
Kolumne - Carsten Bischoff
Wann platzt die nächste Blase?
... längst nicht mehr alle Fahrräder und E-Bikes vom Nutzer übernommen werden. Gerade jetzt spült es etliche ambitioniert geleaste Corona-Leichen auf zwei Rädern aus den Kellern der Bundesrepublik
auf den Markt. Material aus krisenbedingt unterjährig aufgelösten Leasing-Verträgen gesellt sich dazu.
Bislang lief es recht geschmeidig. Zumeist wurden die Fahrräder aus den Leasing-Verträgen übernommen und fanden mit dem Gebrauchtmarkt einen dankbaren Abnehmer oder wurden einfach weitergefahren. Seit geraumer Zeit verstopfen aber die »jungen« Gebrauchten die Verkaufskanäle.
Die Kundschaft möchte gern neue E-Bikes mit aktueller Technik, der Handel mag sich mit der Gebrauchtware bislang nur in begrenztem Umfang herumschlagen und die Leasingprovider können gleich gar nichts damit anfangen.
Was also tun mit dem alten Kram?
Wir vermarkten die Bikes einfach selbst! Gesagt, getan. Nahezu alle namhaften Leasingprovider haben inzwischen Tochterfirmen, die sich um die Vermarktung der übrig gebliebenen drei Jahre alten Zweiräder kümmern
sollen. Gern werden da auch halb tote Bikesharing-Start-ups zu neuem Leben erweckt. Die können ja mit Fahr-rädern … Dazu kommen noch einige investorengetriebene Händler, die ebenfalls das gebrauchte Material einsammeln.
Nun treffen ganz viele gebrauchte Fahrzeuge auf einen Markt, der von Kaufzurückhaltung, Sättigung und hohen Nachlässen geprägt ist.
Was passiert? Die Ankaufwerte sinken ins Bodenlose, jedoch sind die Verkaufspreise schon selbstbewusst. Eine ordentliche Marge braucht man schon, um die Aufbereitung, Gewährleistung und das Marketing bezahlt zu bekommen, ganz zu schweigen von einem Zins für die Kapitalgeber.
Als Kunde überlege ich mir dann ganz genau, ob ich ein mehrere Tausende Kilometer gefahrenes E-Bike einem neuen, preislich ähnlichen Modell aus dem Fachhandel vorziehe, das es dort zudem in verschiedenen Größen und Farben gibt.
Der eine oder andere darbende Leasingprovider liebäugelt schon mit höheren Restwerten, um die Leasing-Rate niedrig zu halten. Das wird vielleicht das Geschäft anfangs anschieben, aber am Ende kauft dann niemand mehr das alte Rad aus dem Vertrag heraus und noch mehr, dann aber richtig teure Altware, kommt auf den Markt.
Nicht weit von mir daheim hat sich ein solcher Gebrauchtradhändler auf einer ordentlich dimensionierten Fläche niedergelassen. Jede Woche werden die Werbeschilder größer, die Ausrufezeichen lauter und Rabatte unglaublicher. Übersetzt: Die Säge klemmt, aber richtig!
Man wünscht es niemandem, aber sollte das eine Blase sein, die irgendwann platzt, dann wird das auch für den restlichen Markt zum Problem werden.
Carsten Bischoff ist Fahrradhändler in Dresden.
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