
Accell Germany und Tochtergesellschaften
Die Insolvenzlawine rollt auch durch Deutschland
Nachdem ein strukturierter Verkaufsprozess für die gesamte Accell-Gruppe zum Monatswechsel gescheitert ist, hat die Accell Group weltweit in zahlreichen Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Union Insolvenzanträge gestellt, darunter in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Ungarn.
In Deutschland hat die Accell Germany GmbH mit Sitz in Sennfeld am 5. August 2026 beim Amtsgericht Schweinfurt einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Auch die Tochtergesellschaften Winora Staiger GmbH und Ghost-Bikes GmbH als Hersteller von Fahrrädern und E-Bikes sowie der Fachgroßhändler für Fahrradteile und -zubehör Engelbert Wiener Bike Parts GmbH haben am 5. August entsprechende Anträge auf Eröffnung von Eigenverwaltungsverfahren beim zuständigen Amtsgericht Schweinfurt gestellt.
Alle Unternehmen sollen im Rahmen der eingeleiteten (vorläufigen) Eigenverwaltungsverfahren saniert, die Geschäftsbetriebe während der eingeleiteten gerichtlichen Sanierungsverfahren bestmöglich fortgeführt werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Ziel sei eine Investorenlösung unter Herauslösung der deutschen Geschäftstätigkeiten aus der internationalen Accell-Gruppe. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeitenden sind über das Insolvenzgeld bis Ende Oktober 2026 gesichert.
Chance der Eigenverwaltung
„Die Eigenverwaltungsverfahren geben uns die Möglichkeit, die Sanierung der deutschen Gesellschaften unter schwierigen Marktbedingungen strukturiert anzugehen”, sagt Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger, Stuttgart, der für die Dauer der Eigenverwaltungsverfahren als Generalbevollmächtigter in die Unternehmen eingetreten ist und die Geschäftsführung gemeinsam mit seinen Partnerkollegen Dr. Hans Konrad Schenk und Markus Berger bei der Restrukturierung unterstützt.
„Die Einleitung der Eigenverwaltungsverfahren ist ein wichtiger Schritt, um die deutschen Gesellschaften der Accell Group nachhaltig für die Zukunft aufzustellen. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden, Partnern und den Sanierungsexperten werden wir die Chancen dieses Verfahren konsequent nutzen, um unsere Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Weiterentwicklung zu schaffen“, erläutert Joost van Schaik, Geschäftsführer von Accell Germany.
Solide Grundlage
„Der Markt für Fahrräder und E-Bikes kam nach dem pandemiebedingten Boom in eine Krise, die bis heute viele Hersteller vor erhebliche Herausforderungen stellt. Die deutschen Accell-Gesellschaften verfügen mit Winora, Haibike, Ghost und E. Wiener Bike Parts über etablierte Marken, die im Markt gut positioniert sind und über eine treue Kundenbasis verfügen. Das ist eine solide Grundlage für die Sanierung”, erklärt Dr. Hans Konrad Schenk, Rechtsanwalt und Partner bei Grub Brugger am Standort Frankfurt. Aber ein Selbstläufer wird das Vorhaben offenbar nicht. „Ob eine erfolgreiche Sanierung gelingt, hängt von vielen Faktoren ab, darunter die weitere Marktentwicklung und die Bereitschaft aller Beteiligten, das Verfahren konstruktiv zu begleiten. Wir sind jedoch zuversichtlich und werden alles daransetzen, Investoren zu finden, die den deutschen Teil der Accell Group mit den etablierten Marken fortführen möchten”, so Martin Mucha.
Juristen und Berater
Ein Team der Kanzlei Grub Brugger Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB begleitet die deutschen Gesellschaften der Accell Group im Zuge der Eigenverwaltungsverfahren. Die betriebswirtschaftliche Beratung erfolgt durch Bachert & Partner Unternehmensberatung. Als vorläufiger Sachwalter wurde in allen Verfahren der Rechtsanwalt Dr. Stefan Debus bestellt, Partner der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen, verantwortlich für den Standort Nürnberg. Seine Aufgabe ist es, das Verfahren im Interesse der Gläubiger zu überwachen. „Die Eigenverwaltung zeigt in der Praxis regelmäßig, dass sie sanierungsfähigen Unternehmen echte Chancen eröffnet. Auf Basis erster Gespräche mit den Beteiligten und einer kursorischen Bestandsaufnahme sehe ich für die Accell-Gesellschaften gute Voraussetzungen, die Mittel des deutschen Insolvenzrechts erfolgreich nutzen zu können“, sagt Debus.
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