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Illustration: Trefecta
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Portrait - Trefecta

Trefecta lotet Grenzen neu aus

»Ich bau mir mein Traumbike selbst!« So sind viele namhafte Marken unserer Branche entstanden. Nun bietet das Start-up-Unternehmen Trefecta Mobility aus den Niederlanden mit ihrem Luxus-E-Bike ein bisher unbekanntes Fahrerlebnis. Eine neue Marktnische ist geboren, die neue Zielgruppen anziehen soll und gleichzeitig neue Verkaufsargumente fordert.

Die Not machte auch im Falle von Trefecta erfinderisch, als Unternehmer Haiko
Visser seinen Führerschein verlor. Glücklicherweise bekam er ein E-Bike geschenkt, mit dem er sein Autofahrverbot elegant umfahren konnte. Zwar waren die E-Bikes vor ein paar Jahren weder der bergigen Umgebung seines Schweizer Domizils, noch seinen sportlichen Ansprüchen gewachsen, doch was viel entscheidender war: Visser entdeckte, was er »die Freuden des Radfahrens und die Freiheit für Körper und Geist im urbanen wie im inter-urbanen Umfeld« nennt. In der Digitalisierung eines Zweirades sah er schon damals ein weit größeres Potenzial, als lediglich ein Fahrrad mit einem Elektromotor auszustatten. Als jemand, der die E-Mobilitätsbranche von außen betrachtet, ergriff Visser die Chance, mit einem leeren Blatt zu beginnen und zum Game-Changer zu werden – ganz nach dem Motto, das der amerikanische Journalist Hunter S. Thompson sinngemäß so beschreibt: Das Leben sollte keine Reise zum Grab sein mit der Absicht, möglichst wohlbehalten anzukommen, sondern vielmehr volle Breitseite gelebt werden, eine Staubwolke hinterlassend, um am Ende, vollkommen ausgepowert, lauthals verkünden zu können – »wow, was ein Ritt!« »Das Leben ist die Straße«, heißt es im Brand-Guide von Trefecta. Die Straße, auf der wir reisen. Auf der alles vor uns liegt. Neue Ideen und große Entscheidungen.

Partnersuche

Die Reise begann 2011. Im Gepäck hatte Visser seine Mission gepaart mit dem Anspruch an ultimative Leistung und Qualität, die sein militärischer Hintergrund mit sich bringt. Erste Station: Taiwan. Dort lernte der gebürtige Holländer während der Taipei Cycle Show den erfahrenen Elektrofahrzeug-Designer Norbert Haller kennen. Seinerseits ein Visionär, fand Haller Gefallen an Vissers Ambition, ein E-Bike zu konstruieren, das Technologie, Mobilität und Vernetzung in einem hochmotorisierten Zweirad optimal vereinen sollte. Trefecta-Gründer und Investor Visser rekrutierte weitere erfahrene Entwickler aus der Luftfahrt- und Automobilindustrie aus Deutschland, Holland und der Schweiz mit dem Auftrag, das »perfekte E-Bike« zu bauen – kompromisslos in der Wahl der Materialien und technischen Mittel.
Nach drei Jahren Entwicklungszeit wurde das Trefecta mit 4-kW-Mittelmotor und Pedalantrieb erstmals auf der Intermot 2014 in Köln vorgestellt und sorgt seither für Aufsehen, nicht nur in der Fahrradbranche. Die offizielle Premiere fand auf der Amsterdamer Luxusmesse Masters of LXRY im Dezember 2014 statt, wo das Publikum ein 22.500-Euro-Preisschild (ohne MwSt.) eher gewöhnt ist als in der Fahrradwelt.
Dass Trefecta etwas Exklusives an sich hat, brachte ein Passant in Berlin auf den Punkt, als er prompt feststellte: »Dieses Bike könnte James Bond fahren.« »Bei aller Exklusivität schließen wir niemanden aus«, sagt Marketing-Leiter Charly Heusschen. »Im Gegenteil, wir freuen uns über jeden, der über seine Grenzen hinauswachsen möchte, den Nervenkitzel liebt und präzise Verarbeitung, hochwertige Materialien und den außergewöhnlichen Look des Trefecta zu schätzen weiß«, fügt der Marketing-Spezialist aus Amsterdam hinzu.

