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Foto: Georg Bleicher - Übergroßes Display am Bike von Tarran - Cyclingworld Düsseldorf
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Cyclingworld Europe 2026

Neuheiten-Börse und Mut-Macher

Lifestyle-lastig und ein riesiges Einzugsgebiet: Die Cyclingworld in Düsseldorf hatte in Vergleich zu anderen Endverbrauchermessen immer schon ein hohes Potenzial als (…)

Foto: Georg Bleicher - Brompton mit großer Neuigkeit und AntriebssystemFoto: Georg Bleicher - Neues für die City von CobocFoto: Georg Bleicher - Neue Federgabel von IsycaFoto: Georg Bleicher - Für die Kleinen mit OrbeaFoto: Georg Bleicher - Pelicano-Tandem von Biocicapace Foto: Georg Bleicher - Tarran Foto: Georg Bleicher - Radeln und Arme trainieren mit VelogymFoto: Georg Bleicher - Clemens Schwöbel von Fingerprint Cycling

(…) Neuheiten-Börse. Für die Ausgabe März 2026 kam noch hinzu, dass eine schwächelnde Eurobike manche Hersteller zur CW lockte, auch weil die Düsseldorfer Messemacher noch Business-Charakter eingestreut hatten (Messenachbericht velobiz.de) . So wundert es nicht, dass mancher die März-Messe nutzte, um Modell-Updates, aber auch ganz neue oder vor kurzem in kleinem Kreis vorgestellte Kreationen zu präsentieren.

Neue Unterstützung

Als einer der großen Stars auf der Messe wurde das neue Brompton Electric, besonders das T-Line Electric mit neuem E-Motiq-System gefeiert. In dieser Ausstattung gewann das englische Kultbike den Cyclingworld-Award in der Kategorie Falt- und Kompaktbike. Der Motor, jetzt im Hinterrad, wird, wie fast alles, von Brompton gebaut, wie CEO Will Butler-Adams erklärt. Die Nabenschaltung-kleine Dose treibt mit 24 oder 30 Nm voran und wird von einem Akku in einer Systemtasche vor dem Steuerkopf befeuert (340 Wattstunden, Brompton spricht von 90 Kilometer Reichweite). Beste Sensoren sollen unter anderem für seidenweiche Unterstützung sorgen. Das Titan-Rad selbst mit Carbongabel soll es in nicht-elektrischer Version auf gerade einmal 7,45 Kilogramm schaffen, das Electric gibt es ab 13,5 Kilo. Letzteres ist rundum moderner geworden: Die neue Handlebar Control ist jetzt Steuerelement für alle möglichen Fahrdaten nebst Routenaufzeichnung, Unterstützungseinstellung und Beleuchtung. Wie bei den „Großen“ gibt’s jetzt über die Electric App Reichweitenprognosen und „Over the Air“-Updates. Das smarte System lernt den Fahrer oder die Fahrerin kennen und passt die Motorunterstützung laufend aufgrund dieser Daten neu an. Das neue Motiq-System wird in Zukunft auch in den anderen Linien verbaut. Kosten für den Award-Gewinner T-Line Electric: Ab 6799 Euro. www.brompton.com .

Für Familien-Fans


Francesco Lombardi nutzte die Plattform, die zum Testen auch viele Eltern mit Kindern anlockt, sein gerade fertig entwickeltes Pelican SL vorzustellen, das erste Familien-Tandem des italienischen Transportrad-Bauers. Wie immer orientiert am Hollandrad und im typischen Bicicapace-Stil.
Das Kind (bis zu 1,50 Meter Größe) sitzt hier vor dem steuernden Erwachsenen auf einem quasi-separaten Rahmenzug inklusive starrem Lenker. Ein Lenkgestänge für den Fahrer hinten ähnlich dem am Hase Pino ermöglicht das. Ein Vorteil ist die kompakte Länge für ein Tandem von 2,3 Meter, ein anderer, dass das Kind freie Sicht hat und Kommunikation zwischen den Tandemisti durch die Sattelpositionen ganz einfach ist. Der Rahmen ist aus CroMoly, hinten finden verschiedene Träger- und Sitzmodule Platz, vorne erlaubt ein System viele Möglichkeiten vom Hunde- bis zum Einkaufskorb.
Unterstützte mit einem Bosch-Antrieb kostet das Rad ab etwa 5600 Euro, ohne Unterstützung steigt man schon bei 2.500 Euro auf. www.bicicapace.com .

Kinderüberraschung!


