
Perspektiven und Herausforderungen
Taipei Cycle Show kann sich gut behaupten
Mit 900 Ausstellern, davon 200 mit globalem Fußabdruck, und insgesamt 3450 gebuchten Ständen bewegte sich die diesjährige Taipei Cycle Show auf dem Niveau der anderen Nach-Covid-Austragungen. Dennoch waren in den Messehallen des Nangang Exhibition Centers einige Lücken auszumachen - die mal als Business Lounge und mal als Café Bar genutzt wurden.
Die großen Akteure von Taiwans Velo-Industrie wie Giant, Merida, Sram und KMC waren mit gewohnt großem Auftritt am Start, auch Shimano, KTM sowie der Taiwan-Distributor von Pinarello ließen sich nicht lumpen. Andere Hersteller wiederum begnügten sich mit deutlich kleineren Ständen als in früheren Jahren. Besonders an den ersten beiden Tagen war auch das Besucheraufkommen beachtlich - erst am Freitag ließ dieses deutlich nach. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass viele Besucher aus Übersee ihre Präsenz an der Messe auf zwei Tage beschränkten. Auch war immer wieder auf der Messe zu hören, dass aufgrund eingeschränkten Flugverkehr via Dubai geplante Messebesuche kurzfristig nicht angetreten wurden. Die noch verfügbaren Routen waren jedenfalls im Messezeitraum soweit bekannt ausgebucht und durchaus kostspielig.
Innovations-Show
In Punkto Innovation bot die diesjährige Austragung von Asiens Leitmesse weniger Substanz als in früheren Jahren. Weil die Überlager noch immer nicht abgebaut sind, halten viele Hersteller ihre Neuheiten zurück. Zudem wird in Taipeh an den Ständen jeweils ohnehin weitgehend Ware aus dem aktuellen Modelljahr gezeigt. Hinter den Kulissen waren hingegen mehr Neuheiten zu entdecken.
32-Zoll
Oft spielte dabei die Laufrad-Dimension 32 Zoll eine Rolle. Während die großen Räder im Mountainbike-Rennzirkus schon dieses Jahr losrollen, dürften die meisten großen Hersteller Serienprodukte erst im Frühjahr 2027 als Teil des Modelljahrs 2028 auf den Markt bringen. Das verschafft der Branche mehr Zeit, um all die auf Lager stehenden 29-Zoll-Modelle noch abzuverkaufen.
Im Vergleich zur Eurobike kommen der Taipei Cycle Show zwei Besonderheiten zugute: Taiwans Stärke im elektronischen und digitalen Sektor kommt in Zeiten datenhungriger Radsportler wie gerufen. Und zweitens ist diese Messe über Asien hinaus hochrelevant, wie Herwig Reus als neuer Marketing und Sales Manager beim Sportelektroniker Messwerk betont: „Messwerk hat sich wegen der zentralen Bedeutung der Messe für die gesamte APAC-Region für einen Auftritt an der Taipei Cycle Show entschieden. Diese Messe gibt uns Gelegenheit, Kontakte mit sehr wichtigen Akteuren aus Vertrieb und Fachhandel zu knüpfen. Für Messwerk war es enorm wichtig, von diesen Rückmeldungen zu unseren Pedalen mit integrierter Leistungsmessung zu erhalten - und das rechtzeitig zu deren Markteinführung“, erklärt der Branchenexperte aus Deutschland.
Sorgenvoller Blick
Die Eskalation im Mittleren Osten war ein großes Thema an der Messe, trifft sie doch die globale Veloindustrie zur grundfalschen Zeit. Gerade als sich die Stimmung dank ermutigender Zahlen aus Belgien und der positiven Stimmung an Endverbraucher-Events in Europa aufzuhellen schien, erfolgt der nächste Tiefschlag. Schon die steigenden Energiekosten mindern die Margen der Hersteller - und verteuern die Transporte von Fernost nach Europa.
Während der Messe wurden schon die ersten Preissteigerungen berichtet: Aluminium plus 13 Prozent und Kunststoffteile mit plus 30 Prozent Preisaufschlag waren eine erste Momentaufnahme, die Grund zur Sorge gibt.
Wenn die Huthis die Seefracht am Horn von Afrika wieder ins Visier nehmen sollten, dürfte sich das Problem nochmals deutlich verschärfen und die Container-Preise in die Höhe treiben, so die Sorge. Besonders betroffen sind Reifenhersteller: Diese brauchen ohnehin viel Energie für ihre Produktion - und dazu noch Rohstoffe aus der Petrochemie.
Terminkollision?
Eine Sorge treibt den Rat für Außenhandel Taiwans (TAITRA) als Organisator der Messe trotz der erfolgreichen, jüngsten Austragung der Taipei Cycle Show zusätzlich um: Sollte die China Cycle Show ihren Termin aus dem Mai in den März vorziehen, dürfte der Kampf um den Status der Leitmesse Asiens voll entbrennen. Bisher koexistieren diese beiden Messen noch leidlich.
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