausch und Diskussion auf einen Nenner brachte, sondern auch mit wieder steigenden Besucherzahlen. 758 Tickets wurden für den zweitätigen Fahrradfachhandels-Schulungsanlass im Seminarhotel Sempachersee in Nottwil abgesetzt. Was besonders erfreulich ist: Das Event am 19. und 20. Januar erlebte eine deutliche Verjüngung. 130 Lernende ließen sich von den 250 Seminaren und drei Foren in Technik, Betriebswirtschaft, Verkaufstraining, Mitarbeiter- und Unternehmensführung auf den aktuellen Wissensstand bringen.
Die 23. InfoTech begann am Montagmorgen sogleich mit dem ersten Highlight. Die Begrüßung, die zugleich das erste von drei Foren war, förderte Parallelen zutage, die die Velofahrenden in der Schweiz auf bessere Zeiten hoffen lässt. Es sprach die neue Velosuisse-Präsidentin Nathalie Schneitter sowie 2-Rad-Schweiz-Präsident Robert Weishaupt. Sie äußerten sich in vielen Bereichen übereinstimmend. So müsse die Velobranche ihren Einfluss in Bundesbern noch deutlicher geltend machen. Mit vereinten Kräften steige die Chance deutlich, politische Ziele zu erreichen.
Herausforderung Fachkräftemangel
Das zweite Forum nach dem Mittagessen widmete sich der Thematik des Fachkräftemangels und wie ihm mit attraktiven Anstellungsbedingungen und guter Ausbildung entgegengewirkt werden kann. Laurens van Rooijen, Redakteur des Fachmagazins Cyclinfo, bezog sich in seinem Input-Referat auf eine Studie, die Komponentenmarkt-Leader Shimano zur Arbeitssituation in den Fahrradwerkstätten Europas durchgeführt hat. Die Studie kommt zu einem deutlichen Befund: Müssen die Kunden zu lange auf Fahrradreparaturen warten, helfen sie sich entweder selbst – oder springen ab. Eine Ursache für lange Wartezeiten ist die Unterbesetzung in Werkstätten.
Das Fachbüro Dynamot von Branchenkenner Urs Rosenbaum hat festgestellt, dass rund ein Drittel der Schweizer Fahrradhändler zu Beginn der Saison händeringend nach Personal sucht. Dazu kommt, dass rund ein Drittel der Berufsabgänger die Branche wechselt, was den Fachkräftemangel zusätzlich befeuert. Das kostet Umsatz.
Über die Wichtigkeit der Berufsbildung referierten anschließend der amtierende Fahrradmechaniker-Schweizermeister Lorin Engeli von Randen Bike in Beringen, 2-Rad-Schweiz-Berufsbildungsobmann Roland Fischer und der Lehrlingsausbilder Marius Graber von Velociped in Kriens, der u.a. auch als Kolumnist für velobiz.de-Magazin agiert.
Wertschöpfungskette im Blick
Das große Abendforum wiederum befasste sich mit der Veränderung der Wertschöpfungskette seit 2015. In seinem Input-Referat erklärte Velosuisse-Vizepräsident Christian Bättig von Chris Sports, wie sich der Markt in den letzten zehn Jahren verändert hat. „Omnichannel“ ist die Zauberformel in der Vertriebsstruktur der freien globalisierten Marktwirtschaft. (Fast) Alle kaufen und verkaufen inzwischen über mehrere Kanäle – auch online. Das bringt das Preisgefüge durcheinander, und die Warenflüsse sind schwer zu kontrollieren – zumal in einem Markt, der wie zuletzt der Fahrradmarkt unter starkem Druck von Überlagern stand. Das drückt auf die Preise aller Handelsstufen. Margenerosion ist die Folge und das Abwandern eines Teils der Erträge in den Online-Handel.
Für den serviceorientierten stationären Fachhandel aber auch für serviceorientierte Lieferanten kann das zum Problem werden, wie sich im anschließenden Podiumsgespräch, moderiert von Christian Rocha, mit Fachhändler und Primebike-Group-Präsident Urs Vogelsanger, Veloplus-Geschäftsführer Dominique Metz und Reto Meyer, Co-CEO von Fahrradhersteller Tour de Suisse-Rad, herausgestellt hat. Interessanterweise sind vor allem die empfohlenen Verkaufspreise der Hersteller kontraproduktiv. Denn diese werden meist als Referenz für beworbene Preisabschläge genutzt.
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