Um die Kids kümmert sich jetzt auch Orbea mit der neuen MTB-Modellreihe Kimu. Das kleinste Rad (16 Zoll) für die absoluten Starter ist gleichzeitig ein Laufrad und ein MTB. Für erstere Funktion wird die Kette vom Ritzel gehoben und so vorübergehend stillgelegt. Dank schwimmender Kettenhülle gibt es hier keine Verletzungs- oder Verschmutzungsgefahr. Die Kurbeln werden über die Vierkantachse parallel nach vorne ausgerichtet, auf ihnen findet eine schmale Fußauflage Platz. So ist wird der Übergang vom Rollen zum Pedalieren barrierefrei. Ein Lenkungsdämpfer soll vor allzu quirligem Handling schützen. Weiteres Highlight: vorn und hinten gibt’s leichtgängige Scheibenbremsen mit besonders kleinen Bedienhebeln. Viel Hightech fürs Kind für knapp 500 EUR. Die Kids-Palette geht hoch bis zum 27,5er MTB. Das Rad hat eine Carbongabel und bringt etwa 6,5 Kilo auf die Waage. www.orbea.com

Vom Kopf auf die Füße


Auch klein, aber nicht für Kinder ist die Isyca Cargoca-Federgabel in 20 Zoll. Das Besondere an ihr: Sie ist eine Upside-Down-Gabel, was ansonsten in dieser Radgröße kaum gibt. Sie kommt aus Unternehmen Bike Technology von Christoph Kern, den mancher noch aus leitender Position bei Magura kennt.
Die Vorteile liegen für Jürgen Anis am Stand auf der Hand: hohe Steifigkeit und durch die deutlich geringere Schmutzanfälligkeit des Konzepts sehr lange Wartungsintervalle. „Wir können mit 20.000 Kilometer-Intervallen arbeiten“, erklärt er. Absolut einzigartig ist aber, dass die Cargoca in Wunschgrößen und mit Wunschfederwegen hergestellt werden. „Wenn jemand eine 17-Zoll-Gabel sucht, bekommt er die bei uns“, sagt Anis. Die Fertigung der Gabeln sitzt im badischen Weil der Stadt. Die Cargoca für 20 Zoll kann mit bis zu 100 Millimetern Federweg glänzen. Kostenpunkt: ab 439 EUR. Biketechnology.eu.

Mein Po ist einzigartig


Der individuell, perfekt angepasste Sattel – damit gewann Fingerprint Cycling den zweiten Preis in der Kategorie Best Parts & Components auf der Cyclingworld. Was den Sitz aus der kleinen Schmiede aus dem Saarland so besonders macht, ist der hohe Grad der Individualität. Breite, Form, Härte, alles wird ganz individuell aufgrund der Eigenheiten der Radfahrer oder Radfahrerinnen bestimmt. Schon die Unterschale ist in verschiedenen Härten und Ausführungen wählbar, darüber wirds ganz individuell. Ausgangsbasis ist wie bei einigen Mitbewerbern der digital vermessene Sitzabdruck des Kunden. Dazu kommen der Einsatzbereich, seine Sitzhaltung und einige Punkte mehr. Und sie alle kommen zum Tragen. Clemens Schwöbel ist Gründer und Geschäftsführer und produziert mit mittlerweile sechs Mitarbeitern individuelle Sättel per 3-D-Druck. Lieferzeit: zwei bis drei Wochen, egal für welche Art von Radnutzung. Die Härte des Paddings wird unter anderem durch die Feinheit des gedruckten Materials definiert. Der Bezug des Sattels – auf Wunsch gibt es hier auch Leder, kann ausgewechselt werden. Wird der Sattel – beispielsweise bei einem Sturz – beschädigt, kann das Padding auf Grundlage der vorhandenen Daten einfach nachproduziert werden. Geordert wird direkt beim Unternehmen oder über einen Händler mit Messgerät. Derzeit baut man das Händlernetz aus. Schwöbel: „Die Händler arbeiten auf Kommission, bestellt wird erst auf Bedarf“, was den Aufwand für die Partner geringhält. https://fingerprint-cycling.com

Radfahren beim Rudern


Auch für das Besondere steht die Cyclingworld, sowohl in Sachen Design als auch Funktion. Gustav und Wendelin Holz präsentieren sich erstmals mit einem sehr speziellen Trike; das Velogym hat zwei Antriebe: Den üblichen Pedalantrieb und einen Ruderantrieb. Spezialrad-Kenner wissen, dass das nicht der erste Versuch ist, auch Oberkörpertraining ans Fahrrad zu bringen. Es könnte aber aufgrund seines Konzepts der bislang effektivste und sicherste sein. Der Push and Pull-Mechanismus, wie Gustav Holz ihn nennt, kann das Rad allein oder zusätzlich zum Beinantrieb antreiben. Denn bisher scheiterte die Sache meist an der Kombi Lenkung/Antrieb. Hier liefert das Rad einen sehr sicheren Eindruck. Der Trick: Der Antrieb ist so konstruiert, dass die Steuerung über die beiden Lenkergriffe wie mit einem großen Lenkrad innerhalb dessen man sitzt, funktioniert. Gleichzeitiges Lenken und Ziehen / Vordrücken der Griffe ist kein Problem und geschieht automatisch.
Effekt der Technik: Vor allem beim Beschleunigen ist ein deutlicher Zuwachs gegenüber herkömmlich angetriebenen Trikes zu erleben. Auch die Endgeschwindigkeit soll höher liegen. Ansonsten fährt sich Velogym wie ein flottes Tourenbike mit sehr agiler Lenkung, Oberkörpertraining inklusive. Mit hochwertigen Komponenten und einer für den Einsatz passenden Tektro-Scheibenbremse an der Front ausgestattet, kostet das 27-Kilo-Rad made in Germany 10.000 Euro. Die erste Serie – teilweise schon verkauft – läuft jetzt an. www.velogym.de .

