
Markt - velobiz.de-Summit
Marke, Mut und MacAskill: So war der 15. velobiz.de-Summit in Würzburg
Es war ein fachlicher Austausch und inzwischen auch ein Klassentreffen mit Zukunftsblick. Immerhin handelte es sich schon um das 15. Treffen in diesem Rahmen. Im Würzburger Vogel Convention Center und schon beim Warm-up am Vorabend wurden die großen Themen der Fahrradkommunikation besprochen und der persönliche Austausch gepflegt. Das Jubiläum stand ganz im Zeichen des Spannungsfeldes zwischen technologischer Disruption durch KI und der Rückbesinnung auf das, was das Fahrradfahren eigentlich ausmacht: Emotionen. Moderator Frank Puscher führte durch ein Programm, das keine einfachen Antworten lieferte, aber dafür umso wertvollere Werkzeuge für den Marketing-Alltag anbot.
Mit A/B-Tests zur Conversion
Den Auftakt machten Pia Moritz von Canyon und Niklas Muxel von JobRad mit einem echten Aha-Erlebnis aus der Praxis. In einem Experiment zeigte Canyon auf seinen Produktseiten wahlweise die Leasing-Rate oder den kalkulierten Gesamtpreis an. Das überraschende Ergebnis: Die Conversion stieg um satte 60 Prozent, wenn der Gesamtpreis sichtbar war.
Die KI kommt
Das Buzzword des Jahres durfte natürlich nicht fehlen: Künstliche Intelligenz. Doch statt abstrakter Zukunftsmusik gab es handfeste Strategien. Kathi Krimmer von Vogel Corporate Solutions schenkte den Anwesenden reinen Wein ein. Die klassische SEO-Welt wandelt sich zur »AI-Search«. Die schlechte Nachricht: Man kann kaum beeinflussen, ob und wie man dort stattfindet. Die gute: Noch ist Zeit. Krimmers Rezept für die Übergangsphase klingt fast beruhigend klassisch: Stärkung der Marke, Ausbau des eigenen Youtube-Kanals und – vielleicht der wichtigste Tipp des Tages – »erstellen Sie die besten FAQ der Welt«. Denn wer die Fragen der Kunden am besten beantwortet, gewinnt auch im KI-Zeitalter.

Die vortragenden Marketing- und Kommunikationsexperten brachten viele bemerkenswerte Einsichten mit, die echten praktischen Mehrwert haben.
Wie das in der Praxis aussieht, demonstrierte Natalie Kuba. Sie zeigte eindrucksvoll, wie Tools wie »Nano Banana« oder »VEO3« heute schon Produkte in Sekundenschnelle visualisieren können – vom freigestellten E-Bike bis zum emotionalen Video eines Kindes im Park.
Doch bei aller Technikbegeisterung war es Norman Bielig von Desire Lines, der den wohl emotionalsten Appell des Tages formulierte. Er kritisierte, dass das Marketing der Branche zu sehr von den »harten Faktoren« Preis und Promotion dominiert werde. Wo bleibt die Liebe zum Produkt? Wo das echte Erlebnis? Bielig forderte ein Umdenken weg von starren Zielgruppen-Personas hin zu echten Bedürfnissen.
Unterstützt wurde diese These durch verschiedene Studien. Sie zeigen eine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage: Während die Branche oft im High-End-Bereich kommuniziert, sucht mehr als die Hälfte der Interessierten E-Bikes unter 2000 Euro – ein Feld, das oft Discountern überlassen wird. Doch die Hoffnung liegt im Detail: Überraschend viele Kunden, gerade aus der GenZ, wollen das Rad vor dem Kauf anfassen. Eine Steilvorlage für jeden Händler, der Beratung und Erlebnis vor Ort bietet.
Einwurf von der Seitenlinie
Politisch wurde es, als Mathias Riegel zum »Einwurf von der Seitenlinie« ansetzte. Er warnte davor, das Fahrrad immer nur im Konflikt zum Auto zu inszenieren. »10 Millionen E-Bikes – die Radbranche hat doch die Verkehrswende längst geschafft«, so sein selbstbewusstes Fazit. Die Aufgabe
sei es nun, das Rad als verbindenden, integralen Bestandteil der Mobilität zu erzählen, statt Gräben zu vertiefen.
Zum krönenden Abschluss und im Rahmen eines Kamingesprächs gab Danny MacAskill mit seinem Manager Tarek Rasouli einen Einblick in das Leben des Bike-Akrobaten. Als vor 16 Jahren sein Video »Inspired Bicycles« online ging, ahnte niemand, dass dies das Fahrradmarketing für immer verändern würde. Der Blick zurück auf diesen viralen Urknall erinnerte alle daran, was am Ende zählt: Authentizität und gutes Storytelling.
Was bleibt vom 15. velobiz.de-Summit? Die Erkenntnis, dass die KI zwar die Werkzeuge liefert, aber Menschen die Geschichten schreiben. Ob auf Linkedin, wo Eva List dazu ermutigte, als CEO auch mal persönlich und »empathisch, verbindend, authentisch« (EVA) aufzutreten, oder im Laden vor Ort. Die Branche hat Hausaufgaben für 2026 mitgenommen: Mehr Mut zur Preistransparenz, weniger Angst vor der KI und noch mehr Herzblut in der Kommunikation.
Der nächste Summit kommt schon bald: Am 24. November geht es in Würzburg wieder um die großen Fragen von Branding, Marketing und Kommunikation. Anmeldung zum Super-Early-Bird-Tarif noch bis zum 28. Februar unter
www.velobiz.de/summit
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