
Nach Trennung von Pierer
Raymon Bicycles meldet Turnaround
Nach der vollständigen Übernahme aller Anteile durch Susanne und Felix Puello agiert Raymon wieder als eigenständiger, inhabergeführter Vollsortimenter im europäischen Fahrradmarkt. Ein wesentlicher Hebel für die wirtschaftliche Gesundung lag in den vergangenen Monaten in der Bereinigung des Lagers: Durch den konsequenten Abverkauf der aus der Pierer-Struktur übernommenem Alträder konnte die Spirale negativer Margen gestoppt werden. Zeitgleich sank der Bestand im eigenen Lager um 30 Prozent, was die Liquidität spürbar verbessert und gebundenes Kapital freisetzt.
Aufräumarbeiten abgeschlossen, Neugeschäft legt zu
Dass der eingeschlagene Kurs auch im Vertrieb Wirkung zeigt, unterstreichen die aktuellen Kennzahlen aus Schweinfurt. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet Raymon ein Umsatzplus von 25 Prozent. Besonders deutlich fällt das Auftragsbuch für die kommende Saison aus: Das Ordervolumen für die Kollektion 2027 hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum versechsfacht.
Um sich im hart umkämpften Marktumfeld abzuheben, setzt das Management auf kurze Wege in der Entwicklung und eine rasche Markteinführung neuer Technologien. Als Exempel für diesen Ansatz dient die Integration des Avinox-Antriebssystems in die E-MTB-Plattform Tarok, die innerhalb kurzer Zeit zur Serienreife geführt wurde. Mit einem Zielgewicht ab 20,4 Kilogramm will Raymon zeigen, dass schlanke Entscheidungsstrukturen einen klaren Zeitvorteil bei der Bereitstellung innovativer Produkte für den Fachhandel bieten.
Fachhandelsnetz wächst um 30 Prozent
Der wirtschaftliche Konsolidierungskurs stößt auch im Handel auf Resonanz. Die Zahl der unabhängigen Fachhandels-Partner stieg nach Unternehmensangaben europaweit um 30 Prozent. Parallel dazu konnten bestehende Kooperationen mit führenden Einkaufsverbänden, Händlergruppen und Großflächenanbietern in Deutschland, Österreich und weiteren europäischen Märkten ausgebaut oder neu vereinbart werden. Wie die Geschäftsführer Susanne und Felix Puello betonen, stehe dabei nicht Wachstum um jeden Preis im Vordergrund, sondern die Etablierung als verlässlicher und wirtschaftlich gesunder Lieferant in einem weiterhin herausfordernden Branchenumfeld.
Um das Risiko von einzelnen Lieferketten und Marktschwankungen zu entkoppeln, setzt Raymon produktseitig auf eine breite Aufstellung. Im E-Bike-Sektor verteilt der Hersteller seine Antriebe auf fünf Partner – neben Avinox kommen Systeme von Bosch, Yamaha, Panasonic und OLI zum Einsatz. Gleichzeitig investiert die Marke wieder verstärkt in das unmotorisierte Segment: Mit dem Aero-Rennrad Arva sowie den beiden Gravel-Plattformen Soreno und Kenthii soll das Portfolio abseits des E-Bikes ausgebaut werden, um neue Kundengruppen anzusprechen und dem Fachhandel ein breiter gefächertes Vollsortiment anzubieten.
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