
Händler-Events - Bikeventure Harz
Erlebnisse, die man nicht kaufen kann
Was als spontane Idee unter befreundeten VSF-Händlern begann, hat sich binnen zwei Jahren zu einem strukturierten, jährlich wiederkehrenden Ereignis entwickelt: dem Bikeventure Harz. Fünf Fachhändler aus verschiedenen Regionen Deutschlands luden zuletzt in diesem Sommer ihre Kundinnen und Kunden zu einem Wochenende voller gemeinsamer Touren, Tests und Gespräche in den Harz ein. Die Besetzung wechselt auch mal von Jahr zu Jahr, was in der Regel an Terminüberschneidungen liegt. Dieses Mal waren dabei Thorsten Larschow, Inhaber von Rad & Tour Cuxhaven, Torsten Hieke, Geschäftsführer im Radhaus Büren, Annette Blum, Geschäftsführerin bei Velophil Berlin, Fahrradkontor in Hannover sowie Andreas Appel, Inhaber von Pedalwerk Baunatal. Ziel war es, wie Larschow sagt, »auch mal mit anderen Fahrradhändlern Fahrrad zu fahren – und das Ganze ein bisschen mit unseren Kunden zusammen zu feiern«. Aus dieser freundschaftlichen Idee entstand ein Format, das vielleicht auch als Vorbild für andere Händlergruppen im Fachhandel dienen kann.
Vom privaten Anstoß zur professionellen Struktur
Die Wurzeln des Bikeventure liegen im Wunsch, selbst wieder aufs Rad zu kommen. »Wir wollten ein Event kreieren, bei dem wir selbst zum Fahren kommen – und gleichzeitig unsere Kunden anstiften, dieses Erlebnis zu teilen«, erklärt Appel. Der gemeinsame Nenner: kein klassisches Promotion-Event, sondern ein Treffen, das die Freude am Radfahren ins Zentrum stellt – unabhängig von Fitnesslevel oder Radtyp. Unterstützt wurde die Initiative von Beginn an von den Marken Stevens, Simplon und Riese & Müller, die das Potenzial erkannten.
Im ersten Jahr war die Resonanz noch verhalten: Viele Kundinnen und Kunden konnten sich unter dem Konzept wenig vorstellen. Beim zweiten Durchgang stieg die Zahl der Anmeldungen auf knapp 60 Teilnehmende. »Wir haben gesehen, dass es funktioniert, wenn die Menschen verstehen, worum es geht: ums Fahren, ums gemeinsame Erleben, nicht um sportliche Leistung«, so Appel.
Anmeldezahlen sind für die Organisatoren kein Selbstzweck. »Ich sehe solche Events nie unter dem Punkt, wie viele Räder ich danach verkaufe, sondern einfach als gemeinsames Erlebnis – um Kunden an den Laden zu binden«, sagt Hieke.

Das Bikeventure Harz bietet eine große Auswahl für die Teilnehmenden. Fahrtechnikkurse gehören ebenso zum Programm wie ein vielfältiges Tourenangebot und vieles mehr.
Auch Blum betont, dass sich Erfolg nicht an Verkaufszahlen misst: »Wir hatten drei Teilnehmer und daraufhin zwei Räder verkauft – das ist nett, aber nicht das Ziel. Es geht um Spaß, ums Ausprobieren, ums Entdecken anderer Radgattungen.«
Diese Haltung macht das Bikeventure flexibel in der Ausrichtung. Ein Wachstum um jeden Preis ist nicht das Ziel. Vielmehr soll die Veranstaltung offenbleiben für unterschiedliche Zielgruppen – vom sportlichen E-Biker bis zur Freizeitfahrerin. »Im Idealfall hat der eine sein Trainingscamp, der andere macht gemütliche Touren mit Biergartenstopp – und alle treffen sich abends wieder und freuen sich, Rad gefahren zu sein«, fasst Larschow zusammen.
So ein Projekt bleibt im Wandel. Die Händler haben bereits beschlossen, es auch im kommenden Jahr fortzusetzen und weiter zu optimieren. »Wir können an jeder Stellschraube drehen, von der Modellverfügbarkeit bis zur Gruppeneinteilung«, sagt Larschow. Ein besonderes Anliegen sei ihm, das Event familienfreundlicher zu gestalten. »Wir sind noch nicht als Familienveranstaltung aufgestellt, das wäre mir wichtig.«
Auch Blum sieht kommunikatives Feintuning als Schlüssel: »Man sollte den Leuten die Angst nehmen, sie seien nicht gut genug, um mitzufahren.« Entscheidend sei, klar zu sagen, dass es kein Leistungsevent sei, sondern ein offenes, niedrigschwelliges Erlebnis.
Professionelle Organisation hält Belastung gering
Inzwischen wird das Bikeventure professionell organisiert – mit Unterstützung einer spezialisierten Agentur, die Larschow gegründet hat, um genau solche Arbeiten abzunehmen. Das war eine bewusste Entscheidung, um die Belastung der Händler gering zu halten. »Wir haben fünf bis sechs Online-Termine im Jahr, der Rest läuft über die Agentur. Das ist gut zu stemmen«, erklärt Hieke.
