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Viele offene Fragen

Mavic steht unter Zwangsverwaltung

Der französische Fahrradkomponentenhersteller Mavic hat einen Insolvenzantrag beim zuständigen Gericht in Grenoble eingereicht. Die Hintergründe sind verworren.

Zunächst hatten Ende vergangener Woche die amerikanische Fachzeitschrift „Bicycle Retailer“ und französische Medien über den Insolvenzantrag berichtet. Auf Nachfrage von velobiz.de bei Fahrradkomponenten-Hersteller Mavic hieß es nur, dass man die aktuelle Situation nicht kommentieren würde. Die Büros und Fabriken seien am heutigen Montag wiedereröffnet worden; man sei daran, die Kunden bestmöglich zu bedienen.

Unklare Besitzverhältnisse?

Insbesondere in den französischen Medien äußern Gewerkschaftsvertreter Kritik am früheren Mavic-Inhaber Amersports bzw. dessen Tochter Salomon. Das finnische Unternehmen, das mittlerweile in chinesischer Hand ist, hatte im Juli 2019 nach längerer Vorbereitung und Käufersuche Mavic an das amerikanische Unternehmen Regent LP ( www.regentlp.com ) veräußert (velobiz.de berichtete) . Im vergangenen Juli übernahm zudem der langjährige Mavic-Manager Gary Bryant den Chefposten. Der Manager hatte damals betont, dass es „es im Rahmen des Transaktionsprozesses und der Vereinbarungen für die nächsten drei Jahre keinerlei Änderungen im Tagesgeschäfts in Bezug auf Entwicklung, Belieferung oder finanzielle Angelegenheiten geben werde.“
Da schien die Welt noch in bester Ordnung. Wenige Monate später stellt sich die Situation anders dar. Gary Byrant trat laut Recherchen des Bicycle Retailers als Präsident zurück. Das Amt übernahm Renaud le Youdec, Gründer des Pariser Unternehmens By Saving, das sich auf Firmensanierungen spezialisiert hat. Zudem schreibt Bicycle Retailer mit Bezug auf eine Eintragung im Handelsregister, dass Mavic seit Februar 2020 einer Firma M Sports International mit Sitz in Delaware (USA) gehöre, deren Präsident Michael Reinstein ist, der gleichzeitig auch Vorstandsvorsitzender von Regent LP ist, dem seinerzeitigen Käufer von Mavic. Allerdings gebe es keine finanziellen Verflechtungen zwischen Regent LP und M Sports.

Vieles über die Hintergründe des letztjährigen Verkaufs von Mavic und der tatsächlichen Eigentümersituation ist unklar. Das Unternehmen steht jetzt unter Zwangsverwaltung und einer sechs Monate dauernden Beobachtungsfrist. Es sind jedenfalls auch Gewerkschaften und Behörden, die jetzt Antworten auf die Unklarheiten fordern. Insbesondere die Rolle der Investoren, die im vergangenen Jahr Mavic übernommen hatten, will man geklärt sehen. Gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP erklärte Gérard Meunier, Sekretär des Sozial- und Wirtschaftsausschusses (CSE) und langjähriger Mavic-Mann: "Die Mitarbeiter waren lange Zeit besorgt, jahrelang wurden sie aufgefordert, nach vorne zu schauen und sich einzubringen. Jetzt müssen wir einen Käufer mit einem echten Ziel finden, der in der Gegend von Annecy bleiben will."

11. Mai 2020 von Jürgen Wetzstein

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