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Report - E-Bike-Markt

Wohin weht der Rückenwind?

Besonders dynamisch hat sich der E-Bike-Markt zuletzt nicht mehr entwickelt. Wer genau hinsieht, kann jedoch trotzdem den einen oder anderen Trend ausmachen. Was die Zukunft angeht, herrscht verhaltener Optimismus.

Die vor ein paar Wochen veröffentlichten Marktzahlen des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) (mehr dazu finden Sie ab Seite 40) zeigen, dass E-Bikes das Zugpferd der Elektromobilität in Deutschland sind. 17,2 Millionen E-Bikes befinden sich demnach 2025 im Bestand in deutschen Haushalten. Von den neuen Fahrrädern, welche die Menschen hierzulande kaufen, machen E-Bikes mit 53 Prozent seit ein paar Jahren den größten Teil aus.
Vergleicht man die Elektrifizierungsquoten der einzelnen Fahrradtypen mit den Werten des Vorjahres, liegen die meisten E-Bike-Anteile mit einem Spielraum von einem Prozentpunkt gleichauf. Ausreißer sind jedoch ATBs und Rennräder. ATBs waren mit 46,1 Prozent deutlich öfter elektrifiziert als 2024 (30,7 Prozent). Beim Rennrad war der Anteil der Räder mit Elektroantrieb rückläufig und lag statt bei 10,3 bei 7,9 Prozent.
Betrachtet man die Anteile verschiedener Modellgruppen an den gesamten E-Bike-Verkäufen, hält sich das E-Mountainbike auf dem ersten Rang mit 38 Prozent, 2 Prozentpunkte unter Vorjahreswert. In bis +/- 1 Prozent gleichbleibenden Anteilen folgen Trekkingräder, Cityräder und Lastenräder. Deutlich zulegen im Vergleich zum Vorjahr konnte das Segment der E-ATBs, dessen Anteil an den E-Bike-Verkäufen 2025 bei 5 statt 3,5 Prozent im Vorjahr lag.
In vielen Punkten decken sich die Zahlen für das vergangene Jahr mit dem, was einzelne Branchenteilnehmer beobachten können. Moritz Failenschmid, Geschäftsführer von Focus Bikes kann zum Beispiel die Dominanz von E-Mountainbikes bestätigen: »Von unserer sportiven Ausrichtung machen E-MTB-Fullys weiterhin den mit Abstand größten Teil aus. E-Trekking ist weiterhin eines der wichtigsten Segmente im Markt. E-MTB-Hardtail schwächelt weiterhin unter den Rabatten von E-MTB-Fullys, wird aber im Markt wieder an Wichtigkeit gewinnen.«


In den E-Bike-Segmenten gab es zuletzt relativ wenig Bewegung, wenn es um Marktanteile ging. Das könne sich aber schnell ändern, lautet die Erwartung.

Im Vergleich zu den letzten Jahren sind für Failenschmid zwei Trends klar erkennbar: »Wir haben viele Jahre einen Trend zu immer mehr Federweg gesehen. Wir sehen aktuell stärkere Nachfrage im Trail- und Tourbereich und das Enduro- Segment schwächelt etwas.« Hinzu käme, dass Einstiegspreislagen aktuell stark nachgefragt würden. Failenschmid: »Die wirtschaftliche Lage in Deutschland zeigt sich hier deutlich in der Nachfrage, gepaart mit den jahrelangen Rabattschlachten sehen wir eine strukturelle Verschiebung des Preisniveaus nach unten.«

