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Markt - Umsatzsteuerstatistik 2024

Vom Boom zum Blues

Die jüngste Umsatzsteuerstatistik für den Fahrradeinzelhandel zeigt den ersten Umsatzrückgang seit knapp 20 Jahren. Die jüngste Krise lässt sich inzwischen also auch an den Statistiken ablesen. Tröstlich ist, dass es nicht ganz so knüppeldick gekommen ist, wie befürchtet und gefühlt wurde.

Die großen Zahlen sind zu-nächst einmal nicht sehr ermutigend. Der Gesamtumsatz im stationären Fahrradfachhandel, und nur dieser wird in dieser Kategorie der Umsatzsteuerstatistik erfasst, ist erstmals seit 2005 wieder gesunken. Damals verdaute die Branche noch die Folgen des »Jahrhundertsommers« 2003.
Absolut betrachtet sieht der Umsatzknick erst einmal recht bescheiden aus: Das Minus im Jahr 2024 liegt bei nicht einmal einem Prozent. Der Fahrradhandel liegt mit den 7,95 Milliarden Euro Umsatz zwar unter dem bisherigen Umsatzgipfel von 8,02 Milliarden Euro, aber über dem Jahr 2022 (mit 7,81 Milliarden Euro). Ja, es ist also ein Rückgang, aber es ist auch immer noch das zweitbeste Umsatzjahr, das bislang von den Bundesstatistikern aufgezeichnet wurde. Zumindest mit Blick auf diese Daten kann von echter Kaufzurückhaltung im Jahr 2024 noch nicht gesprochen werden.
Das sagt allerdings nicht viel darüber aus, wie es den Händlern dabei geht. Der Lagerdruck war in diesem Jahr exorbitant. Das hat vielerorts den Blick sehr verengt und für große Probleme gesorgt. Nicht jeder hat diese Problemlage verkraftet, was sich ebenfalls in der Statistik ablesen lässt.

Händleranzahl auf Rekordtief

Die Gesamtzahl der im Markt befindlichen Händler ist einmal mehr gesunken. Hier ist man wieder auf den langfristigen Trend eingeschwenkt.
2021 und 2022 waren die Händlerzahlen leicht gestiegen. Seit Anbeginn dieser Statistik gab es keine zwei aufeinanderfolgenden Jahre mit steigenden Händlerzahlen. Dass überhaupt mal die Zahl gestiegen war, gab es nur 2009 und 2011. Damals verpuffte das Wachstum sehr schnell wieder. Auch der jüngste Anstieg war, so viel steht wohl schon fest, keine echte, nachhaltige Trendwende. Heute ist die Zahl der eigenständigen Fahrradhandelsbetriebe so gering wie nie zuvor. Mit 5073 gezählten Betrieben ist ein neuer Tiefststand erreicht.
Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass die Handelsfläche geschrumpft ist. Einige Betriebe, das zeigt sich auch in unserer täglichen Berichterstattung, sind unter das Dach von immer noch expandierenden Filialisten geschlüpft.

Die Nahversorger und kleineren Händler

Bei den kleineren Händlern, hier definiert über Umsätze von 22.000 bis 500.000 Euro, hat sich binnen eines Jahres nicht allzu viel getan: Weder hat sich ihre Zahl, noch ihre Umsätze relevant verändert. Zumindest umsatztechnisch haben sie auch nicht allzu stark unter den jüngsten Marktverwerfungen gelitten. Sie stellen mit 2979 Betrieben (Vorjahr 2942) nach wie vor die zahlenmäßig größte Gruppe im Fahrradfachhandel dar und sind sogar noch ein paar mehr geworden. Auch ihre Umsätze sind in Summe etwas gestiegen auf 533,2 Millionen Euro (von 526,3 Millionen Euro in 2023). Gerechnet auf den Umsatz pro Betrieb hat sich der Wert mit knapp 179.000 Euro nur um 100 Euro erhöht. Das reicht zwar nicht einmal, um die Inflationsrate des Jahres 2024 auszugleichen, ist aber immerhin besser als die Umsatzrückgänge, die man sonst aus der Branche zu hören bekam.


Die Umsatzsteuerstatistik ist seit langer Zeit eine reine Erfolgsgeschichte. Der erste Umsatzknick seit Langem trübt dieses Bild nun.

