
Nachgehakt - Die Meldung hinter der Meldung
Neuer Rückenwind für Brompton
Als Andrew Ritchie Brompton vor gut 50 Jahren gründete, fehlte es ihm an Kapital, also holte er Freunde als Investoren an Bord. »Er war ein Pionier der Falträder, aber auch ein Pionier des Crowdfundings«, sagt Butler-Adams heute. Viele dieser Aktionäre der ersten Stunde sind bis heute beteiligt, inzwischen hochbetagt. Genau dort liegt der Auslöser der aktuellen Transaktion. »Die Gründungsaktionäre sind heute in ihren 80ern und sagten, ›wir werden ein bisschen alt, könnten wir etwas Geld bekommen, bevor es zu spät ist‹«, berichtet der CEO. Auch Ritchie selbst, der beim Management-Buyout 2008 seine Mehrheit abgab, aber größter Einzelaktionär blieb, gehörte zu dieser Gruppe.
Liquiditätsproblem im Freundeskreis
Über Jahrzehnte wurden verkaufswillige Anteile schlicht im Bekanntenkreis weitergereicht. Wegen der Branchenturbulenzen fand das seit fast fünf Jahren nicht mehr statt, der Bedarf wuchs immer weiter an. »Über fünf Jahre hatte sich eine Nachfrage von 10 bis 15 Prozent aufgestaut, für die neue Hände gesucht wurden. Die konnte ich nicht erfüllen, indem ich zu ein paar Freunden gehe. Meine Freunde sind einfach nicht reich genug«, sagt Butler-Adams lakonisch. Damit begann eine Suche, die er als durchaus heikel beschreibt. »Die Welt ist voll von sehr kurzfristig denkenden, geldgetriebenen Investoren. Die Frage war, wie wir einen Partner finden, der gut für das Unternehmen ist.«
Kontakte statt Bieterverfahren
Einen strukturierten Prozess gab es dafür nicht, alles lief über persönliche Kontakte. Der Draht zu BA Capital entstand in China, das Großbritannien vor drei Jahren als größten Brompton-Markt abgelöst hat. Der Gründer des auf Marken und Einzelhandel spezialisierten Fonds ist selbst bekennender Brompton-Fan und hatte sein Interesse über Jahre hinterlegt. Der Weg zu Decathlon führte über einen Erstkontakt auf der Messe Velofollies und einen spontanen Abstecher. Nach dem Grand Départ der Tour de France in Lille, deren Partner Brompton ist, hängte Butler-Adams einen Besuchstag beim französischen Sporthändler an. »Je mehr ich bei Decathlon sah, desto beeindruckter war ich. Ein Familienunternehmen, 50 Jahre alt, 85 Prozent der Mitarbeiter halten Anteile, dazu eine starke Nachhaltigkeitsagenda«, resümiert er.
Kein Cent fließt ins Unternehmen
Das Ergebnis ist inzwischen bekannt, die Details waren es bislang nicht. Zehn Prozent der Anteile gingen an Decathlon, fünf Prozent an BA Capital. Es handelt sich um einen reinen Verkauf bestehender Anteile. Auf die Frage, ob Brompton durch den Deal zusätzliches Kapital erhält, antwortet Butler-Adams knapp. »Nein. Null.« Kein einziger Altaktionär sei komplett ausgestiegen, alle hätten nur »ein wenig Geld vom Tisch genommen«. Nötig war dafür die Zustimmung von 75 Prozent des inzwischen weit verzweigten Aktionärskreises, mehr als 200 Eigentümer zählt das Unternehmen heute. »Wir sind ein seltsames Unternehmen, ein sehr emotionales Geschäft. Wir sind die Kuratoren von etwas, das wir für sehr besonders halten«, sagt Butler-Adams.

_Die Hauptpriorität liege bei den bestehenden Händlern, heißt es bei Brompton. Daran ändert sich auch durch den Decathlon-Einstieg nichts. _
Es habe keine Krise als Anlass gegeben, die Marktlage beschönigt er trotzdem nicht. »Es besteht kein Zweifel, dass das Geschäft hart ist. Wir müssen doppelt so hart arbeiten, um halb so viel Geld zu verdienen. Das ist eine Tatsache.« Umso mehr wertet er die Transaktion als strategischen Glücksfall. »Wir gehen als Unternehmen gestärkt aus dieser Notwendigkeit hervor. Wir haben zwar kein frisches Kapital, aber jetzt Fähigkeiten und Partner, die uns helfen, Dinge zu tun, die wir vorher nicht tun konnten.«
Was die Partner leisten sollen
Mit BA Capital sind laut Butler-Adams keinerlei Gegenleistungen vereinbart. Der Fonds sehe noch massives China-Potenzial der Marke und wolle über sein Netzwerk Kooperationen mit chinesischen Marken, Institutionen und Communitys anbahnen. Bei Decathlon interessiert Brompton weniger die Verkaufsfläche als das Maschinenwerk dahinter. »Decathlon hat mehr Daten über Kundenfrequenz, mehr Verbraucherdaten, mehr Kaufkraft und phänomenale Planungstools. Ironischerweise steht der Verkauf nicht ganz oben auf der Liste.«
Für den Fachhandel dürfte die wichtigste Botschaft eine andere sein. »Unsere Hauptpriorität liegt bei unseren bestehenden Händlern. Alles, was wir tun, soll unser Händlernetzwerk unterstützen und erweitern«, betont der CEO und nennt die Händlerbeziehungen einen der wertvollsten Vermögenswerte des Unternehmens. Die in der Pressemitteilung angekündigten Brompton-Flächen in ausgewählten Decathlon-Filialen sind bislang nicht mehr als eine Absichtserklärung. »In den ersten 12 bis 18 Monaten werden wir Pilotprojekte durchführen. Wir müssen lernen und ausprobieren.« Einen ausformulierten Plan gebe es nicht, und Eile ebenso wenig. »Uns gibt es seit 50 Jahren, wir müssen das nicht alles in den nächsten 18 Monaten erledigen.« Dass neue Vertriebswege im Handel Nervosität auslösen, kennt Butler-Adams aus der Eröffnung der eigenen Brompton-Stores. Damals hätten Händler von einem Dolchstoß gesprochen, am Ende hätten Investitionen und neue Kunden beiden Seiten genützt. »Wir müssen nur sicherstellen, dass wir alle mitnehmen.«
Deutschland ist nicht gesetzt
Ob die Shop-in-Shop-Konzepte auch in deutsche Decathlon-Filialen kommen, ist offen. »Es gibt keine Priorität, und nein, wir haben uns nicht für Deutschland entschieden.« Fünf oder sechs verschiedene Formate wolle man im Decathlon-Netz testen. Am naheliegendsten sei der Start in Frankreich, wo Decathlon Heimvorteil genießt. Die eigentliche Chance sieht Butler-Adams in der Reichweite. Decathlon erreiche Menschen, die zwar sportlich aktiv sind, aber nie ein Fahrradgeschäft betreten. »Wenn wir schlau sind, nutzen wir das zum Vorteil der ganzen Brompton-Community, und das schließt unsere unabhängigen Fahrradhändler ein.« //
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