Longtail mit Luxus


Noch mehr Hightech gab es beim Hersteller Tarran, der das Lastenrad vollständig digitalisieren will. Nach dem T1 Pro von 2024 zeigte man das L1 nun erstmals in Deutschland – ein 20-Zoll Longtail mit vielen ungewöhnlichen Features. Da ist zunächst der hierzulande noch wenig vertretene Gobao-Mittelmotor, der mit 100 Newtonmeter für viel Schmackes bei voller Beladung sorgt. Der Akku liefert 693 Wattstunden. Das Rad hat serienmäßig vier Blinker an Bord, ebenso Bremslicht und einen Frontstrahler mit 150 Lux. Grundsätzlich ist ein LTE-Modul für die Kommunikation verbaut, genauso wie eine elektrische Sattelstütze. Das Auffälligste ist wohl das riesige abnehmbare Display, das neben den Fahrdaten auch das Kamerabild nach hinten zeigt. Damit soll man den in Kürze überholenden Verkehr immer im Blick haben. Beeindruckend auch, dass sich das Rad per Knopfdruck am Lenker selbst auf den stabilen Zweibeinständer hievt oder ihn wieder hochklappt. Mit satten 105 Kilo darf man den großen Hinterradträger belasten. Je nach Sitz- und Sicherheitsausstattung können das (maximal) zwei Kinder oder ein kräftig gebauter Erwachsener sein. Klares, europäisch anmutendes Desing in spacigen Lackierungen runden den futuristisch angehauchten Auftritt ab. Der Preis ist eine Herausforderung an Mitbewerber: ab 3.599 Euro. tarranbikes.com.

Sicherheit zum Anstecken


Auf der Cyclingworld wurden auch die Blinker für die Lenkerenden von Busch & Müller erstmals offiziell auf einer Fachmesse vorgestellt, in der Schweiz hatte der Lichtspezialist die Neuheit der Fachwelt bereits auf der Infotech gezeigt velobiz.de berichtete .
Das Turntec T2-System wird wie ein Lenkerstopfen in die Bügelenden gesteckt und durch Drehen innengeklemmt. Eingeschaltet wird per Handballen durch einen kleinen Tipp links oder rechts auf die Blink-Elemente, wo ein ringförmiger Tastschalter sitzt. Überraschend hell leuchtet das System und ist von vorn wie hinten gut zu erkennen. „Man merkt, dass die Leute Lust auf Blinker haben“ erklärt Claudia Müller vom Marketing am Busch & Müller-Stand. Beim jüngeren Publikum herrsche der Komfort-Gedanke, nicht mit der Hand winken zu müssen, die älteren Besucher schätzten die Sicherheit, die Hände nicht vom Lenker nehmen zu müssen. Die einfache Montage und der Preis von 124,99 Euro mache das System zusätzlich interessant. www.bumm.de .

Mehr City wagen


Coboc, Spezialist für leichtgewichtige E-Bikes mit minimalistischer Optik, zeigte mit dem Skye City die Erweiterung der Modellpalette im City-Bereich. Das Rad unterstützt mit dem kleinen Bosch SX-Motor, der wahlweise über Kette oder Riemen antreibt. 400 Wattstunden liefert der fest eingebaute Akku im Unterrohr. Mit vollausgestatteten 17,4 Kilo kann letztere Version punkten. Leicht profilierte, sehr breite Reifen, unauffällige mattschwarze Schutzbleche (integrierter Träger hinten) und die gerade verlaufende Carbongabel geben dem Auftritt einen sportlichen Touch. Man bleibt aber auch in Details bewusst qualitätsorientiert: Die Ladebuchse auf dem Hauptrohr beispielsweise wird von einer Edelstahl-Metallabdeckung geschützt. Vorn sitzt ein Supernova Mini-Strahler, hinten ein Rücklicht mit Bremslicht von Büchel. Einstieg ist bei 4799 EUR. www.coboc.biz

Neues macht Mut

Neuheiten sind in schlechten Zeiten eher rar. Viele Hersteller arbeiten mehr an teils homöopathischen Weiterentwicklungen als an neuen Kreationen. Die Bühne der Cyclingworld 2026 haben aber offensichtlich auch Aussteller genutzt, die ansonsten auf der Eurobike ausstellen und sich in diesem Jahr gegen die Teilnahme entschlossen haben. So gab es auch über unsere Beispiele hinaus noch vieles zu sehen und zu erfahren, dass wieder mehr nach vorn zeigte. Allein für dieses Mutmachen kann man der Cyclingworld danken.

Donnerstag um 08:06 von Georg Bleicher

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