Große Rabatte bei E-Mountainbikes

Laut Failenschmid gelte: »Die Rabatte sind immer noch da, aber sie sind nicht mehr so deutlich wie letztes Jahr.« Für kleinere und mittlere Händler seien Rabatte nicht mehr federführend, meint Failenschmid. Aber sie würden vorsichtiger agieren. Besonders merklich sei das im Mountainbike-Segment. »Da waren die Händler auch am vorsichtigsten, sich mit Neuware einzudecken«, so Failenschmid.
Benjamin Wenz, Pressesprecher bei Riese & Müller, beschreibt, wie sich der Mühltaler Hersteller im E-Bike-Markt positioniert. »Unser Fokus liegt auf alltags- und transportorientierten Modellen, die den größten Nutzen im täglichen Mobilitätskontext bieten.« Als Absatztreiber im E-Bike-Markt gelten für ihn nicht bestimmte Trend-Technologien, sondern Faktoren wie hohe Qualität, Robustheit und Verlässlichkeit. »Neben der Ausstattung sind daher die Verarbeitungsqualität und die Fahreigenschaften immer noch die zentralen Kaufargumente.«
Laut Wenz erlebe Riese & Müller eine grundsätzlich stabile Nachfrage über das gesamte Portfolio hinweg. »Besonders stark nachgefragt bleiben unsere universell einsetzbaren Bestseller wie Nevo5 und Charger5. Diese Modelle eignen sich für Pendelstrecken, Freizeit, Trekking oder Einkäufe – kurz: für nahezu alles.« Ein positives Momentum sei auch im Cargo-Bereich zu beobachten, wo Longtails wie das Multicharger3 oder Multitinker2 laut Wenz »vom gesellschaftlichen Trend hin zu nachhaltiger Mobilität, sicherem Kindertransport, dem Wandel urbaner Räume sowie der hohen Variabilität dieser Fahrzeuge« profitieren. Immer öfter würden solche E-Bikes Autos ersetzen.
Stefan Limbrunner, Geschäftsführer der KTM Fahrrad GmbH, zeigt sich mit der aktuellen Auftragslage zufrieden. «Wir haben im Februar im Vergleich zum Vorjahr sicher 20 bis 25 Prozent mehr verkauft. Beim März sind wir auch schon über dem Vorjahreswert. Das bedeutet, dass sich die Lagerbestände konsolidieren«, präzisiert er. Handelsseitig müsse man die Lagerfülle jeweils differenziert betrachten. Dennoch lasse sich sagen: »Die durchschnittlichen Lagerbestände sowohl beim Handel als auch beim Hersteller haben sich positiv entwickelt. Gut ist auch, dass der Lagerbestand sich verjüngt hat.«
Die aktuellere Ware, die der Handel inzwischen im Lager stehen habe, reduziere den Rabattdruck.
»Unser wichtigster Markt ist Deutschland. Dort sind Trekking-Räder unsere wichtigsten E-Bikes«, beschreibt Limbrunner. Es folgen die Segmente E-City, E-Fully und E-Hardtail. Die Kundschaft kaufe gerne hochwertig und erfreue sich an entsprechender Ausstattung, etwa mit elektronischen Schaltungen. Als weiteren Trend nennt Limburger E-Bike-Akkus mit großen Kapazitäten.

Prognosen sind schwierig

So viel zum derzeitigen Standpunkt des E-Bike-Markts. Und wie wird es weitergehen? Stefan Limbrunner ist positiv gestimmt, was das laufende Geschäftsjahr angeht: »2026 könnte vom Absatz her so sein wie 2020«, sagt der Geschäftsführer. Insgesamt sei es jedoch schwieriger geworden, die weitere Entwicklung des Marktes zu prognostizieren: »Die letzten Jahre waren nicht mehr so repräsentativ für den Markt. Das kann man nicht mehr so analysieren, wie man das früher konnte. Alle fahren mehr auf Sicht als vor der Pandemie.«


In den E-Bike-Segmenten gab es zuletzt relativ wenig Bewegung, wenn es um Marktanteile ging. Das könne sich aber schnell ändern, lautet die Erwartung.

