
Studie von IFH und Wertgarantie:
Was das Recht auf Reparatur für den Fachhandel bedeutet
Die empirischen Daten zeigen ein zweigeteiltes Bild. Der Fachhandel bewertet die Neuregelung mehrheitlich als strategische Chance. Rund 69 Prozent der befragten Händler rechnen mit einem steigenden Reparaturvolumen. Als wesentliche Treiber gelten gestärkte Verbraucherrechte, ein wachsendes Umweltbewusstsein sowie die zunehmende technische Komplexität moderner Fahrzeuge, die Reparaturen in Eigenregie erschwert. Über 90 Prozent der Betriebe sehen in erweiterten Serviceangeboten die Möglichkeit, die Kundenbindung zu festigen und zusätzliche Frequenzen auf der Fläche zu generieren.
Gleichzeitig offenbart die Erhebung signifikante operative Hürden. Große Unsicherheit herrscht bezüglich unklarer Rechtsbegriffe. Die Richtlinie fordert Instandsetzungen innerhalb „angemessener“ Fristen und zu „angemessenen“ Preisen, ohne diese Begriffe konkret zu definieren. Zudem verweisen 78 Prozent der Händler auf die Herausforderung, entsprechende Stundensätze und Ersatzteilpreise gegenüber der Kundschaft durchzusetzen. Hinzu kommt ein Informationsdefizit: Rund 17 Prozent der Konsumenten gehen fälschlicherweise davon aus, dass das Recht auf Reparatur einen Anspruch auf kostenfreie Leistungsausführung beinhaltet.
Auch personell trifft die erwartete Nachfragesteigerung auf ein Nadelöhr. Zwar erklärten zwei Drittel der Betriebe, weitere Aufträge stemmen zu können, doch knapp ein Drittel arbeitet bereits an der Kapazitätsgrenze. Der Mangel an qualifizierten Werkstattfachkräften droht zum zentralen Flaschenhals zu werden. Entsprechend sprechen sich 87 Prozent der Fachhändler für eine staatliche Förderung der Aus- und Weiterbildung von Technikerinnen und Technikern aus.
Kritisch bewertet der Handel bürokratische Instrumente wie das europäische Reparaturformular, das 57 Prozent der Betriebe wegen starrer Bindungsfristen als wenig praxistauglich einstufen. Ein nachhaltiger Erfolg erfordert daher eine engere Kooperation zwischen Handel und Herstellern. Thilo Dröge von der Wertgarantie SE betont: „Die praxistaugliche, wirtschaftlich tragfähige Umsetzung der Richtlinie ist entscheidend für den Erfolg des Reparaturmarktes.“
Die Studie steht unter https://www.ifhkoeln.de/teilen/recht-auf-reparatur-oesterreich/ zum Download bereit.
Anmerkung der Redaktion: Ein ähnliche Studie mit Blick auf die Situation in Deutschland war vom IFH bereits im Sommer 2025 veröffentlicht worden (velobiz.de berichtete)
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