Viel Power und doch ein Fahrrad

Es war de facto erklärtes Ziel des Trefecta-Teams, »eine neue Art von Fahrzeug zu entwickeln mit viel Power, den neusten technischen Features und Straßenzulassung«, resümiert Designer Norbert Haller. »Wichtig war uns eine eigenständige, klare, moderne Designsprache, die alle elektrischen Komponenten vollständig integriert«, so der Inhaber des Designbüros IDberlin. »Trotz des starken Motors sollte das Fahrzeug den Fahrradcharakter bewahren. All diese Anforderungen zu erfüllen und dabei die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten, war eine große Herausforderung«, ergänzt der Gestalter, zu dessen Werk bereits die preisgekrönten E-Bikes von A2B zählen.
Unter der Prämisse, die beste Balance aus Leistung, Funktion und Design zu erforschen und umzusetzen, entwickelte Vissers Team einen komplett neuen Antrieb. Der hydraulisch gesteuerte Motor im Tretlager
liefert 4 kW Höchstleistung und beschleunigt bis zu 70 km/h. Die Schaltung geschieht automatisch über ein Rohloff-Getriebe. Bei Firmentests erreichte das Bike mit der vollständig in den Rahmen integrierten 1600-Wh-Lithiumbatterie und regenerativen Bremsen eine Reichweite von über 100 Kilometern auf unterschiedlichem Untergrund.
Der faltbare Rahmen ist aus einer in der Luftfahrt verwendeten Aluminiumlegierung gegossen und in Kombination mit Carbon-Laufrädern und elektronisch gesteuerter 180-mm-Vollfederung selbst für extremes Gelände ausgelegt. Über das per Smartphone gesteuerte Cockpit kann der Nutzer unter anderem zwischen den Fahrmodi wählen, schlüsselfrei fahren, eine elektronische Diebstahlsicherung und sogar einen elektronischen Wheelie-Modus bedienen.
Neben aller High-Tech-Features hat das Trefecta etwas wirklich Einzigartiges: Es ist ein Pedelec. Bis 70 km/h fährt es sich wie ein Fahrrad mit der sehr fein abgestimmten Power eines Motorrads. Angesichts der kraftvollen Optik überrascht der Pedelec-Effekt und sorgt für das schöne Gefühl, extrem gut trainiert zu sein. Über einen Drehgriff kann das Luxus-Bike jederzeit auch im Mischbetrieb oder als reines E-Bike gefahren werden.

Von der Idee zur Praxis

Nach tausenden firmeninterner Testkilometer war die Vorserie diesen Sommer schließlich soweit, sich einem externen Test unter Realbedingungen zu stellen und auf ein Pedelec-Adventure in Berlin zu gehen. Drei erfahrene Tester gingen mit dem Bike vor Berlins vielseitiger Kulisse auf Entdeckungstour und nahmen die Geländetauglichkeit im Grunewald unter die Lupe. Trial-Star Marco Hösel war mit am Start und erst von der Power des
Trefecta und dann von seiner Anziehungskraft auf Berliner »jeden Alters« überrascht. Am Teufelsberg sprang der Chemnitzer aus Leibes- und Motorkräften und hatte dabei einen seiner »besten Trail-Tage überhaupt«. An diesem regnerischen Junitag ist mit dem Trefecta für den sechsfachen Trial-Weltmeister »ein neuer Sport geboren, eine Mischung aus MTB-Enduro und Motocross«, fasst der Profibiker zusammen.
Damit war erneut bewiesen – und im Film »Berlin Trefected« festgehalten – dass das Trefecta nicht nur als schnelles Stadtfahrzeug sondern auch bei Stunts und im Gelände eine gute Figur macht. In der Tat setzen die Trefecta-Macher auf ein breites Anwendungsspektrum. Das Power-Bike soll als zuverlässiges Alltags-Vehikel ebenso zum Einsatz kommen, wie als Sport- und Freizeitgerät, entweder als Privatfahrzeug oder über Vermietung
beispielsweise durch Hotels. Darüber hinaus hat Trefecta Flottenbetriebe wie Lieferservices sowie öffentliche Dienste wie Feuerwehr, Polizei und Militär im Visier.
Um den unterschiedlichen Anwendungen gerecht zu werden, wird Trefecta in zwei Versionen angeboten. Das DRT Modell ist fürs Gelände bestimmt, das URB Modell für die Straße. Letzteres soll noch dieses Jahr mit Straßenzulassung in der L1E-B Kategorie erhältlich sein, die 4 kW Motorleistung und 45 km/h Höchstgeschwindigkeit erlaubt. Auch eine Motorradversion über 45 km/h hat das ambitionierte Unternehmen bereits in Aussicht gestellt.
Seit diesem Sommer ist Trefecta in Serienproduktion. In dem neu erbauten Werk im holländischen Hillegom nahe des Schiphol Flughafens werden die Bike-Juwelen gebaut. Erste Vorbestellungen werden bereits ausgeliefert – zumeist in die USA. Wer eines der guten Stücke erstehen möchte, kann dieses direkt über Trefecta Mobility mit Hauptsitz in Gravenhage bestellen und sich nach seinen Wünschen aufbauen lassen. Zugleich ist Trefecta dabei, ein internationales Vertriebsnetz über ausgewählte Händler aufzubauen. Als erster Vertriebspartner trat Louwman Exclusive für die Benelux-Staaten in Erscheinung, ein Pionier für ausgefallene Automobile. »Da gehört Trefecta hin«, sagt Visionär und Firmeninhaber Haiko Visser. »Auf die Straße, auf der der Status-Quo allmählich im Rückspiegel verschwindet…«

21. Oktober 2015 von Susanne Brüsch

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