Appel ergänzt: »Die eigentliche Arbeit liegt weniger in der Organisation, sondern in der Kundenansprache im Laden – herauszufinden, wer Lust hat, welches Rad braucht, an welcher Tour teilnehmen möchte.«
Larschow sieht sich mit dem gemeinsamen Ansatz ebenfalls bestätigt: »Wenn man die Hotelbuchungen, Essenswünsche, An- und Abreise und Zahlungsabwicklung einer Agentur überlässt, bleibt der Aufwand für den Händler überschaubar. Das gehört dann fast schon zum normalen Kundendialog.«
Wirtschaftlich trägt sich das Event zwar nicht im Sinne einer Profit-Veranstaltung, doch das ist auch nicht der Anspruch. Jeder der beteiligten Läden zahlt einen Beitrag zur Organisation, die Kosten sind klar kalkuliert. »Die Agentur wird natürlich bezahlt. Das ist professionelle Arbeit, und die lohnt sich«, sagt Hieke.
Kundenauswahl und Kommunikation
Die Teilnehmenden werden über bestehende Kanäle angesprochen – Website, Social Media, Newsletter, Plakate und Flyer im Laden. »Es durfte jeder mitfahren, der Lust hatte – egal ob 30 oder 78«, so Hieke. Larschow ergänzt, dass die Reichweite bewusst auf die bestehende Kundschaft fokussiert blieb: »Wir haben keine Internet- oder Radiowerbung geschaltet. Das Ganze lebt vom persönlichen Bezug.«
Diese Nähe ist Teil des Konzepts: ein Erlebnis auf Augenhöhe, nicht eine Werbeaktion. Für viele Kundinnen und Kunden entsteht durch das gemeinsame Wochenende ein echter Beziehungsanker. »Was man nicht einfach irgendwo kaufen kann, sind Erlebnisse«, bringt Blum es auf den Punkt. »Erlebnisse schaffen bindet.«
Nachahmer erwünscht
Das Bikeventure Harz soll Schule machen. Alle Beteiligten sind überzeugt, dass auch andere Händlergruppen ähnliche Formate umsetzen können, unabhängig von ihrer Größe oder ihrer Verbandszugehörigkeit.
»Man muss sich zusammentun, zu zweit, zu dritt oder zu viert, und dann offen darüber reden, wie man’s anpackt. Es ist einfacher, als viele denken,« sagt Hieke. Besonders hilfreich sei es, sich Partner mit Ortskenntnis und Organisationskraft zu suchen.

Im wahrsten Sinne ein Höhepunkt der Bikeventure-Touren ist der Brocken, der höchste Berg im Harz.
Appel sieht den Mehrwert auch in der Gegenbewegung zur digitalen Welt: »Das ist ein Kontrapunkt zum Online-Alltag – echte Begegnung, echtes Gelände, echtes Wetter. Diese Wärme kannst du nicht digital abbilden.«
Für die Händler bedeutet das: gemeinsame Planung, geteilte Kosten, geteilte Verantwortung – und ein hohes Maß an Authentizität. Larschow betont: »Wir haben uns den Harz ausgesucht, weil er für alle gut erreichbar ist. Jeder kommt aus einer anderen Richtung – das macht es spannend und sorgt für Austausch.«
Motivation und Nutzen für die Hersteller
Keine Nebensache ist der Standpunkt der Industrie. Auch sie profitiert und unterstützt das Event gerne. Für Stevens fasst Jacob von Hacht zusammen: »Erstens finden wir es klasse, dass sich mehrere Händler zusammentun und so ein Event auf die Beine stellen. Wir bekommen direktes Feedback auf unsere Produkte, können uns als Marke präsentieren – und das gemeinsame Radfahren bringt einfach Spaß und wertvolles Echo. Es ist ein schöner Mix aus Händlerkontakt und Endverbraucheransprache.« Von Hacht war bei der Erstausgabe selbst mit dabei. Er ist keineswegs erpicht darauf, die Veranstaltung zum Massenevent zu machen, und kann sich gut andere Wege mit kleinen Teilnehmerzahlen vorstellen. »Das darf gerne auch ein bisschen exklusiver sein«, lautet sein Rat.
Die Marke sieht solche Kooperationen als echte Win-win-Situation: Sie bieten authentische Praxiserfahrung für Kundinnen und Kunden, ehrliches Feedback für die Produktentwicklung und enge Bindung zu engagierten Händlern.
Ins gleiche Horn stößt man auch bei Riese & Müller: »Das Harz Bikeventure ist ein überzeugendes Format: Unsere Räder werden in geführten Touren unter realen Bedingungen getestet – genau dort, wo sie später auch im Alltag zum Einsatz kommen. Das kompakte Programm mit Übernachtung schafft eine entspannte Atmosphäre und bietet Raum für wertvolle Gespräche – sowohl während der Ausfahrten als auch im persönlichen Austausch abseits der Strecke. Davon profitieren Teilnehmende wie auch Hersteller gleichermaßen«, erklärt Jens Landwehr, Head of Sales DACH von Riese & Müller.
Für die Hersteller gilt also allgemein: Das Bikeventure bietet die Gelegenheit, jenseits von Messen und Testtagen in direkten Dialog mit Endkundschaft zu treten, und das in einer glaubwürdigen, nicht werblichen Umgebung.
Das Bikeventure Harz ist ein Beispiel dafür, wie Händlerinitiative, Gemeinschaftsgeist und Markenpartnerschaft ineinandergreifen können. Es zeigt, dass Authentizität stärker wirkt als Hochglanz-Promotion, und dass echte Begegnungen zwischen Menschen, Marken und Produkten durch nichts zu ersetzen sind. Es ist, wenn man so will, im besten Sinne ein Fachhandelsprodukt.
Die Zukunft der Veranstaltung soll noch vielfältiger werden: familienfreundlicher, offener, vielleicht mit weiteren Partnern. Aber am Grundgedanken wollen die Initiatoren festhalten – dem Erlebnis, das bleibt. »Wenn am Ende alle mit Freude nach Hause fahren, dann haben wir alles richtig gemacht«, sagt Larschow. //
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