Trotzdem kann auch in diesem Jahr die große Unwucht nicht übersehen werden: Die kleinsten 58,7 Prozent der Händler erwirtschaften zusammen 6,7 Prozent des Gesamtumsatzes im Fahrradhandel. Das ist immerhin ein leichter Anstieg von 6,55 Prozent im Jahr zuvor. An der Konzentration des Verkaufsgeschäfts auf die größeren Flächen hat sich damit aber nichts geändert.

Die »Mittelklasse« im Fachhandel

Wenn man die Umsätze zwischen 500.000 bis 25 Millionen Euro in den Blick nimmt, betrachtet man das »Herzstück« des Fachhandels. Diese 2062 Betriebe haben zusammen 4,26 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Anders ausgedrückt: Die vermeintliche Mittelschicht des Handels stellt 40,65 Prozent der Betriebe, die 53,5 Prozent des Umsatzes ernten.

2024 gab es einen Umsatzrückgang, es ist aber immer noch das zweitbeste Umsatzjahr in der Geschichte des Fahrradfachhandels.

Damit ist schnell erkannt, welche Gruppe im Jahr 2024 besonders zu leiden hatte. Ein Jahr zuvor war die Gruppe größer: 2131 Unternehmen bedeuteten einen Marktanteil von 41,76 Prozent. Ihr Umsatzanteil lag 2023 noch bei 4,6 Milliarden Euro, also 57,36 Prozent Anteil. Pro Betrieb sind die Umsätze von 2,1 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 2,06 Millionen Euro gesunken. Vor allem schlägt sich also ihre sinkende Anzahl in der Statistik nieder. 69 Betriebe weniger sagen aus, dass es in diesen Betriebsgrößen die größten Veränderungen gab.

Die Großen bleiben groß

In vergangenen Jahren bedeuteten weniger Unternehmen in den höheren Umsatzkategorien oft, dass die Betriebe in noch höhere Umsatzregionen aufgestiegen sind. Das war im Jahr 2024 nicht mehr so ausgeprägt. Zwei zusätzliche Unternehmen haben die Umsatzgrenze von 25 Millionen Euro überschritten. Die zwei Umsatzkategorien »100 bis 250 Millionen« und »über 250 Millionen« Euro werden nun von 10 Unternehmen gestellt. Im Vorjahr waren es noch 9 Unternehmen. 2,11 Milliarden Euro Umsatz haben sie 2024 erzielt, im Vorjahr lagen sie noch bei 1,96 Milliarden.

Es ist nicht aussagekräftig, aber doch erwähnenswert: Der Umsatz pro Betrieb lag 2024 bei 211,5 Millionen Euro, im Vorjahr lag der Wert noch bei 217,9 Millionen Euro. Wie im Vorjahr muss man erwähnen, dass diese Zahl der Bundesstatistiker verfälscht ist durch Vertriebsgesellschaften von Fahrradherstellern, die keine »echten« Fahrradhändler sind. Es dürfte sich dabei um die Deutschland-Ableger von Specialized und mindestens einem weiteren Hersteller handeln.
Trotzdem: Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der gezählten Handelsbetriebe mit Umsätzen über 25 Millionen Euro von 10 auf nun 32 erhöht. Ein erlauchter Kreis, der Bände vom wesentlich veränderten Handelsgeschäft spricht.
Interessant ist auch der Vergleich mit dem Gesamtmarkt: 2023 hat der Fahrradmarkt ziemlich exakt 1 Prozent der gesamten Einzelhandelsumsätze in Deutschland beigetragen (um genau zu sein 1,004 Prozent, ohne den Handel von Kraftfahrzeugen). Im Jahr 2024 sank der Anteil auf nun 0,977 Prozent. Der Einzelhandel insgesamt hat sich binnen dieses Jahres also besser als die Fahrradwirtschaft entwickelt. Insgesamt gab es auch keinen Umsatzrückgang.

Der Fahrradhandel kann sich seine immer noch währenden Probleme und Herausforderungen nun in Statistik gegossen anschauen. Die Zahlen für 2025, wenn sie dann nächstes Jahr erscheinen, werden absehbar auch nicht besser sein, vermutlich sogar noch mal schlechter. Aber die Zahlen geben auch her, dass das Jahr 2024 am Ende gar nicht so schlecht war, wie es oft wahrgenommen wurde. Manchen Händler hat es in diesem Jahr hart getroffen, die große Masse hatte zu kämpfen, aber tat dies am Ende erfolgreich. Insgesamt fand immer noch auf hohem Niveau Fahrradverkauf statt. Der Handel zeigt sich ausgesprochen widerstandsfähig. //

16. April 2026 von Daniel Hrkac
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