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Nachgehakt - Die Meldung hinter der Meldung

Rollt die nächste Insolvenzwelle?

In diesem Herbst und Winter häufen sich in unseren Schlagzeilen wieder die Insolvenzmeldungen und Unternehmensabwicklungen. Ist das noch im Rahmen der bestehenden Krise oder muss sich die Branche auf weiteres Ungemach einstellen?

Als klar wurde, dass auch 2025 nicht ausreichen wird, um die Probleme der Branche zu lösen, kamen viele Marktbeobachter zu dem Schluss, dass es über die kalte Jahreszeit auch wieder verstärkt zu Unternehmensinsolvenzen kommen würde. Insofern sind die jüngsten bekannt gewordenen Insolvenzen noch nicht allzu verblüffend.

In den vergangenen Wochen (Stand 22.11.2025 rückwärts) zählen wir gleich sechs prominente Unternehmen, die ihr Geschäft entweder ganz aufgeben oder eine Restrukturierung angehen müssen. Allerdings überraschten dabei die Dichte und Qualität der Problemmeldungen.

Unternehmen wie Sushi Bikes, velobiz.de berichtete , BMZ und Syntace sind allesamt sehr bekannte Marken und Unternehmen, die nicht bloß Statisten im Markt sind und jedes für sich über große Bekanntheit verfügt. Doch je kälter es draußen wurde, desto schneller kamen auch sie zur finalen Einschätzung, dass es nicht länger so weitergehen konnte. Dazu kommen all die Insolvenzen unterhalb der Schwelle, wo sie einen eigenen Artikel bekommen. Die Unternehmensportale zählen europaweit 54 Unternehmen, die dem Fahrradeinzelhandel zugeordnet werden, die in den vergangenen acht Wochen in die Insolvenz gingen. Diese Zahl dürfte unvollständig sein. Dazu kommt eine vermutlich noch größere Zahl an abgewickelten Betrieben, die also ohne den Gang zum Insolvenzrichter ihr Geschäft aufgegeben haben. Und der kalte Winter hat gerade erst angefangen.

Ungewohnt ist auch die Situation, dass in Unternehmen die Entscheidung getroffen wird, den Markt zu verlassen, obwohl man durchaus über einen starken Hintergrund verfügt hätte. Mangelhafte Marktperspektiven führten beispielsweise Gore Bikewear und M1 Sporttechnik als Gründe für den Rückzug an.

Mehr noch: Nicht mal das Krisenende insgesamt ist in Sicht. Jahr für Jahr wird die Auflösung der Bestandsproblematik nach hinten verschoben. Wir fragten vor Kurzem noch halb im Scherz, ob es wohl die ersten Stimmen gäbe, die auch 2026 nicht mehr für ausreichend halten, um die Altbestände zu verkaufen. Tatsächlich kursiert immer häufiger schon die Zahl 2028, bis man nicht mehr über das Lager reden werde. Es ist vermutlich keine überaus mutige Prognose, dass noch mancher andere Problemfall schon lange vorher das Handtuch werfen wird.

Insolvenzen als Ausdruck des Wandels

Man sollte in dieser Lage aber auch nicht annehmen, dass es allzu übel aussehe für die Fahrradbranche. Es ist nicht alles schlecht. Wenn man in den Schlagzeilen nach den Insolvenzen sucht, findet man gleichzeitig eine mindestens genauso große Zahl an Unternehmen, die gerettet wurden, einen Neustart hinlegen können, gar expandieren oder neu den deutschsprachigen Markt betreten.

Vor allem ist die aktuelle Lage wohl als Wandel zu betrachten. Die Höhenflüge, als Radfahren die einzig mögliche Freizeitbetätigung war, sind nun mal vorbei und kommen nicht so schnell wieder. Vielleicht sogar nie wieder. Für Defätismus gibt es aber keinen Grund. Die Branche befindet sich in einem Transformationsprozess und das spricht für sie. Neue Player, neue Konzepte, neue Ideen beleben, bereichern, erweitern und ersetzen auch den Markt, wo er nicht mehr attraktiv genug scheint. Das Fahrrad als Produkt bietet also auch langfristig noch viel Neues und Spannendes. Umso schmerzlicher erscheint der Kontrast zur selbst verschuldeten Warenbestandskrise mit ihren Folgeproblemen Liquiditätsengpässe, Preisdruck im Markt und all den anderen Dingen, die gerade das wirtschaftliche Arbeiten belasten.

10. Dezember 2025 von Daniel Hrkac

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