Habe der Markt sich in der Vergangenheit fortschreibend entwickelt, könne es heute stets große Umbrüche geben. Für E-Bikes rechnet Limbrunner aber damit, dass deren Entwicklung weiterhin Kaufanreize schaffen könne. »E-Bikes befinden sich immer noch in einer Innovationsphase«, erklärt er. Sie würden zunehmend optisch unauffälliger und könnten mehr Leistung und mehr Akkukapazität bei niedrigerem Systemgewicht bieten. »Ein Trekkingrad für 1000 Euro sieht nach 10 Jahren noch ähnlich aus. Aber ein E-Bike von heute bietet gegenüber einem von 2016 mehr Gründe für einen Nachkauf.«
Obwohl konjunkturell bedingt zuletzt an verschiedenen Stellen Kosten gespart werden mussten, wurden bei Focus keinerlei Entwicklungsprojekte gestrichen. Mit Blick auf den Fahrradmarkt stellt Moritz Failenschmid dennoch fest, dass die Entwicklungsgeschwindigkeit sich teilweise verlangsamt habe. »Als der neue Bosch-Motor der fünften Generation kam, hat man schon gesehen, dass nicht jeder Konkurrent direkt gelauncht hat. Das war in der Vergangenheit oft anders«, erzählt Failenschmid, der als Branchenkenner mitunter alte Teile in Line-ups der Konkurrenz entdecken kann, die eigentlich nicht mehr geliefert werden. Ein Anzeichen für alte Bestände.

Volle Power, schwacher Cashflow

Was die Produkte der Branche anbelangt, sieht man bei Focus Steigerungen der Motorenleistung als anhaltenden Trend. Failenschmid sagt zudem: »Wir haben als Industrie das Thema Lightweight überschätzt. Der Trend geht klar zum Full-Power-E-Bike beziehungsweise Konzepten, die Full-Power mit Lightweight kombinieren.«
Das Wettrüsten mit Blick auf die Leistung sei durchaus kritisch zu betrachten und könne, wenn es aus dem Ruder laufe, den Markt schädigen, warnt Failenschmid: »Das Fahrrad muss am Ende ein Fahrrad bleiben und on- und offroad händelbar sein. Wir müssen vorsichtig sein, dass wir den Status als EPAC nicht verlieren.«
Zudem verändert die wirtschaftlich klamme Lage vieler Händler das Orderverhalten. Die Vororder hat an Bedeutung verloren, was sich laut Failenschmid so fortführen wird: »Wir werden nicht zu Pre-Covid-Orderverhalten mit Vororderanteilen von ca. 70 bis 80 Prozent zurückkehren. Unsere Partner sind vorsichtig und wollen nicht wieder in eine kritische Lager- und Cashflow-Situation hineinlaufen beziehungsweise kämpfen immer noch mit hohen Beständen.«

Verhaltener Optimismus

Trotz dieser Entwicklungen blickt Failenschmid optimistisch auf die E-Bike-Zukunft und rechnet zum Beispiel mit weiterhin steigender Elektrifizierung und guten Verkäufen im Mountainbike-Bereich. Im April wird Focus ein neues Modell vorstellen in einem Segment, das laut Failenschmid viel Marktpotenzial hat: »Was wächst, sind Wave-Rahmen mit Full-Suspension.«
Benjamin Wenz bewertet seine Haltung gegenüber der Order-Saison für 2027 ebenfalls als »zurückhaltend optimistisch«, da E-Bike und Cargo-Bike als Konzept langfristig attraktiv seien. Der Fachhandel habe das nötige Gespür für die Wünsche der Kunden und Kundinnen. »Gleichzeitig sehen wir, dass viele Menschen zunehmend verunsichert sind und zurückhaltender agieren, was Kaufentscheidungen angeht. Wir wirtschaften daher mit Weitblick und stellen uns gemeinsam mit dem Handel auf unterschiedliche Szenarien ein«, sagt Wenz. Besonders im Cargo-Bereich gebe es grundsätzlich noch viel Wachstumspotenzial. Und dann sind da noch geopolitische Entwicklungen, die sich ebenfalls positiv auf die Konsumentscheidungen pro E-Bike auswirken: »Wir sind davon überzeugt, dass E Bikes ein zentraler Schlüssel für die Mobilitätswende sind. Und ihre ökologische und gesundheitliche Wirksamkeit hat auch klare wirtschaftliche Vorteile. Gerade jetzt, wo Energie- und Spritpreise so stark steigen wie nie zuvor, können Menschen die Kosten für die eigene Mobilität senken, indem der Arbeitsweg mit dem E-Bike zurückgelegt oder der Zweitwagen durch ein Cargobike ersetzt wird.« //

27. April 2026 von Sebastian Gengenbach
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